Bewohner von Jablonec in Neugablonz: Begegnung mit Vertriebenen

02-06-2014

Das nordböhmische Jablonec nad Nisou / Gablonz an der Neiße und das allgäuische Kaufbeuren verbindet eine Städtepartnerschaft. Das kommt nicht von ungefähr, denn beide Gemeinden haben viel gemeinsam und ein Stadtteil von Kaufbeuren nennt sich Neugablonz. Am vergangenen Wochenende besuchte nun eine Gruppe von Bewohnern aus Jablonec die Partnerstadt in Bayern.

Trio IUNO (Foto: Martina Schneibergová)Trio IUNO (Foto: Martina Schneibergová) Ein Konzert tschechischer Musiker bildete den feierlichen Teil der Begegnung. Unter anderem spielte der junge Pianist Jakub Uhlík die Kaufbeurer Sonatine in g-moll für Klavier von Otto Feix. Das Konzert fand am Samstagabend in der vollen Christuskirche in Kaufbeuren-Neugablonz statt. Otto Feix ist heute fast vergessen, der Komponist stammte aus dem nordböhmischen Frýdlant / Friedland.

Auch das Konzert diente dazu, die Städtepartnerschaft zwischen dem nordböhmischen Jablonec nad Nisou und Kaufbeuren mit Inhalt zu füllen. Doch im Mittelpunkt standen die Begegnungen als solche. Ernst Holy ist Bürgermeister von Kaufbeuren:

Ernst Holy (Foto: Martina Schneibergová)Ernst Holy (Foto: Martina Schneibergová) „Das Interesse an den Kontakten ist sehr groß. Man konnte es auch in der Kirche sehen, die voll war. Es war überwältigend, es gab viel Applaus. Das erleben wir in Kaufbeuren immer wieder. Wir haben verschiedene Projekte laufen, sei es im sportlichen Bereich, sei es im Schulbereich. Darum haben wir die Möglichkeit, dass wir die Partnerschaft auf starke Beine stellen - und das unterstützen wir auch.“

Kontakte zwischen Jablonec und Kaufbeuren gab es noch vor dem Abschluss der offiziellen Städtepartnerschaft vor etwa fünf Jahren. Denn zu Kaufbeuren gehört auch der Ort Neugablonz, er wurde von vertriebenen deutschsprachigen Bewohnern des böhmischen Gablonz nach dem Krieg gegründet. Ernst Holy:

Elisabeth Vietze (Mitte). Foto: Martina SchneibergováElisabeth Vietze (Mitte). Foto: Martina Schneibergová „Neugablonz ist unser größter Stadtteil mit 13.000 Einwohnern. Ich habe selbst enge Verbindungen dorthin. Es freut mich, wenn derartige Begegnungen wie die jetzige stattfinden.“

Für eine gute Partnerschaft zwischen den beiden Städten setzte sich vor allem die Neugablonzerin Elisabeth Vietze mit ihrem 13-jährigen Engagement im Stadtrat ein. Sie freue sich sehr über den Ausbau der Städtepartnerschaft, erklärte sie am Sonntag beim Treffen mit den Besuchern aus Nordböhmen. Denn nach Kaufbeuren kamen am Wochenende nicht nur tschechische Musiker, sondern auch eine Gruppe von 20 Bewohnern aus Jablonec. Sie hatten ein volles Programm in der Partnerstadt: eine Besichtigung des Isergebirgsmuseums in Neugablonz, eine Stadtführung sowie Begegnungen mit den Stadtvertretern und ehemaligen Landsleuten. Marie Bémová unterrichtet Deutsch an der Handelsakademie in Jablonec. Was hat sie am meisten fasziniert?

Marie Bémová (ganz links). Foto: Martina SchneibergováMarie Bémová (ganz links). Foto: Martina Schneibergová „Die Ähnlichkeiten der beiden Städte: Vieles von dem, was es in Jablonec gibt, haben wir auch in Neugablonz wiedergefunden. Viele Menschen, die wir oft zufällig auf der Straße trafen, sagten uns, sie seien in Gablonz oder irgendwo in der Umgebung der Stadt zur Welt gekommen. Das hat mich am tiefsten beeindruckt. Denn fast alle Leute, vor allem die Angehörigen der älteren Generation, stammen aus Nordböhmen oder aus Gablonz. Sie haben uns oft gefragt: Kennen Sie vielleicht meine Straße, die Mlýnská, oder eine andere.“

Marie Bémová fügte hinzu, die menschlichen Kontakte, die persönlichen Begegnungen habe sie an dem Besuch am meisten geschätzt. Der Hauptinitiator der Fahrt von heutigen Gablonzern nach Neugablonz war Borek Tichý vom Kultur- und Informationszentrum der nordböhmischen Stadt. Im Bus nach Prag zog er Bilanz des Besuchs:

Im Isergebirgsmuseum (Foto: Martina Schneibergová)Im Isergebirgsmuseum (Foto: Martina Schneibergová) „Ich bin einfach begeistert davon. Uns ging es auf beiden Seiten vor allem darum, dass sich sozusagen die ganz normalen Menschen treffen, dass es nicht nur Besuche von Politikerdelegationen gibt. Kommunalpolitiker waren zwar auch dabei, und das war auch wichtig. Aber diesmal stand die Begegnung der Menschen im Vordergrund.“

02-06-2014