Arbeiten vom Wohnzimmer aus

08-04-2020

Die Coronakrise verändert auch die Arbeitsgewohnheiten. Was früher im Büro erledigt wurde, muss nun vom Wohnzimmer aus erfolgen. Bei manchen Berufen klappt das sogar relativ gut, wie einige Beispiele aus Tschechien zeigen.

Foto: David Martyn Hunt, Flickr, CC BY 2.0Foto: David Martyn Hunt, Flickr, CC BY 2.0

Illustrationsfoto: lograstudio, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: lograstudio, Pixabay / CC0 Heute gehe es um einen grundlegenden Bereich des Körpers – Schultern und Kopf, erläutert die Yoga-Lehrerin Kristýna. Sie leitet ihre Schüler per Video-Schalte an. Als Nächstes sollen diese den Kopf vorsichtig zur Seite neigen, ohne die Schultern zu bewegen.

Auch David Švehlík hat seine Kurse ins Internet verlagert. Der Tschecho-Amerikaner gibt Englischstunden. Er hat sowohl Privatkunden als auch Angestellte, die sich im Rahmen ihrer Firmen sprachlich weiterbilden. David sagt, 60 Prozent seiner Schüler würden auch im neuen Format weitermachen…

„Die Leute wollen vor allem nicht aus der Übung kommen. Meist haben wir einmal in der Woche eine Unterrichtsstunde, und sie sind zufrieden. Bei manchen war die Firma gegen die Online-Kurse. Die anderen glauben nicht, dass das klappt“, so der Sprachlehrer.

Illustrationsfoto: Michal Jarmoluk, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Michal Jarmoluk, Pixabay / CC0 Einige seiner Schülerinnen und Schüler unterrichtet David sogar einfach nur am Telefon:

„Manche wollen gar nicht den Videokontakt, sondern allein das Hören ohne überflüssiges Bild. Sie sagen, sie würden sich dann besser auf den Klang der Sprache konzentrieren können.“

Die Steuerberaterin Aneta Váchová aus Prag zeigt ihren Klienten hingegen in der Video-Schalte zum Beispiel Tabellen und Grafiken.

„Über den geteilten Bildschirmmodus und Flipchart sind meine Treffen sehr interaktiv. Ich habe Gefallen gefunden am Homeoffice. So spare ich viel Zeit, weil ich nicht ins Prager Umland fahren muss. Dadurch schaffe ich mehr. Auch meine Klienten sind zufrieden, weil sie jederzeit per Computer mit mir in Verbindung treten können. Negativ ist eben nur, dass es so nicht zu einem persönlichen Kontakt kommt“, erläutert Aneta Váchová.

Illustrationsfoto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0 Für Josef Hrubý ist die Distanz zu seinen Patienten vielleicht nicht die optimale Lösung. Aber auch der Psychologe berät nun vor allem am Telefon:

„Wenn ich diese Arbeitsweise mit den direkten Treffen in meiner Praxis vergleiche, sehe ich jeweils andere Spezifika. In der jetzigen Form besteht der Hauptvorteil des Klienten darin, dass er zu Hause bleiben kann. Außerdem ist die Beratung anonym und diskret. Gerade jetzt zu Zeiten der Corona-Pandemie steigt die Zahl jener Menschen, die sich unsicher fühlen und darunter leiden. Viele von ihnen leben alleine.“

Während Psychologen derzeit besonders gefragt sind, wurde die Kultur erst einmal aufs Abstellgleis geschoben. Aber auch Musiker und Orchester oder etwa Schauspieler und Theaterbühnen nutzen mittlerweile das Internet für ihre Auftritte. Und die Unterhaltung im Netz hat durchaus Berechtigung – schließlich wurden ja alle Veranstaltungen bis auf Weiteres verboten, und zur Kontaktvermeidung darf man nicht einmal seine Freunde treffen. Da hilft ein bisschen Ablenkung sicher.

08-04-2020