Angebliche tschechische Spione in Griechenland freigelassen

Im September waren zwei tschechische Computerspielentwickler in Griechenland festgenommen worden. Ihnen wird Spionage in einem Militärsperrgebiet auf der Insel Limnos vorgeworfen. Über den Fall hatten wir bereits berichtet. Am Mittwoch sind die beiden jungen Männer nun gegen Kaution aus der Untersuchungshaft freigekommen. Nach mehr als vier Monaten konnten nun nach Tschechien zurückkehren.

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen RundfuksFoto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfuks Es sei toll. Sie würde auf diese Nachricht seit mehr als vier Monaten warten und sei daher selbstverständlich sehr glücklich, reagierte die Mutter eines der beiden Verhafteten am Mittwoch auf die Nachricht, dass die jungen Männer gegen Kaution freikommen können. Miloš Kučera ist Mitarbeiter der tschechischen Botschaft in Athen und erläuterte noch vor der Freilassung das Verfahren dazu:

„Die Kaution beträgt nach Mitteilung des Rechtsanwalts 5000 Euro pro Person. Die Verhafteten können nach der Niederlegung dieser Kaution freigelassen werden. Das Geld muss auf ein gewisses Konto einer griechischen Bank überwiesen werden. Danach stellt die zuständige Behörde die Entscheidung über die Haftentlassung aus. Wenn dieses Dokument vorliegt, können sie sofort entlassen werden.“

Petr Nečas (Foto: ČTK)Petr Nečas (Foto: ČTK) Am Donnerstagvormittag sind die Männer in Prag gelandet. Tschechische Politiker hatten sich intensiv für die Freilassung der beiden eingesetzt. Staatspräsident Václav Klaus und Ministerpräsident Petr Nečas schrieben jeweils Briefe an ihre Amtskollegen in Athen. Laut Außenminister Karel Schwarzenberg führte sein Ressort zudem intensive Verhandlungen mit den griechischen Behörden. Während einer Demonstration vor der griechischen Botschaft in Prag Ende November haben auch rund 150 tschechische Bürger die inhaftierten Computerspielentwickler unterstützt. Einer der Entwickler, Ivan Buchta, sagte nach der Freilassung gegenüber dem Tschechischen Fernsehen:

Ivan Buchta (links) mit Dagmar Raupachová (rechts). Foto: ČTKIvan Buchta (links) mit Dagmar Raupachová (rechts). Foto: ČTK „Was alle diese Menschen getan haben, hat wahrscheinlich ermöglicht, dass wir jetzt hier stehen und Ihre Fragen beantworten können.“

Den beiden Angestellten einer Softwarefirma wird von der griechischen Justiz vorgeworfen, auf der Insel Limnos Militäranlagen fotografiert zu haben. Sie selbst weisen diesen Verdacht zurück und behaupten, normale Urlaubsfotos gemacht zu haben. Im Fall von nachweislicher Spionage drohen ihnen bis zu 20 Jahre Haft. Obwohl sie Griechenland verlassen durften, wird gegen sie weiter ermittelt. Ihr Fall kann sich hinziehen, da in Griechenland zurzeit ein Streik der Richter stattfindet. Allerdings sieht die tschechische Anwältin Dagmar Raupachová den Fall optimistisch:

Foto: Mateusz Stachowski, Stock.xchngFoto: Mateusz Stachowski, Stock.xchng „Aufgrund der Beweise in der Strafakte kann nicht die Straftat einer Spionage nachgewiesen werden. Auch bei der jüngsten Entscheidung lese ich zwischen den Zeilen und gehe davon aus, dass die Anklage geändert wird.“

Die Anwältin nimmt an, dass das zuständige Gericht die Anklage wegen Spionage fallen lässt und die beiden nur wegen Fotografieren ohne Erlaubnis belangen wird. Dafür droht normalerweise nur eine Geldbuße. Und da die Tschechen bereits vier Monate in Haft waren, könnte dies vom zuständigen Gericht sogar als ausreichende Strafe angesehen werden.