Tschechiens Volleyballer scheitern am eigenen Unvermögen

21-09-2011

Bei der Volleyball-Europameisterschaft in Österreich und im eigenen Land ist das tschechische Männerteam einmal mehr unter den Erwartungen geblieben. Die Enttäuschung über den 10. Platz ist auch deshalb so groß, weil diesmal wirklich mehr drin war.

Tschechisches Siegen über Portugal (Foto: Tscheschisches Fernsehen)Tschechisches Siegen über Portugal (Foto: Tscheschisches Fernsehen) Es bleibt dabei: Die tschechischen Volleyballer können bei Welt- und Europameisterschaften nicht mehr mit den Besten mithalten. Und das schon seit über 20 Jahren. Der letzte Medaillengewinn eines Männerteams reicht bis ins Jahr 1985 zurück, ihr inzwischen verstaubter Glanz konnte aber auch diesmal nicht aufpoliert werden. Dabei sprach einiges dafür, dass die Männer um Kapitän Ondřej Hudeček in diesem Jahr einiges reißen könnten. Bei der WM im vorigen Jahr haben sie immerhin Mannschaften wie Bulgarien, China und die USA geschlagen. Die 27. EM fand bis zum vergangenen Sonntag in Österreich und im eigenen Land statt. Den Heimvorteil konnten die Schützlinge von Trainer Jan Svoboda dann auch in der Vorrunde recht gut nutzen. Nach Siegen über Portugal (3:2) und Estland (3:0) und der 0:3-Niederlage gegen den Turnierfavoriten Russland hatte das tschechische Team ohne Probleme die Play-offs erreicht. Hier war zwar Titelverteidiger Polen der Gegner, doch den hatte man noch kurz vor dem Turnier in Katowice / Kattowitz mit 3:0 bezwungen. Im EM-Duell in Karlovy Vary / Karlsbad wurden Hudeček & Co. zudem hervorragend vom eigenen Publikum unterstützt. Das half der tschechischen Mannschaft auch, um nach dem Satzausgleich zum 1:1 im dritten Satz schon bis auf 18:12 davonzuziehen. Dann aber riss der Faden, und die Gastgeber verloren diesen Satz noch mit 29:31 sowie danach auch den vierten mit 18:25. Nach der bitteren 1:3-Niederlage analysierte Trainer Jan Svoboda:

1:3-Niederlage gegen Polen (Foto: Tschechisches Fernsehen)1:3-Niederlage gegen Polen (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Bis zu dem Zeitpunkt, als das Spiel kippte, haben wir die Polen in allen Belangen beherrscht. Sie wussten da oft nicht, was sie spielen sollten. Die Wende kam erst zum Ende der Partie, als sich auch das Glück auf die Seite des Gegners schlug. Wir hätten den Spielverlauf jedoch besser im Griff haben müssen. So sind wir jetzt sehr enttäuscht über das Ausscheiden. Wir wissen zwar schon lange, dass wir gemessen an der Leistungsstärke in Europa auf eine Position zwischen Platz acht und zwölf gehören, doch vor eigenem Publikum wollten wir die Polen schon schlagen. Die Chance auf ein Weiterkommen aber haben wir sträflich vertan.“

Jan ŠtokrJan Štokr Nicht minder entsetzt über die unnötige Niederlage war nach der Begegnung auch Angreifer Jan Štokr, der gegen die Polen noch zu den Besten gehörte:

„Im Volleyball entscheiden die Fehler, und da haben wir heute die Mehrzahl gemacht. Das ist unsere eigene Dummheit, denn das Spiel haben wir selbst verloren. Wir hatten gute Möglichkeiten zum Satzgewinn sowohl im ersten als auch besonders im dritten Satz, doch wir haben sie liegen lassen. Im vierten Satz haben uns die Polen bereits mit ihren Aufschlägen unter Druck gesetzt, darauf wussten wir einfach keine Antwort. Wir sind jetzt sehr enttäuscht.“

Zu den Enttäuschungen der Europameisterschaft, die Serbien nach einem 3:1-Finalsieg über Italien gewann, zählte aber ebenso die deutsche Mannschaft. Auch wenn ihre Gruppe D, die in Prag spielte, mit den Kontrahenten Polen, Slowakei und Bulgarien als schwerste galt, hatten mit drei Niederlagen wohl die wenigsten gerechnet. Nach dem frühzeitigen Aus hat Radio Prag mit dem Kapitän der Mannschaft, Björn Andrae, gesprochen:

Finale zwischen Serbien und Italien (Foto: ČTK)Finale zwischen Serbien und Italien (Foto: ČTK) Björn, heute gab es für euch das dritte 1:3 bei dieser Europameisterschaft. Woran seid ihr gescheitert?

„Also ich denke, dass wir heute gegen Bulgarien und gestern gegen die Slowakei eigentlich relativ gut gespielt haben. Wir haben uns im Turnierverlauf gesteigert, aber heute auch gemerkt: Es reicht einfach noch nicht für weiter oben. Wir müssen halt in den Endphasen der Sätze noch stabiler und sicherer werden, und auch selbstbewusster, um solche Spiele auch mal zu gewinnen. In einem Satz zum Beispiel erkämpfen wir uns den 23:23-Ausgleich, machen dann aber zwei Fehler und verlieren das Ding. Das ist ziemlich ärgerlich für uns, aber wir müssen jetzt einfach damit leben, nach vorne schauen und daran arbeiten.“

Björn Andrae (Foto: Archiv von Björn Andrae)Björn Andrae (Foto: Archiv von Björn Andrae) Habt ihr hier in Prag euer wahres Leistungsvermögen gezeigt oder seid ihr unter euren Möglichkeiten geblieben?

„Ich glaube, dass wir es nicht geschafft haben, unser Leistungsvermögen bei dem Turnier abzurufen. Wir sind sehr schlecht in das Turnier gestartet, haben gegen die Polen anfangs schwach gespielt und das Spiel auch verloren. Wir haben uns dann schon gesteigert, aber es ist natürlich schwierig, wenn man seiner Form hinterher rennt und eigentlich nicht genau weiß, woran eshc ces denn jetzt liegt. Wir waren alle relativ fit, haben es aber nicht geschafft, zu zeigen, was wir wirklich können.“

Meiner Meinung nach habt ihr auch zu viele Aufgabenfehler gemacht, noch dazu in Phasen, in denen ihr hättet mal davonziehen können, oder eben in den von Ihnen angesprochenen Endphasen eines Satzes. Waren das Konzentrationsfehler oder einfach nur zu große Nervosität?

„Der Aufschlag ist immer ein Risikofaktor. Und wenn du auf Risiko gehst, dann passieren auch viele Fehler. Die sicheren Dinger aber müssen schon übers Netz, das stimmt. Wir haben allgemein in dem Turnier sehr schlecht aufgeschlagen. Dabei waren wir nicht aggressiv genug und zu fehlerhaft. Das ist ein Mix, der eigentlich nicht passieren darf. Bei dem Turnier war der Aufschlag wirklich eine sehr große Schwäche von uns.“

 

Experten einig: Neue Saison in Eishockey-Extraliga wird spannend

Beim Flugzeugunglück nahe Jaroslawl sind auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler ums Leben gekommenBeim Flugzeugunglück nahe Jaroslawl sind auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler ums Leben gekommen Der Saisonauftakt in der höchsten Eishockey-Spielklasse Tschechiens, der Tipsport-Extraliga, stand in diesem Jahr unter einem ganz traurigen Stern. Beim tragischen Flugzeugunglück nahe Jaroslawl sind auch drei tschechische Eishockey-Nationalspieler ums Leben gekommen. Ihr schmerzvoller Tod wurde von der ganzen Nation betrauert, an ihrer öffentlichen Verabschiedung nahmen über 20.000 Menschen teil. Wegen des Begräbnisses von Jan Marek, der am vergangenen Freitag beerdigt wurde, hat die Liga sogar ihren ersten Spieltag abgesetzt. Vor allen Begegnungen des verschobenen Saisonstarts am Sonntag wurde der drei Spieler mit einer Schweigeminute gedacht.

Seitdem kämpfen und spielen die Extraliga-Teams aber wieder um die heißbegehrten Punkte und das Erreichen ihres ersten Ziels – den Einzug in die Play-offs. Und in dieser Saison wollen in der Tat alle 14 Vereine unter die Top Ten kommen, was sie zur Play-off-Teilnahme berechtigt. Davon ist Rostislav Vlach, der Trainer der Zlíner Mannschaft, ziemlich überzeugt:

Rostislav Vlach (Foto: Archiv HC Hamé Zlín)Rostislav Vlach (Foto: Archiv HC Hamé Zlín) „Ich denke, dass die Liga in dieser Saison noch ausgeglichener ist als im letzten Jahr. Die Teams sind nicht schwächer geworden, sondern haben sich meiner Meinung nach noch verstärkt. Und alle Mannschaften wollen in die Play-offs.“

Milan Hnilička, der Manager aus Mladá Boleslav, vertritt eine ähnliche Ansicht, auch wenn er persönliche Favoriten hat:

„Ich gehe davon aus, dass erneut Třinec, Liberec und Pilsen ganz oben stehen werden, möglicherweise auch Pardubice. Der Rest des Feldes ist sehr ausgeglichen, den Ausschlag für die bessere Platzierung werden die momentane Form und die Qualität der Torleute geben.“

Auch Josef Zajíc, der Manager aus České Budějovice / Budweis, zählt gleich eine ganze Handvoll von Favoriten auf:

Josef Zajíc (Foto: Archiv HC Mountfield České Budějovice)Josef Zajíc (Foto: Archiv HC Mountfield České Budějovice) „Wenn man sieht, wie gut einige Mannschaften in der Saisonvorbereitung bei der European Trophy gespielt haben, dann steht fest, dass Pilsen sehr stark sein wird, aber auch Pardubice und Budweis vorne mitspielen werden. Gegen uns hat Sparta Prag gezeigt, dass auch mit diesem Team wieder zu rechnen ist, und natürlich zählen auch Třinec und Vítkovice erneut zu den Favoriten.“

Třinec und Vítkovice sind als Titelverteidiger und Vizemeister in den Punktekampf gestartet. Erfolgreiche Mannschaften haben jedoch immer das Problem, dass es ihre besten Spieler nach der Saison ins Ausland zieht, wo sie besser verdienen können. Das war auch diesmal bei beiden mährischen Teams der Fall, aus denen je zwei Leistungsträger in die russische KHL abgewandert sind. Vor dem Problem, dass andere europäische Ligen und natürlich die nordamerikanische NHL in der Lage sind, sehr gute tschechische Spieler mit besser dotierten Verträgen abzuwerben, stehen jedoch alle Clubs der Extraliga. Deswegen werden sie auf dem Weg fortschreiten, den sie zuletzt eingeschlagen haben – mit der systematischen Verjüngung ihrer jeweiligen Kader. Das bestätigt auch Ctibor Jech, der Manager aus Liberec:

Tomáš Hertl (Foto: ČTK)Tomáš Hertl (Foto: ČTK) „Ja, den Trend zum verstärkten Einbau von jungen Spielern in die Kader gibt es. Dazu sind die Clubs wegen ihrer ökonomischen Zwänge auch in nicht geringem Maße gezwungen. Natürlich kommt ein gutes Team nicht ohne erfahrene Spieler aus, denn sie müssen Verantwortung übernehmen und im Team eine dominante Rolle spielen. Ergänzt werden müssen sie aber durch junge Spieler, die sehr ambitioniert sind und etwas erreichen wollen.“

Auf solche junge und talentierte Spieler kann die Extraliga auch zuhauf verweisen. Das haben die ersten beiden Spieltage der neuen Saison schon bewiesen, an denen der erst 17-jährige Tomáš Hertl von Slavia Prag, der zwei Jahre ältere Antonín Honejsek aus Zlín und die beiden nicht minder jungen Brünner Branislav Jankovič und Hynek Zohorna auf sich aufmerksam machten. Die Eishockey-Extraliga ist hierzulande also auch sportlich wieder in aller Munde.

21-09-2011