Ackermann-Gemeinde ehrt tschechischen Verein „Antikomplex“

Die katholische Ackermann-Gemeinde hat Anfang August zum vierten Mal die "Versöhnungsmedaille" vergeben, sie wird in Gedenken an den sudetendeutschen Politiker Hans Schütz verliehen. Mit der Medaille soll das Streben nach Versöhnung und dauerhaftem Frieden ausgezeichnet werden. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an den tschechischen Verein „Antikomplex“.

Martin Kastler (rechts) verleiht Versöhnungsmedaille an Ondřej Matějka (Foto: Archiv der Ackermann-Gemeinde)Martin Kastler (rechts) verleiht Versöhnungsmedaille an Ondřej Matějka (Foto: Archiv der Ackermann-Gemeinde) Die Ackermann-Gemeinde ist eine Gemeinschaft der katholischen Kirche für mitteleuropäische Nachbarschaft. Sie veranstaltet jährlich eine Vielzahl von deutsch-tschechischen und mitteleuropäischen Begegnungen.

Die Versöhnungsmedaille ist die höchste Auszeichnung der Ackermann-Gemeinde. Sie wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich unter anderem für den Aufbau und die Ausgestaltung einer guten Nachbarschaft besonders zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken beispielhaft eingesetzt haben. Dieses Mal ging die Auszeichnung nicht an eine Person, sondern an den tschechischen Verein ‚Antikomplex’. Ondřej Matějka ist Gründungsmitglied und leitet den Verein:

„Antikomplex ist eine Bürgervereinigung, die sich seit 1998 um eine kritische, tschechische Aufarbeitung der deutschsprachigen Geschichte der böhmischen Länder bemüht. Wir streben eine offene Geschichtsaufarbeitung an.“

Projekt ‚Das verschwundene Sudetenland’Projekt ‚Das verschwundene Sudetenland’ Es ist das erste Mal, dass die Auszeichnung an einen Verein vergeben wurde. Bisherige Preisträger waren Geistliche wie der Bischof František Radkovský und Kardinal Miloslav Vlk. Warum Antikomplex jetzt in einer Reihe mit diesen bekannten Personen steht, erklärt Matějka:

„Bei der Laudatio wurde vor das Projekt ‚Das verschwundene Sudetenland’ erwähnt, bei dem wir alte Bilder aus dem Sudetenland genommen haben und die gleichen Orte vom gleichen Standpunkt aus heute noch einmal fotografiert haben. Dieser Vergleich sagt etwas über die Veränderung im Sudetenland aus - die Region, die bis zum Zweiten Weltkrieg überwiegend deutsch besiedelt war. Diese kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verluste versuchen wir durch den Bild-Vergleich darzustellen und die Menschen zum Nachdenken anzuregen.“

Martin Kastler (Foto: Archiv von Martin Kastler)Martin Kastler (Foto: Archiv von Martin Kastler) Der Nürnberger CSU-Europaabgeordnete Martin Kastler übergab die Ehrenmedaille beim Bundestreffen im sächsischen Bautzen. Er zeigte sich besonders erstaunt über die Art und Weise, wie der Verein seit zehn Jahren arbeitet.

„Das Schöne an Antikomplex ist, dass der Verein nicht nur eine Idee oder ein Projekt gemacht hat und dann wieder von der Bildfläche verschwunden ist. Er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er über zehn Jahre Kontinuität gezeigt und immer wieder neue Projekte ins Leben gerufen hat. Das sind große Projekte wie das Buch ‚Das verschwundene Sudetenland’ und viele kleine Dinge, bei denen immer wieder etwas Neues ausprobiert wird, wie zum Beispiel Aktionen mit Kindern in Schulen. Das ist einfach innovativ und nachhaltig.“

Martin Kastler ist seit 2010 Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde.