Bayerische Caritas zu Besuch in Böhmen: „Wir können auch von Ihnen lernen“

Die Caritas konnte in Tschechien erst seit der Wende von 1989 ihre Arbeit entwickeln. Seitdem arbeiten die Caritasverbände in Süd- und Westböhmen grenzüberschreitend mit ihren Kollegen aus Bayern zusammen. In diesen Tagen weilte eine Delegation des bayerischen Caritas-Verbandes zu Besuch bei den tschechischen Kollegen. Ihre Exkursion beendeten sie am Montag bei der Caritas in Pilsen.

Prälat Zerrle und Bischof Radkovský Prälat Zerrle und Bischof Radkovský Der Pilsener Bischof František Radkovský erinnerte während des Caritas-Treffens daran, dass in Pilsen erst vor 17 Jahren mit der Caritasarbeit begonnen wurde. Bayern sei, so der Bischof, für sie damals ein Vorbild gewesen.

„Beide Seiten können sich heute von der Arbeit ihrer Kollegen inspirieren lassen. Die Leute aus Bayern können hier sehen, wie sich die Caritas unter schwierigen Bedingungen von Anfang an entwickelt hat.“

Die Worte des Bischofs bestätigte auch der bayerische Landes-Caritasdirektor, Prälat Karl-Heinz Zerrle:

„Ich sage immer, dass es wichtig ist, dass wir nicht als diejenigen kommen, die angeblich alles besser wissen, sondern wir lernen auch von Ihnen, mit einfachen Mitteln genauso viel zu erreichen wie bei uns mit einem großen Aufwand. Aber inhaltlich sind die Sozialprobleme nicht soweit auseinander“.

Die Vertreter der bayerischen Caritas würdigten die Möglichkeit, einige tschechische Einrichtungen besichtigen zu können. Franz Pany von der bayerischen Delegation:

„Wir haben in Budweis die Einrichtung ´Domino´ für junge psychisch kranke Menschen besucht. Das war ein sehr tief gehendes Erlebnis. Denn man hat gesehen, mit welchen eigentlich einfachen und doch effektiven Mitteln hier jungen Menschen geholfen wird, die an Ängsten und seelischen Erkrankungen leiden. Wenn man das gesehen hat, mit welcher Aufopferung hier die Caritas-Leute tätig sind, das war sehr beeindruckend.“

Stiftungsdirektor Franz Pany Stiftungsdirektor Franz Pany Franz Pany hat eine enge Beziehung zu Tschechien, denn seine Familie stammt aus Böhmen und ehrenamtlich ist er Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Pany leitet eine kirchliche Stiftung, die Träger mehrerer Bildungseinrichtungen ist. Das Wichtigste sei, dass man sich austauscht, sagt er:

„Weil die Probleme im Endeffekt gleich sind: Armut sowie Jugendarbeitslosigkeit. Die gemeinsame Suche nach Möglichkeiten und der Austausch sind für mich das Wichtigste. Dazu kommt, dass wir versuchen, jungen Leuten aus Böhmen die Möglichkeit zu bieten, im Austausch in Bayern zu studieren, und jeweils den anderen besser kennen zu lernen und die Lösungsansätze mit ins eigene Land zu tragen.“

Neben dem Studentenaustausch ist zudem eine bilaterale Konferenz der bayerischen und tschechischen Caritas geplant, verriet Franz Pany.

Fotos: Autorin