Argentinische Edelsteaks aus Polen?

07-02-2019

Polnisches Gammelfleisch soll vor allem in Prager Luxusrestaurants verkauft worden sein – und zwar als feinste Rindersteaks aus Argentinien. Mehr über den Skandal von Strahinja Bucan.

Foto: ČTK / Radek PetrášekFoto: ČTK / Radek Petrášek Es war eine Reportage des polnischen Senders TVN, die vor gut einer Woche auch in Tschechien für Empörung sorgte. Journalisten deckten darin auf, dass schwerkranke Rinder in Schlachthöfen verarbeitet wurden. Teils infiziertes Fleisch wurde dabei einfach herausgeschnitten, der Rest in ganz Europa verkauft.

Zunächst hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium in Prag, dass man keine Informationen über polnisches Gammelfleisch in Tschechien habe. Danach wurde jedoch eine Lieferung von 300 Kilogramm bestätigt, wobei der Großteil bereits vernichtet worden sein soll. Am Mittwoch kam Landwirtschaftsminister Miroslav Toman jedoch mit folgender Information:

Miroslav Toman (2. von links). Foto: ČTK / Michal KamarytMiroslav Toman (2. von links). Foto: ČTK / Michal Kamaryt „Ich habe gesagt, dass das Gammelfleisch aus Polen nicht in Low-Cost-Restaurants gekommen ist. Vielmehr wurde betroffenes Fleisch in Luxusrestaurants festgestellt. Außerdem könnte es als Rindfleisch aus Argentinien gekennzeichnet gewesen sein.“

Ersten Angaben zufolge handele es sich dabei unter anderem um einen Gastbetrieb mit asiatischem Namen, jedoch kein klassisches China-Restaurant. Die Aussage des Ministers bestätigte später auch der Leiter der Veterinärverwaltung, Zbyněk Semerád:

„Es waren keine großen Mengen. Wahrscheinlich sind rund 50 Kilogramm an sechs Restaurants geliefert worden. Ich kann bestätigen, dass es sich dabei um bessere Gaststätten handelt. Dabei ist nicht garantiert, ob die Betriebe ihre Kunden richtig darüber informiert haben, dass es sich bei dem Fleisch um Ware aus Polen und nicht etwa aus Argentinien handelt.“

Foto: ČTK / Ondřej DemlFoto: ČTK / Ondřej Deml Später rutschte Minister Toman doch noch ein Name heraus. Der Sozialdemokrat gab an, dass rund 30 Kilo Fleisch aus den betroffenen Schlachthöfen im Restaurant U Moťaku gelandet sein könnten. Seitdem ist der sonst gut besuchte Betrieb leer, und der Besitzer kündigte rechtliche Schritte gegen das Landwirtschaftsministerium und den Ressortchef an. Es habe sich nur um rund neun Kilogramm verdächtiges Fleisch gehandelt, wobei die Untersuchungen der Behörden noch nicht abgeschlossen seien, meint Betreiber Stanislav Moťka am Donnerstag:

„Gestern war hier eine Kontrolle des Veterinäramtes. Die Beamten haben gesagt, dass möglicherweise Fleisch aus den polnischen Schlachthöfen bei uns lagert. Darauf haben wir alles vernichtet.“

Abgesehen davon müsse das Versäumnis beim Lieferanten liegen, denn man habe das Fleisch als Ware aus Tschechien gekauft, erklärt der Gastwirt.

Tatsächlich gab die Nahrungsmittelinspektion am Donnerstag Entwarnung. Jan Kopřiva ist Sprecher der Behörde:

Illustrationsfoto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen RundfunksIllustrationsfoto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Die Betriebe, bei denen ein Verdacht bestand, wurden alle von uns kontrolliert. Dabei wurde nichts festgestellt, was für die Kunden bedenklich sein könnten. Im Fokus hatten wir dabei alle Restaurants, bei denen Fleisch aus dem betreffenden polnischen Schlachthof gewesen sein könnte.“

Nun bleibt noch eine Überprüfung des Veterinäramtes abzuwarten, sie kontrolliert vor allem die Herkunft von rohem Fleisch. Auch wenn sich die Affäre um das polnische Gammelfleisch nicht noch ausweiten sollte, ein fahler Beigeschmack bleibt. Denn Etikettenschwindelei scheinen weiter verbreitet als gedacht.

07-02-2019