Auch Politiker gratulierten: Bischof Otčenášek feierte 90. Geburtstag

04-05-2010

Elf Jahre lang verbrachte er in den kommunistischen Gefängnissen. Als Bischof durfte er erst fast 40 Jahre nach seiner Weihe tätig sein. Karel Otčenášek ist heutzutage der zweitälteste Bischof auf der Welt. Am vergangenen Samstag wurde anlässlich seines 90. Geburtstags ein Fest in Hradec Králové / Königgrätz veranstaltet.

Zum feierlichen Gottesdienst in der Hl. Geist-Kathedrale sind Präsident Klaus, mehrere tschechische Politiker sowie Kirchenvertreter aus Tschechien und dem Ausland gekommen. Der Jubilar zeigte sich zum Abschluss der Messe gerührt:

Karel OtčenášekKarel Otčenášek „Der Gott möge es Euch allen vergelten. Ich habe die Messe für Euch alle gelesen sowie für unsere Heimat und für die Kirche,“ sagte Erzbischof Otčenášek in der Kathedrale abschließend.

Präsident Klaus würdigte den ehemaligen politischen Gefangenen nach der Messe:

„Erzbischof Otčenášek ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit nicht nur für die tschechische katholische Kirche und die Region von Hradec Kralové, sondern für ganz Tschechien. Er ist eine moralische Autorität und ich hoffe, dass sich dessen immer mehr Menschen bewusst werden.“

Karel Otčenášek wurde 1950 zum Bischof geheim geweiht, aber schon 1951 wurde er gemeinsam mit anderen Priestern und Ordensleuten im Kloster Želiv / Seelau interniert. Zwei Jahre später in einem Schauprozesse zu 13 Jahren verurteilt. Er wurde 1962 freigelassen, auf Intervention des Papstes durfte er einige Jahre später wieder als Seelsorger wirken, in der Gemeinde Trmice bei Ústí nad Labem / Aussig. Dort lernte ihn auch Dr. Wilhelm Platz aus Frankfurt kennen, der während des Kommunismus die tschechischen Priestern mit Literatur versorgte und sie finanziell unterstützte:

Wilhelm PlatzWilhelm Platz „Wir waren jedes Jahr da auch während der kommunistischen Zeit. Der Erzbischof hat uns in der damaligen Pfarrei bei Aussig wegen der Abhörgeräte immer im Garten empfangen. Dann im Sommer 1989 hat er uns ins Haus gebeten und gesagt: ´Das nächste Mal sehen wir uns vielleicht in Königgrätz.´ Wir haben das nicht glauben können. Aber am nächsten Tag haben wir Kardinal Tomášek in Prag besucht, den wir auch unterstützt haben. Und der hat ähnlich gesprochen. Wir haben gedacht, dass sei die Vision von älteren Herren, die mit der Realität nicht übereinstimmt. Und ein halbes Jahr später, im November 1989, war es soweit.“

Dominik Duka (links) und Václav Klaus (rechts)Dominik Duka (links) und Václav Klaus (rechts) Tomáš Holub war noch Schüler, als er Bischof Otčenášek kennen lernte. Denn Holubs Großvater saß mit dem geheim geweihten Bischof einst im Gefängnis. Holub ist heutzutage Generalvikar von Hradec Králové und arbeitet mit Otčenášek eng zusammen.

„Für mich ist seine große, nicht gespielte Demut immer wieder überraschend. Zudem bewundere ich seine Bereitschaft, wirklich persönlich jedem zu begegnen. Ich weiß nicht, wo er die Kräfte schöpft, um immer so entgegenkommend zu handeln.“

Karel OtčenášekKarel Otčenášek Die Bewohner von Hradec Králové wussten diese Bereitschaft des Jubilars zu schätzen. Unter dem Podium auf dem Marktplatz von Hradec Králové, wo das offizielle Geburtstagsfest stattfand, haben sich Tausende von Menschen versammelt. Sie schlossen sich den gesungenen Geburtstagswünschen an.

Fotos: Autorin

04-05-2010