Arbeitslosigkeit bei drei Prozent – Industrieproduktion wächst langsamer

Die Tschechische Republik ist das Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit in Europa. Im September lag die Quote bei drei Prozent. Die Kehrseite der Medaille aber ist, dass viele Firmen weiter Probleme haben, qualifizierte Arbeitnehmer zu finden.

Illustrationsfoto: Anna Kottová, Archiv des Tschechischen RundfunksIllustrationsfoto: Anna Kottová, Archiv des Tschechischen Rundfunks Die Arbeitslosigkeit in Tschechien ist im September auf 3,0 Prozent gesunken. Das ist die niedrigste September-Quote seit 22 Jahren. Zum Vergleich: Im September 2017 waren noch 3,8 Prozent der erwerbsfähigen Menschen in Tschechien arbeitslos. Kateřina Beránková ist Sprecherin des zentralen Arbeitsamtes. Zu den Gründen des hohen Beschäftigungsgrads sagt sie:

„Im zurückliegenden Monat ist es zu einer weiteren Belebung des Arbeitsmarktes gekommen. Die Urlaubszeit ging zu Ende und die Firmen haben ihre Produktion wieder auf die volle Kapazität hochgefahren. Zudem setzt sich die Saisonarbeit fort, und auch die Tourismus-Saison klingt noch etwas nach.“

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Im September waren hierzulande knapp 225.000 Menschen ohne Job. Auf der anderen Seite suchen die Unternehmen händeringend Arbeitskräfte. Im vergangenen Monat haben sie 316.000 Arbeitsplätze angeboten, also über 90.000 mehr als es gemeldete Arbeitslose gibt. Unter ihnen ist zu dieser Jahreszeit eine Gruppe stets besonders augenfällig vertreten: die Schulabgänger und Hochschulabsolventen. Kateřina Beránková:

Foto: Tero Vesalainen, Pixabay / CC0Foto: Tero Vesalainen, Pixabay / CC0 „So wie jedes Jahr im September, so wurde auch diesmal eine große Welle an beschäftigungslosen Absolventen auf den Arbeitsämtern registriert. Das hat die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt indes nicht merklich beeinflusst. Im Vergleich zum Vormonat wurden um nahezu 3.500 Schulabgänger mehr erfasst, insgesamt waren es 10.522.“

Das ist vergleichsweise wenig gegenüber den zurückliegenden Jahren. Das kommt daher, weil Schüler und Studenten sich immer öfter schon vor dem Abschluss ihres Bildungsgrads eine Arbeit suchen. Und die Firmen kommen ihnen dabei entgegen, sagt Beránková:

„Die Arbeitgeber stellen ihre Ansprüche an die praktischen Erfahrungen der Absolventen immer mehr zurück. Sie sind bereit, die jungen Leute direkt in ihren Betrieben auszubilden.“

Tomáš Surka (Foto: Tschechisches Fernsehen)Tomáš Surka (Foto: Tschechisches Fernsehen) Dies allein aber reicht nicht aus, um den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Unternehmen mit Inventionskraft schlagen deshalb den Weg zu mehr Automatisierung und Robotik ein. Den übrigen Firmen bleibt indes wohl nur eine Alternative, erläutert Tomáš Surka von der Berateragentur Devire:

„Viele Unternehmen erwägen, Arbeitskräfte im Ausland anzuwerben. Schlimmstenfalls gibt es Überlegungen, Teile der Produktion woanders hin zu verlagern.“

Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt hat unter anderem auch dazu geführt, dass die Industrieproduktion ihr Wachstum zuletzt stark eingebremst hat. Es lag im August bei lediglich 1,9 Prozent, im Juli waren es noch 10,3 Prozent gewesen. Für Petr Gapko, Chefökonom der Moneta Money Bank, ist das aber kein Beinbruch:

Petr Gapko (Foto: Archiv von Petr Gapko)Petr Gapko (Foto: Archiv von Petr Gapko) „Auch wenn im Jahresvergleich das Wachstumstempo gegenüber dem Vormonat deutlich zurückgegangen ist, dann halte ich das nicht für dramatisch. Und zwar deshalb, weil der August 2017 ein extrem guter Monat war. Außerdem haben sich die Betriebsferien der großen Firmen in diesem Jahr etwas mehr in den August verschoben. Von daher würde ich aus dieser Entwicklung keine relevanten Schlussfolgerungen ziehen.“

Nichtsdestoweniger rechnen die Analysten damit, dass die Industrieproduktion wegen der fehlenden Arbeitskräfte und der erheblich gestiegenen Lohnkosten auch in den nächsten Monaten nicht sonderlich zunehmen wird. Die Zahl der Arbeitslosen könnte folglich im Oktober und November sogar noch um ein bis zwei Prozentpunkte zurückgehen. Für Dezember erwarte man indes eine Arbeitslosenquote von 3,2 bis 3,3 Prozent, sagt die Mehrzahl der Experten.