Alles im Blick: Heim-Überwachungs-Boom in Tschechien

31-01-2020

Immer mehr Tschechen installieren Kameras in ihren Wohnungen. Diese ermöglichen nicht nur die Überwachung im Fall von Diebstählen. Manchmal dienen sie einfach nur der Kommunikation mit Hund und Katz.

Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0Foto: Gerd Altmann, Pixabay / CC0

Illustrationsfoto: Alejandro Reyes Carbajal, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: Alejandro Reyes Carbajal, Pixabay / CC0 Leona Daňková macht sich in der Arbeit oft Sorgen, ob ihr Hund daheim nicht randaliert. Dafür hat sie sich eine kleine technische Spielerei ins Haus geholt – und zwar eine Überwachungskamera:

„Alle zwei Stunden schaue ich zur Sicherheit nach, was mein Welpe Cody so treibt. Derzeit klettert er oft auf die Couch. Meine Kamera ermöglicht mir die beidseitige Kommunikation, weshalb ich den Hund von der Arbeit aus auch anschreien kann. Meine Kollegen erschrecken dann zwar immer, aber der Hund springt garantiert vom Sessel.“

Daňková ist zufrieden mit ihrer Investition für rund 3000 Kronen (120 Euro). Sie nutzt die Kamera aber nicht nur, um den Schabernack ihres Vierbeiners zu verfolgen. Auch ihre Kinder hat sie im Blick, wenn sie mal am Abend ins Theater geht. Barbora Šmírová hat sich ihre Überwachungsanlage wegen ihrer Katze angeschafft. Doch sie hat schnell einen erweiterten Nutzen der Kameras erkannt:

„Der Kauf des Geräts hat sich auf jeden Fall gelohnt. So bin ich mir nicht nur sicher, dass es dem Tier gut geht, sondern dass auch mit der Wohnung alles in Ordnung ist. Ich sehe gleich, ob nicht ein Feuer ausgebrochen oder irgendjemand eingestiegen ist.“

Dass die Beliebtheit von Heimkameras wächst, bestätigen auch die Hersteller. Unter anderem beim taiwanesischen Produzenten D-Link ist der Absatz im vergangenen Jahr in Tschechien um ein Drittel gestiegen. Dazu die Vertriebsmanagerin des Unternehmens, Klára Macková:

Foto: Aksa2011, Pixabay / CC0Foto: Aksa2011, Pixabay / CC0 „Die Nutzer kaufen sich die Kameras meist zum Schutz vor Diebstahl, aber auch für die Sicherheit ihrer Kinder und Haustiere. Oft sind die Kunden sehr Technik-affin und eher jünger oder mittleren Alters. Das gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. In der Regel sind die Käufer bereit, für moderne Technik etwas mehr zu zahlen.“

Auch der tschechische Einzelhandel bestätigt ein klares Wachstum in dem Segment. Patricie Šedivá ist Sprecherin von Alza.cz, dem größten Elektro-Onlinehändler hierzulande. Ihr zufolge haben sich die Umsätze bei entsprechenden Produkten im vergangenen Jahr versechsfacht:

„In erster Linie geht es um ein Monitoring des Eigentums, aber auch der Haustiere. Mit einer beidseitigen Audiofunktion ist es beispielsweise möglich, den Hund oder die Katze herbeizurufen oder mit ihm zu sprechen. Man kann aber auch einfach nur am Bildschirm und Smartphone schauen, was die Vierbeiner gerade machen.“

Foto: Jamal Fanaian, Flickr, CC BY 2.0Foto: Jamal Fanaian, Flickr, CC BY 2.0 Pavlína Hobíková vom Konkurrenz-Shop Mall.cz sieht ebenfalls einen Boom bei den Kameras:

„Das Interesse der Kunden an kabellosen WLAN-Kameras steigt, im Vergleich zum Vorjahr haben wir rund 30 Prozent mehr der Geräte verkauft. Am beliebtesten sind die im Preissegment um die 1200 Kronen.“

Das sind knapp 50 Euro.

Cyber-Experten warnen jedoch vor einem Missbrauch der Anlagen durch Hacker. Die können durch die Verfolgung von Handydaten leicht in die Systeme eindringen. Dazu der Fachmann Karel Obluk:

„Diese modernen Babyfone übertragen Bild und Ton oft beidseitig. Es gab da schon Fälle, in denen sich Fremde dort eingehackt und den Kindern alles Mögliche erzählt haben. Den Kleinen macht das oft Angst. Abgesehen davon könnten sie aber auch Dinge verraten, die ein Erwachsener eher für sich behalten würde.“

Also beispielsweise, wo der Tresor steht oder der Ersatzschlüssel hängt.

31-01-2020