Agnes von Böhmen – Symbol der Wende von 1989

12-11-2019

Vor genau 30 Jahren wurde Agnes von Böhmen in Rom heiliggesprochen. In der heutigen Betrachtung gilt dies als Vorzeichen für den Sturz des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei.

Heiligsprechung der Agnes von Böhmen (Foto: TV Noe)Heiligsprechung der Agnes von Böhmen (Foto: TV Noe) Agnes von Böhmen gilt als Schutzpatronin Böhmens. Sie ist ein Symbol der Staatlichkeit des Landes, aber auch der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Die Přemysliden-Prinzessin und Äbtissin wurde am 12. 11. 1989 von Papst Johannes Paul II. im Petersdom heiliggesprochen. Mit dabei waren auch mehrere tausend Menschen aus der Tschechoslowakei. So hat auch Zdeněk Míša aus der südostmährischen Gemeinde Polešovice an der Wallfahrt nach Rom teilgenommen:

„Dort herrschte eine einzigartige Stimmung, es war kurz vor dem 17. November. Nach der Ankunft in Rom erfuhren wir, dass die Berliner Mauer gefallen ist. Im Petersdom gibt es einen Altar des heiligen Wenzel. Dort haben wir uns versammelt und den Choral an den heiligen Wenzel sowie die Nationalhymne gesungen. Die Menschen haben geweint.“

Petr Kubín (Foto: Adriana Krobová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Kubín (Foto: Adriana Krobová, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Bei Zdeněk Hořínek aus Ostrava / Ostrau hat vor allem die Audienz beim Papst einen starken Eindruck hinterlassen:

„Der Heilige Vater ging durch einen schmalen Gang und grüßte die Menschen. Er ging an mir vorbei, dann kehrte er aber zu mir zurück. Er schenkte mir ein Kreuz und einen Rosenkranz. Das war ein starker Moment.“

Der Fahrt in den Vatikan war eine große Überraschung vorausgegangen. Die kommunistischen Machthaber genehmigten unerwartet die Ausreise von zehntausend Pilgern in Richtung Rom. Dies beweise, dass das Regime bereits geschwächt gewesen sei, sagt der Historiker Petr Kubín:

Dominik Duka (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Dominik Duka (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die katholische Kirche war eine der am meisten verfolgten Organisationen und leistete starken Widerstand gegen das kommunistische Regime. Mit Kardinal Tomášek als moralische Autorität an der Spitze war sie hoch angesehen. Nun zeigte sich, dass das Regime mit seinen Kräften am Ende war.“

Die Heiligsprechung von Agnes von Böhmen gilt als ein Vorzeichen der demokratischen Wende in der Tschechoslowakei, weshalb die böhmische Schutzpatronin zu einem Symbol der Samtenen Revolution wurde. Laut Kardinal Dominik Duka hat die Heiligsprechung die Menschen in ihrem Freiheitskampf vereinigt:

‚Die Krone der Anges von Böhmen‘ (Foto: ČTK / Václav Šálek)‚Die Krone der Anges von Böhmen‘ (Foto: ČTK / Václav Šálek) „Der Weg zur Heiligsprechung führte über viele Unterschriftensammlungen. Wir erinnern uns an die Wallfahrt nach Velehrad 1985, die Kerzendemonstration in Bratislava 1988 und eine große Unterschriftensammlung, die ‚31 Punkte‘ des Priesters Augustin Navrátil. Diese wurde nicht nur von Gläubigen unterzeichnet, sondern auch von Menschen, die mit ihnen sympathisierten und sich dessen bewusst waren, dass es sich um einen Kampf für die Freiheit handelt.“

Anlässlich des 30. Jahrestags der Heiligsprechung der Agnes von Böhmen fand wiederum eine Wallfahrt in Rom statt. Am Dienstag zelebrierte der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka den Hauptgottesdienst im Petersdom. Am Mittwoch begegnet Papst Franziskus den Pilgern aus Tschechien bei einer Generalaudienz. Von den Wallfahrern aus Polešovice bekommt er dabei eine Statue der heiligen Agnes geschenkt. Das 2,5 Meter hohe Standbild aus Bronze und Silber wurde von Daniel Trubač gestaltet:

„Der wichtigste Teil ist die Krone. Das Werk heißt auch ‚Die Krone der Anges von Böhmen‘. Die Statue ist mit Fingerabdrücken von eintausend Menschen übersät. Und im oberen Teil steht ein Vers von Jaroslav Seifert über Agnes.“

Anlässlich des 30. Jahrestags der Heiligsprechung der Agnes von Böhmen fand eine Wallfahrt in Rom statt (Foto: ČTK)Anlässlich des 30. Jahrestags der Heiligsprechung der Agnes von Böhmen fand eine Wallfahrt in Rom statt (Foto: ČTK)
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