Auslaufmodell Plastiktüte

Seit einem Jahr darf der Einzelhandel in Tschechien keine Plastiktüten mehr kostenlos anbieten. Laut den vorläufigen Daten hat sich der Verbrauch dieser Tüten seitdem halbiert.

Illustrationsfoto: F. Tronchin, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0Illustrationsfoto: F. Tronchin, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0 Pro Woche kauft jede tschechische Familie im Schnitt etwa elf Kilogramm Lebensmittel. Das füllt drei große Plastiktüten. Doch die sind die schlechteste Variante für den Einkauf. Deswegen trat in Tschechien im vergangenen Jahr ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Dieses verbietet kostenlose Plastiktüten im Einzelhandel und hat schon in relativ kurzer Zeit das Verhalten vieler Tschechen verändert. Die genauen Zahlen will das Umweltministerium zwar erst Ende des Monats veröffentlichen. Doch Ressortsprecher Ondřej Charvát sagt bereits jetzt:

„Laut einer Studie der Europäischen Kommission lag hierzulande der Jahresverbrauch an Plastiktaschen inklusive der durchsichtigen Säckchen für Obst und Gemüse bei 300 Stück pro Person. Wir gehen davon aus, dass dieser Wert nun mindestens auf die Hälfte gesunken ist.“

Foto: duncan c, Flickr, CC BY-SA 2.0Foto: duncan c, Flickr, CC BY-SA 2.0 Immer mehr Tschechen gehen mit einem eigenen Beutel einkaufen. Manche Einzelhandelsketten hatten allerdings schon vor der Gesetzesnovelle gehandelt. So zum Beispiel Tesco.

„Wir haben die Plastiktüten bereits im Jahr 2011 kostenpflichtig gemacht. Danach ist der Verbrauch um zwei Drittel gesunken“, sagt Tesco-Sprecher Václav Koukolíček.

Der Discounter Lidl bietet überhaupt keine Plastiktüten mehr an. Dabei verkaufte er im Jahr 2016 hierzulande noch 26 Millionen Stück dieser umweltschädlichen Beutel. Und als Nächstes soll es bei Lidl den Kunststoffverpackungen von Waren an den Kragen gehen. Zuzana Holá ist die Sprecherin des Unternehmens in Tschechien:

„In den kommenden Jahren, spätestens aber bis 2025, reduzieren wir die Nutzung von Kunststoff bei unseren Eigenmarken um 20 Prozent. Und der gesamte bei uns verwendete Kunststoff wird recycelfähig sein.“

Aber auch weitere Handelsketten haben Maßnahmen ergriffen. Bei Makro sind alle Tüten bereits aus recyceltem Plastik. Die Penny-Märkte wollen ihren Bestand an Kunststoff-Tragetüten in diesem Jahr ausverkaufen, danach werden dort nur noch Taschen aus Baumwolle, Papier oder Polyester angeboten. Auch für die beliebten durchsichtigen Plastikbeutel für beispielsweise Gemüse oder Gebäck läutet das letzte Stündchen. Sie sollen bei Penny künftig aus wiederverwertbarem Material sein.

Foto: Jaroslav MachFoto: Jaroslav Mach Bei Albert wiederum sind schon jetzt eigene Taschen höchst willkommen. Was allerdings das beste Material dafür ist, darüber gehen die Meinungen der Wissenschaftler stark auseinander. Allgemein aber schneidet die Baumwolltasche längst nicht so gut ab, wie das früher immer behauptet wurde.

„Das Umweltministerium hat dazu bei der Chemisch-Technologischen Hochschule in Prag eine Studie in Auftrag gegeben. Laut den Ergebnissen ist eine wiederverwendbare Tasche aus Polyester die ökologischste Variante. Diese hat auch die Stoffbeutel übertroffen, denn gerade der Anbau von Baumwolle schadet der Umwelt sehr“, so Ondřej Charvát.

Auch weitere Studien haben das bestätigt. Denn Baumwolle muss gewässert, gedüngt und gespritzt werden. Außerdem sind viele der Pflanzen gentechnisch verändert. Deswegen wird darüber diskutiert, wie häufig eine Baumwolltasche benutzt werden müsste, um eine gute Ökobilanz zu erhalten. Die Empfehlungen liegen zwischen 100 und 20.000 Mal.

Die Verwirrung ist also groß. In jedem Fall aber gilt: Je weniger Taschen man aus dem Supermarkt mitnimmt und je häufiger man einen Beutel wiederverwendet, desto besser ist das für die Umwelt.