Besseres Rating: Erfolg für Tschechiens Regierung?

07-10-2019

Die Ratingagentur Moody´s hat Tschechien in ihrer Bewertung angehoben. Dies ist die erste Verbesserung seit 2002. Regierungsvertreter werten dies als Bestätigung ihrer Politik. Doch die Agentur schreibt in ihrem Bericht auch warnende Worte.

Die Nachricht kam am Freitag, und sie war gut: Nach 17 Jahren hat sich Moody´s entschlossen, die Tschechische Republik im Rating aufzuwerten. Die Note heißt nun Aa3, zuvor war es nur A1 gewesen. Finanzministerin Alena Schillerová (parteilos) erläuterte die unmittelbare Bedeutung dieses Schritts:

„Auf diese Weise werden wir viele Hundert Millionen Kronen sparen bei den Zinsen für unsere Staatsschulden. Wenn Ratingagenturen die Bonität erhöhen, bedeutet dies ein größeres Vertrauen auf den Finanzmärkten in unsere Fähigkeit, Schulden zurückzuzahlen. Je besser die Note, desto weniger zahlen wir für unsere Kredite.“

Lukáš Kovanda (Foto Tschechisches Fernsehen)Lukáš Kovanda (Foto Tschechisches Fernsehen) Moody´s ist eine der drei wichtigsten weltweiten Ratingagenturen. Aber auch die anderen beiden – Standard & Poor´s und Fitch – bewerten Tschechien ziemlich hoch. Lukáš Kovanda ist Chefökonom bei der Investmentgesellschaft Czech Fund. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks ordnete er die Bonität ein:

„Wir können immer noch um einige Stufen nach oben steigen. Wir sind weiterhin nicht auf dem höchsten Niveau wie zum Beispiel Deutschland, die Niederlande und bei bestimmten Agenturen auch die USA. Aber laut Standard &Poor´s zum Beispiel trennen uns von den Vereinigten Staaten nur noch zwei Stufen. Von den Ländern des ehemaligen Ostblocks wird Tschechien in der Zusammenfassung der drei wichtigsten Ratingagenturen nun am besten bewertet. Wir sind also der Klassenbeste und liegen nun auch vor Estland und der Slowakei.“

Illustrationsfoto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0 Als Gründe für die Aufwertung nannte Moody´s unter anderem, dass Tschechien trotz derzeit schlechterer Konjunkturaussichten weiter seine Schulden abbaut. Zu Ende vergangenen Jahres lagen die gesamten Verbindlichkeiten des tschechischen Staates bei 30,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Bis 2023 soll der Schuldenstand auf unter 30 Prozent des BIP sinken.

Weiter lobt die Ratingagentur in ihrem Bericht gewisse Fortschritte bei den Strukturreformen. Genannt werden dabei etwa der Arbeitsmarkt und das Bildungssystem. Das wiederum ließ den Premier frohlocken:

„Ich bin vor allem froh darüber, dass Moody´s von unseren hervorragenden Finanzen spricht und von den Reformen unserer Regierungen aus der letzten Zeit. Da wird uns die Opposition jetzt wohl nur noch schwer kritisieren können.“, so Andrej Babiš (Partei Ano).

Radek Špicar (Foto: Ian Willoughby)Radek Špicar (Foto: Ian Willoughby) Besonders ein Schritt der aktuellen Regierung wird von Moody’s gewürdigt – und zwar das neue Gesetz über Investitionsanreize. Dieses belohnt Investoren, wenn sie hierzulande Geld in Forschung und Innovation stecken. Auf diese Weise soll Tschechien weggeführt werden von der Rolle als verlängerte Werkbank westlicher Firmen.

Allerdings enthält der Bericht auch gewisse Warnungen für die Zukunft. Darauf weist unter anderem Radek Špicar hin, der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes für Industrie und Verkehr:

„Dazu gehören zum Beispiel, dass wichtige strukturelle Reformen wie etwa des Rentensystems hinausgeschoben werden, oder die Risiken im Kampf gegen den Klimawandel.“

Foto: Bernd Schray, Pixabay / CC0Foto: Bernd Schray, Pixabay / CC0 Seit den 1990er Jahren wird hierzulande bereits über eine Reform des Rentensystems diskutiert. Doch bisher konnte keine Lösung gefunden werden, die quer durch die Parteien und allgemein in der Gesellschaft anerkannt wäre. Dasselbe gilt fürs Gesundheitswesen. Lukáš Kovanda hat sich die entsprechenden Passagen im Bericht genauer durchgelesen.

„Die Agentur Moody´s schreibt in ihrer Bewertung, dass sich größere Probleme erst in der Mitte der 2030er Jahre zeigen dürften. Das heißt, Tschechien hat noch rund 15 Jahre, um Lösungen zu finden. Da diese Frist aber den durchschnittlichen Zeithorizont eines Politikers um das Vierfache überschreitet und es sich um politisch sensible Bereiche handelt, besteht bisher wenig Wille zum Handeln“, sagt der Ökonom.

Eine erneute Änderung der Bonität dürfte auf Tschechien in absehbarer Zeit jedoch nicht zukommen. Denn Moody´s hat auch die Aussichten geändert, und zwar von gut zu stabil.

07-10-2019