700 Mal Burg Schreckenstein

05-02-2020

Burg Střekov / Schreckenstein erhebt sich über Ústí nad Labem / Aussig. Im Museum der Stadt ist nun eine Ausstellung über dieses Wahrzeichen zu sehen.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Die gut erhaltene Burgruine, die auf einem steilen Felsen über der Elbe aufragt, gehört zu den Ikonen romantischer Kunstdarstellungen. Erbaut wurde die Burg Anfang des 14. Jahrhunderts. Zum ersten Mal erwähnt wurde sie 1319. Das Stadtmuseum in Ústí nad Labem hat aus diesem Anlass eine Ausstellung mit Titel „700 Mal Střekov“ zusammengestellt. Beim Eingang in die Schau ist eine vergrößerte Kopie des vermutlich berühmtesten Gemäldes mit der Burg zu sehen: Das ist die „Überfahrt am Schreckenstein“ von Ludwig Richter. Das Originalgemälde befindet sich in Dresden. In der Ausstellung erklingen Melodien aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“, erzählt Museumsleiter Václav Houfek.

„Richard Wagner hat viele Tage in der Gegend von Ústí verbracht. Anfang der 1840er Jahre schrieb er den Tannhäuser, dabei ließ er sich auch von der Burgruine inspirieren. Ihre dominante Lage und ihre Atmosphäre haben sie zu einem Symbol der Stadt und der ganzen Gegend gemacht. Dabei hat Schreckenstein bis 1939 gar nicht zur Stadt Ústí gehört. Prag hat den Hradschin, Brünn hat den Spielberg, und wir haben Schreckenstein. “

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Die Ausstellung zeigt, wie die Burg in der bildenden Kunst dargestellt wurde. Das reicht von romantischen Gemälden bis zur angewandten Kunst. Zu sehen sind Werke von renommierten Malern sowie von Amateurkünstlern. Gleich im ersten Saal sind 147 Bilder von Schreckenstein versammelt.

„Wir gestalteten die Schau gezielt wie ein Kaleidoskop von Bildern. Die Besucher können dabei romantische und moderne Werke miteinander vergleichen. Es werden nicht nur Gemälde gezeigt, sondern auch bemalte Kacheln aus der Zeit der Ersten Republik und Schießschilder aus dem 19. Jahrhundert. Zu sehen sind unter anderem Gemälde von Carl Croll, Ernst Gustav Doerell, Karl Quarck, Josef Reiner. Viele Werke stammen aus den Sammlungen unseres Museums, aber ein Teil der Exponate wurde von anderen Institutionen sowie von Privatsammlern geliehen. Denn jeder waschechter Aussiger hat einen Schreckenstein zu Hause.“

Václav Houfek (Foto: Martina Schneibergová)Václav Houfek (Foto: Martina Schneibergová) Die Veranstalter wandten sich auch an die Öffentlichkeit. Auf einen entsprechenden Aufruf bringen viele Menschen Fotografien oder Gemälde ins Museum. Die Abbildungen der Burg sind auch auf einer Webseite zu sehen, sie heißt „Tvůj Střekov“ (Dein Schreckenstein). Man habe anlässlich des 700. Gründungsjahrs von Schreckenstein insgesamt 700 Abbildungen zusammentragen wollen, erzählt Václav Houfek im nächsten Ausstellungssaal.

„In diesem Raum werden Exponate gezeigt, die uns die Menschen gebracht haben. Darunter sind Bilder von guter Qualität, aber auch naive Darstellungen. Zu den Exponaten gehören ebenfalls ein T-Shirt mit dem Motiv der Burg, verschiedene Souvenirs, eine Hochzeitsanzeige mit Schreckenstein sowie Wanderstöcke mit Plaketten der Burg in Deutsch und in Tschechisch.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová In der Ausstellung werden auch kuriose Exponate aus der kommunistischen Zeit gezeigt, wie beispielsweise eine Urkunde mit einem Schreckenstein- Motiv. Diese verkündet, dass der tschechoslowakische Astronaut Vladimír Remek auf der Burg zum Ritter geschlagen worden sei.

Besucher aus Deutschland reagieren sehr positiv auf die Ausstellung, erzählt der Museumsdirektor:

„Für die traditionelle deutsche Kultur spielt die Burg Schreckenstein dank der romantischen Künstler eine Rolle. So schrieb auch der Dichter Theodor Körner ein Gedicht über Schreckenstein. Karl May hielt sich in Brná (Birnai an der Elbe, Anm. d. Red.) nahe der Burg auf und war dort literarisch tätig. Er hat nicht nur Werke über die Indianer und exotische Länder verfasst, sondern auch Romane über mittelalterliche Burgen. Als Inspiration spielte Schreckenstein dabei sicher eine wichtige Rolle.“

Die Ausstellung „700 Mal Střekov“ ist im Stadtmuseum in Ústí nad Labem zu sehen, und zwar noch bis 8. März. Das Museum ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

05-02-2020