Berichte aus einem Arbeitslager: Chinesische Dissidentin Lu Shiping in Prag

29-02-2012

Eine Woche lang fand an verschiedenen Orten Prags bereits zum sechsten Mal das internationale Festival gegen Totalitarismus, Mene Tekel, statt. Einer der Festivaltage war den Gegnern des kommunistischen Regimes in China gewidmet.

Jan ŘeřichaJan Řeřicha Eigentlich ist die Idee des Kulturfestivals Mene Tekel, sich mit den Folgen des Kommunismus in der ehemaligen Tschechoslowakei zu beschäftigen. Schließlich entstand es in der Zusammenarbeit mit ehemaligen politischen Gefangenen. Später gab es auch Veranstaltungen zum Schicksal der Bewohner anderer ehemaliger kommunistischer Länder. Mittlerweile aber geht der Blick noch weiter, wie der Initiator des Festivals, Jan Řeřicha, sagt:

„Es zeigt sich, dass totalitäre Regime unter verschiedener Mimikry auch weiterhin in der Welt herrschen. Im Rahmen des Festivaltags für ein freies China haben wir dieses Mal die chinesische Dissidentin Lu Shiping nach Prag eingeladen, die grausame Folterungen im Gefängnis überstehen musste.“

Am Tag für ein freies China wurde im vollen Saal der Prager Stadtbibliothek ein Dokumentarfilm über die Verfolgung der Anhänger der religiösen Bewegung Falun Gong gezeigt. Die Kampagne gegen die Gläubigen wurde 1999 vom Staat mit dem Ziel gestartet, die Bewegung zu liquidieren. Weil Frau Lu Shiping ablehnte, auf ihren Glauben zu verzichten, verlor sie ihre Arbeit als Managerin, wurde viermal verhaftet und landete letztlich in einem Arbeitslager:

Lu ShipingLu Shiping „Die kommunistische Partei Chinas führt in den Gefängnissen sowie in den Arbeitslagern eine Gehirnwäsche durch. Nachdem ich aber meine Ansichten nicht aufgegeben hatte, wurde ich in eine Sonderzelle geschickt. Diese war nur etwa 1,5 Meter mal 2,5 Meter groß, ohne Fenster. Ich musste dort ständig auf einem Stuhl sitzen. Zu hören waren ständig verschiedene unangenehme Töne, dies war eine Art der Folterung.“

Lu Shiping wurde zudem mit Elektroschocks traktiert und bekam Tage lang kein Essen. Nach zwei Jahren wurde sie gegen Kaution freigelassen. Dank Bekannten gelang es ihr später die Flucht nach Finnland, wo sie bis heute lebt. Auf die Frage nach den Möglichkeiten der Hilfe für die chinesischen Dissidenten sagte sie:

„Man kann uns auf unterschiedliche Weise unterstützen. Politiker können den offiziellen chinesischen Vertretern Fragen nach den Verfolgten stellen. Jeder Bürger kann wiederum an seine Regierung appellieren. Wir glauben, dass jeder dieser positiven Schritte im Himmel nicht vergessen wird.“

Der Journalist Jakub Šmíd befasst sich seit Jahren mit der Lage chinesischer Regimegegner. Seiner Meinung nach reagiert die tschechische Bevölkerung sehr sensibel auf die Informationen über Verfolgte in China.

„Die Petition gegen die Verfolgung der Falun-Gong-Anhänger haben hierzulande inzwischen rund 50.000 Menschen unterzeichnet. Auch mehrere Regierungsmitglieder und Parlamentarier haben ihre Unterstützung für die Verfolgten zum Ausdruck gebracht, was anderswo in der Welt nicht üblich ist. In diesem Bereich ist Tschechien wirklich ein Vorreiter.“

29-02-2012