Bergunglück fordert dreizehn Tote

21-12-2018

Eine schwarze Flagge weht derzeit über der Zeche ČSM bei Karviná / Karwin in Mährisch-Schlesien.

Foto: ČTK / Jaroslav OžanaFoto: ČTK / Jaroslav Ožana

Foto: ČTK / Jaroslav OžanaFoto: ČTK / Jaroslav Ožana Bei einer verheerenden Explosion in einem Steinkohlebergwerk bei Karviná sind 13 Arbeiter getötet worden. Unter den Opfern sind laut der Betreibergesellschaft OKD zwölf Polen und ein Tscheche. Zehn Bergleute wurden zudem verletzt. Zwei von ihnen liegen mit lebensgefährlichen Verbrennungen im Krankenhaus. In einer Tiefe von rund 880 Metern hatte sich am Donnerstagnachmittag aus noch ungeklärter Ursache ein Luft-Methangas-Gemisch entzündet. Darauf brach ein Grubenfeuer aus. Ivo Čelechovský ist Sprecher des Kohleförderers OKD:

„Unter Tage gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen. Es gibt dort Sensoren, die durchgehend die Konzentration von Methangas messen. Wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird, werden manche elektrische Schaltungen unterbrochen. Die Maschinen funktionieren nicht mehr, und die Bergleute fahren nach oben. Bei dem jetzigen Unglück ist es hier an einem Ort zu einer starken Konzentration von Methangas gekommen. Wahrscheinlich dauerte es nur Sekunden, bis sich das Gas entzündete und explodierte.“

Václav Zubíček (Foto: ČT24)Václav Zubíček (Foto: ČT24) Die konkrete Unglücksursache soll von einer Sonderkommission ermittelt werden. Laut Angaben des Bergamtes überschritt die Methangaskonzentration die Grenzwerte um ein Vielfaches. Die Sensoren in der Grube hätten dies allerdings nicht registriert. Václav Zubíček von der Technischen Universität in Ostrava / Ostrau erklärt die Umstände:

„Dass in Kohlegruben Methangas entsteht, ist ein natürlicher Prozess. Dabei kann es passieren, dass sich das Gas in einer Kaverne sammelt und auf einmal in großer Menge entweicht. Dieses Problem hat die Kohleförderung auf der ganzen Welt. Bei der Sicherheit unter Tage liegt Tschechien an der Spitze, aber die Natur lässt sich nicht bändigen. Manchmal kommt es zu solchen tragischen Ereignissen.“

Boleslav Kowalczyk (Foto: ČTK / Vladimír Pryček)Boleslav Kowalczyk (Foto: ČTK / Vladimír Pryček) Retter suchten die ganze Nacht über verzweifelt nach Überlebenden. Wegen der enormen Hitzeentwicklung und ausströmender giftiger Gase konnten sie den am schwersten betroffenen Bereich bisher nicht betreten. Der OKD-Geschäftsleiter Boleslav Kowalczyk:

„Die Rettungskräfte sind leider an eine Stelle gekommen, an der sie ihre Arbeit wegen Feuer, Gaskonzentration und mangelnder Sicht nicht mehr fortsetzen konnten. Deshalb haben sie es nicht geschafft, zu den getöteten Bergleuten vorzudringen. Der Leiter der Rettungskräfte beschloss daher, den Raum mit vier Dämmen abzusperren und mit Stickstoff zu füllen.“

Die Zeche soll bis Sonntag geschlossen bleiben. Erst dann können die Ermittlungen zur Unglücksursache fortgesetzt werden.

Es ist das schwerste Grubenunglück in Tschechien seit 1990. Und gleichzeitig das schwerste Unglück, bei dem Ausländer hierzulande ums Leben gekommen sind. Obwohl die polnischen Arbeiter keine Beschäftigten von OKD waren, plant die Firma eine Entschädigung für die Familien der Opfer. Ivo Čelechovský:

Andrej Babiš (Foto: ČTK / Vladimír Pryček)Andrej Babiš (Foto: ČTK / Vladimír Pryček) „Das ist nicht nur im Tarifvertrag verankert, sondern wir führen auch Gespräche mit Kollegen von der polnischen Agentur, die die Bergleute beschäftigt. Wir werden uns an den Entschädigungen für die Hinterbliebenen beteiligen. Zudem haben auch die beiden Premierminister den Familien der Opfer ihre Hilfe zugesagt. Wir werden ein Maximum dafür tun, dass die Folgen für die Familien möglichst gering sind.“

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und sein tschechischer Kollege Andrej Babiš haben am Freitagvormittag den Unglücksort besucht.

Die Grube bei der Stadt Karviná ist seit 1968 in Betrieb. Sie wurde vor einigen Jahren modernisiert. Der tschechische Staat hat den Kohleförderer OKD im April für umgerechnet rund drei Millionen Euro gekauft und damit aus der Insolvenz gerettet. Das Unternehmen beschäftigt im strukturschwachen Mährisch-Schlesischen Revier rund 9500 Menschen. In diesem Jahr wurden dort etwa fünf Millionen Tonnen Steinkohle gefördert.

21-12-2018