Tschechische Fußball-Liga startet – neuer Spielmodus

An diesem Freitag startet die erste tschechische Fußball-Liga, die sogenannte Fortuna:Liga, in ihre neue Saison. Es ist die 26. Spielzeit im hiesigen Oberhaus, doch es wird auch die längste sein seit der ersten im Jahr 1993. Der Grund: Die nationale Meisterschaft wird nach einem ganz neuen Modus ausgespielt.

Tomáš Bárta (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Tomáš Bárta (Foto: ČTK / Ondřej Deml) In der höchsten tschechischen Fußball-Liga treten erneut 16 Mannschaften an, um ihren Besten, den Landesmeister, zu ermitteln. Dazu waren bisher stets 30 Spieltage nötig. Nun aber ist es sehr wahrscheinlich, dass der neue Champion später und womöglich erst nach 35 Begegnungen feststeht. Denn nach dem 30. Spieltag machen nur noch die ersten sechs Teams den Titelträger unter sich aus. Dafür sind fünf weitere Runden angesetzt. Doch das ist nur eine der vielen Änderungen im neuen Modus. Tomáš Bárta ist der Exekutivdirektor des tschechischen Fußball-Ligaverbandes (LFA). Er gibt eine kurze Übersicht zu allen Neuerungen:

„Nach der Hauptrunde, die mit dem 30. Spieltag abschließt, werden die 16 Mannschaften in drei Gruppen unterteilt. Die Teams auf den Plätzen eins bis sechs spielen um den Titel und die weiteren Plätze, die zur Teilnahme an den europäischen Wettbewerben berechtigen. Die Punkte aus der Hauptrunde werden mitgenommen, und die Mannschaften auf den ersten drei Plätzen haben den Vorteil, dreimal zu Hause antreten zu können. In der zweiten Gruppe, in der ein Kandidat für die Teilnahme an der Europa League ermittelt wird, spielen die Mannschaften auf den Plätzen sieben bis zehn. Diese Teams bestreiten insgesamt drei Duelle im K.o.-System. Und die letzte Gruppe spielt gegen den Abstieg. Sie wird gebildet von den Vereinen, die nach der Hauptrunde auf den Plätzen 11 bis 16 positioniert sind. Wie im Titelkampf spielt auch hier jeder gegen jeden, und die Punkte aus der Hauptrunde werden mitgenommen. Eine Änderung ist dabei, dass nur der Tabellenletzte nach 35 Begegnungen direkt absteigt. Die Mannschaften, die nach der Abstiegsrunde auf den Rängen 14 und 15 liegen, müssen allerdings in die Relegation, in der sie im K.o.-System auf den Dritten beziehungsweise Zweiten der zweiten Liga treffen.“

Foto: Michal Jarmoluk, Pixabay / CC0Foto: Michal Jarmoluk, Pixabay / CC0 Nach der Hauptrunde, in der jede Mannschaft wie üblich je einmal zu Hause und auswärts gegen alle Kontrahenten antritt, wird die Liga also in drei Leistungsgruppen eingeteilt. Die sogenannte Meisterrunde wie auch die Abstiegsrunde sollen dabei noch einmal für Spannung sorgen. Etwas unübersichtlich gestaltet sich die Lage indes für die Teams auf den Plätzen 7 bis 10. Sie ermitteln in den Paarungen Siebter gegen Zehnter und Achter gegen Neunter jene zwei Vereine, die danach den Anwärter für den letzten zu vergebenden Platz zur Qualifikation für die Europa League unter sich ausmachen. Dieser Kandidat muss dann jedoch noch eine dritte und letzte Hürde überspringen. Tomáš Bárta:

„Der Sieger der Ausscheidungsrunde um die Plätze 7 bis 10 muss abschließend zu einem Entscheidungsspiel beim Fünften der Meisterrunde antreten. Dies aber nur in dem Fall, dass eine der ersten vier Mannschaften der Liga den Landespokal gewonnen hat. Sollte dies nicht so sein, dann gastiert der Siebte beim Vierten der Meisterrunde.“

Dušan Svoboda (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Dušan Svoboda (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Der sogenannte Überbau der Liga sorgt damit schon jetzt für viel Diskussionsstoff. Die Platzierungsspiele nach der Hauptrunde sollen erstmals im Mai und Juni kommenden Jahres ausgetragen werden. Ligaverbandschef Dušan Svoboda aber verspricht sich von dieser Neuerung eine ganze Menge:

„Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, einen neuen Modus einzuführen. Von diesem Modell verspreche ich mir, dass es die Liga noch attraktiver macht, weil viele Begegnungen hinzukommen, in denen es um etwas geht. Dies werden auch die sogenannten schweren Spiele sein, die für die Entwicklung der Fußballprofis wichtig sind. Und das wiederum sollte den jeweiligen Mannschaften helfen, sich noch besser auf die sehr schwierigen Qualifikationsspiele zu den europäischen Wettbewerben vorzubereiten.“

Dušan Svoboda: „Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, einen neuen Modus einzuführen. Von diesem Modell verspreche ich mir, dass es die Liga noch attraktiver macht, weil viele Begegnungen hinzukommen, in denen es um etwas geht.“

Svoboda bezeichnet dies als einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Liga. Die anderen waren seinen Worten nach die Abkopplung der Liga vom nationalen Verband und die Einführung des Videobeweises.

„Natürlich sind gerade in letzter Zeit viele Dinge zusammengekommen. Von daher würde ich sagen, dass mit der neuen Saison auch die radikalsten Veränderungen seit Gründung der eigenständigen tschechischen Liga im Jahr 1993 anstehen.“

Doch was sagen eigentlich die Akteure auf dem Rasen selbst zu diesem gravierenden Einschnitt? Milan Škoda ist Kapitän und Stürmer des Vizemeisters Slavia Prag:

Milan Škoda (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)Milan Škoda (Foto: ČTK / Michal Kamaryt) „Ich freue mich, dass es mehr Spiele gibt, das ist super. Aber die Termine sind wirklich blöd. Ich hätte mir vorstellen können, dass öfters auch mittwochs gespielt wird. Andererseits ist es sicher nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Doch Hauptsache ist, dass es mehr Spiele sind.“

Neuer Kapitän beim Lokalrivalen Sparta Prag ist Josef Šural. Auch er ist Angreifer und hat eine Meinung zum neuen Modus:

„Die zusätzlichen Spiele wurden eingeführt, damit die Spannung hochbleibt und es nach Möglichkeit bis zum letzten Spieltag um etwas geht. Ich hoffe, dass wir dabei eine wichtige Rolle einnehmen und so auch bis zur letzten Begegnung um den Titel spielen werden.“

Milan Škoda: „Ich freue mich, dass es mehr Spiele gibt, das ist super. Aber die Termine sind wirklich blöd. Ich hätte mir vorstellen können, dass öfters auch mittwochs gespielt wird.“

Er selbst freue sich auf die zusätzlichen Begegnungen, die auch die Fans in ihren Bann ziehen sollten, ergänzt Šural. Doch nicht nur die beiden Traditionsvereine aus der Hauptstadt, sondern auch Titelverteidiger Viktoria Pilsen will die nächste Meisterschaft für sich entscheiden. So sieht es jedenfalls Milan Škoda:

„Die Meisterschaft wird wohl wieder zwischen diesen drei Teams entschieden. Ich weiß nicht, aber vielleicht ist diesmal Sparta an der Reihe. Doch wir glauben an uns und haben auch ein starkes Team. Dazu kommen phantastische Fans und eine große Tradition, das könnte der Schlüssel für den Titelgewinn sein.“

Pavel Vrba (Foto: ČTK / PR / FC Viktoria Plzeň)Pavel Vrba (Foto: ČTK / PR / FC Viktoria Plzeň) Dem hält Pavel Vrba, der Meistertrainer aus Plzeň / Pilsen, indes entgegen:

„Natürlich sprechen wir beim Titelkampf wieder über Pilsen, Sparta und Slavia, doch wie Sie alle wissen, haben in der vergangenen Saison auch noch einige andere Mannschaften für Furore gesorgt. Deshalb kann es auch in der neuen Saison passieren, dass ein, zwei weitere Teams genauso überraschen wie Olmütz in der letzten Spielzeit oder Jablonec nad Nisou in der Rückrunde im Frühjahr. Deswegen will ich vor der Saison beziehungsweise vor den ersten fünf Spieltagen auch noch kein Ziel bekanntgeben. Denn jetzt schon die Form der Teams einzuschätzen, ist sehr schwierig.“

Auf der anderen Seite ist Vrba froh, dass er und sein Team sich zu Saisonbeginn voll auf den Liga-Alltag einstellen können. Denn Pilsen hat sich mit dem Titelgewinn direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert und muss nicht wie in den Jahren zuvor in die Qualifikation. Dies wurde möglich, weil die tschechischen Teams in den zurückliegenden fünf Spielzeiten entsprechend viele Zähler für den Punkte-Koeffizienten der Uefa gesammelt haben. Allerdings warnt Pavel Vrba auch vor einem möglichen Bumerang:

Pavel Vrba: „Es kann auch in der neuen Saison passieren, dass ein, zwei weitere Teams genauso überraschen wie Olmütz in der letzten Spielzeit oder Jablonec in der Rückrunde im Frühjahr. Deswegen will ich vor den ersten fünf Spieltagen auch noch kein Ziel bekanntgeben.“

„Natürlich kann es ein Vorteil sein, dass wir uns an den ersten acht Spieltagen nur auf die Liga konzentrieren müssen. In den zurückliegenden Jahren haben wir unseren Fokus im Sommer viel stärker darauf gelegt, uns für die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs zu qualifizieren. Dementsprechend habe ich meine Spieler eingesetzt mit dem Effekt, dass ich mehr rotieren ließ. Das heißt, bis zum September hatten einfach mehr Akteure schon ein, zwei Pflichtspiele absolviert, darunter jene, die sonst kaum Spielpraxis bekommen hätten. Das Ganze hat also sowohl seine Vor- als auch Nachteile.“

Insgesamt aber sieht Vrba der neuen Saison sehr entspannt entgegen. Das konnte man auch einem seiner Zwischenrufe auf der jüngsten Pressekonferenz des Meisters entnehmen. Denn während sich seine Vorgesetzten, Clubeigner Tomáš Paclík und Generalmanager Adolf Šádek, noch darüber beharkten, ob denn nun Real Madrid oder Juventus Turin ein wünschenswerter Gruppengegner sei, warf Vrba einen ganz anderen Vereinsnamen in die fröhliche Runde vor Journalisten:

„Ich wünsche mir Lokomotive Moskau“, so der Erfolgstrainer.

David Vaněk (Foto: ČTK / Ondřej Deml)David Vaněk (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Ligaverbandschef Svoboda hingegen ist erfreut, dass es vor dieser Saison bereits drei Mannschaften in die Gruppenphase der Champions- oder Europa League geschafft haben. Und zwei könnten noch hinzukommen, sollten Olomouc / Olmütz und Sparta Prag die Qualifikation für die zweitstärkste europäische Liga meistern. Zufrieden ist Svoboda ebenso mit der Entwicklung nach der Einführung des Videobeweises in Europa. Gerade die WM in Russland habe gezeigt, dass man hierbei auf einem guten Weg sei, so der Fußballfunktionär. Auch in Tschechien werde man diesen Prozess mittragen. Denn nach der lediglich sporadischen Nutzung des Videobeweises in der vergangenen Saison, wird der Einsatz des technischen Hilfsmittels in der neuen Saison auf drei Begegnungen pro Spieltag ausgeweitet. Die materiellen wie personellen Voraussetzungen dafür habe man geschaffen, versicherte Liga-Exekutivdirektor Bárta. Ein weiterer und sehr wichtiger Coup, mit dem der Ligaverband vor Saisonbeginn aufwarten konnte, ist der Vertrag mit einem neuen Hauptsponsor. Ab der Saison 2018/19 wird das Wettbüro Fortuna für vier Jahre der größte Geld- und somit auch Namensgeber der Liga sein. Und passend zum Gewerbe, das seine Firma vertritt, verkündete Fortuna-Generalsekretär David Vaněk einen Tag vor dem Saisonauftakt auch gleich die ersten Wettprognosen:

Sparta Prag (Foto: ČTK / Vlastimil Vacek / PR / www-sparta.cz)Sparta Prag (Foto: ČTK / Vlastimil Vacek / PR / www-sparta.cz) „Nach Auffassung der Buchmacher ist Slavia Prag der Titelfavorit. Dem Hauptstadtclub folgen Lokalrivale Sparta und Meister Pilsen. Die Tipper aber sehen dies etwas anders: 50 Prozent der Wetten wurden bisher auf Sparta abgeschlossen, 30 Prozent auf Slavia und 10 Prozent auf Pilsen. Der Rest verteilt sich auf Jablonec und Ostrau.“

Der Ligastart erfolgt am Freitag mit dem Gastspiel von Titelverteidiger Pilsen bei Dukla Prag.