20 Jahre jung: Sdružení Ackermann-Gemeinde

11-02-2019

Im tschechisch-deutschen Dialog ist er nicht zu übersehen: der christlich orientierte Verband Sdružení Ackermann-Gemeinde. Vor 20 Jahren ist dieses tschechische Pendant zur sudetendeutschen Ackermann-Gemeinde entstanden. Aus diesem Anlass fand am Samstag ein feierliches Treffen im Benediktinerkloster in Prag-Břevnov statt.

Feierliches Treffen im Benediktinerkloster in Prag-Břevnov (Foto: Martina Schneibergová)Feierliches Treffen im Benediktinerkloster in Prag-Břevnov (Foto: Martina Schneibergová) Mit Musik wurde der Festakt im vollen Barocksaal des Klosters eingeleitet. Neben den Mitgliedern und Anhängern der tschechischen „Sdružení“ sind auch viele Mitglieder der deutschen Ackermann-Gemeinde nach Prag gekommen, gemeinsam mit ihrer Schwesterorganisation wollten sie an die 20-jährige Zusammenarbeit erinnern. Ex-Kulturminister Daniel Herman (Christdemokraten) ist Vorsitzender der tschechischen Sdružení Ackermann-Gemeinde. Er sei davon überzeugt, dass der Verband die vergangenen Jahre sehr gut genutzt und in bedeutendem Maß zu den grenzüberschreitenden Beziehungen beigetragen habe, sagte Herman. Das Kloster Břevnov sei mit Bedacht als Treffpunkt gewählt worden, fügte er hinzu.

„Denn zwei bedeutende Persönlichkeiten aus dem tschechisch-deutschen Dialog sind mit dem Stift verbunden. Der Heilige Gunther, der als ein Brückenbauer zwischen Bayern und Böhmen gilt, ist in Břevnov bestattet. Und die zweite Persönlichkeit ist Erzabt Anastáz Opasek, der im kommunistischen Gefängnis saß und nach 1968 viele Jahre lang im niederbayerischen Rohr lebte, bevor er nach Prag zurückkehrte.“

Helena Faberová (Foto: Martina Schneibergová)Helena Faberová (Foto: Martina Schneibergová) Mehrere Redner erinnerten sich an die Zeit vor 20 Jahren. Dabei wurde Bilanz gezogen. Demnach hat sich die Programmpalette von den anfänglichen Seminaren, Konferenzen und Studienfahrten erweitert. Unter anderem wurde auch eine Wanderausstellung über den christlichen sudetendeutschen Widerstand gezeigt. Gelobt wurde zudem das von jungen Menschen initiierte Projekt „Versöhnung 2016“.

Helena Faberová war die erste Vorsitzende der tschechischen „Sdružení“. Die deutsche Ackermann-Gemeinde habe sie schon vor der Wende kennengelernt, erzählt die heutige Ehrenvorsitzende:

„Ich habe damals als Beamte beim Bistum in Budweis gearbeitet. Noch vor der Wende hat uns eine gewisse Frau Maria Weiß besucht. Sie hat persönlich viel riskiert, um unserer Kirche zu helfen. Nach der Wende hat sie mich angesprochen und hat gesagt: ,Du hast mit uns schon vor 1989 geheim zusammengearbeitet, möchtest du nicht unser Mitglied sein?‘ Zu der Zeit habe ich bereits die Caritas in Budweis geleitet und meinte daher, dass dies erst möglich würde, wenn ich in der Rente ginge.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová So beschrieb Helena Faberová ihren Weg zur Ackermann-Gemeinde. 1999 wurde sie zur Vorsitzenden der neu gegründeten tschechischen SAG gewählt. In den folgenden Jahren wurde sie in ihrem Posten bestätigt.

„Als meine Aufgabe als Vorsitzende habe ich immer gesehen, die christlichen Werte, die wir unter dem Kommunismus in unserer Gemeinschaft gelebt haben, auch in einer säkularisierten Gesellschaft zu zeigen. Während der vergangenen 20 Jahre habe ich auch viele Überraschungen erlebt. Aber ich habe immer gedacht: Mit Gottes Hilfe geht alles.“

Helena Faberová wurde 2006 für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgzeichnet.

11-02-2019