Tschechiens Tennisdamen besiegen USA im Fed-Cup-Finale 3:0

Hierzulande werden drei Sportarten ganz groß geschrieben: Fußball, Eishockey und Tennis. Besonders im Damentennis verkörpert Tschechien gegenwärtig die absolute Weltspitze. Das hat der erneute Sieg im Fed Cup am Wochenende in Prag eindrucksvoll belegt. Im Eishockey findet hingegen ein Umbruch statt. Zum Karjala Cup in Helsinki trat die Nationalmannschaft unter der Leitung des neuen Trainers Miloš Říha an.

Foto: ČTK/Kateřina ŠulováFoto: ČTK/Kateřina Šulová Die tschechischen Tennisspielerinnen sind als Team einfach nicht zu stoppen. Seit 2011 zogen sie in ihrem Mannschaftswettbewerb, dem Fed Cup, insgesamt sechs Mal ins Finale ein – und sie haben es stets gewonnen. Das halbe Dutzend machten sie am vergangenen Wochenende in Prag perfekt: In der O2-Arena bezwangen sie die US-Amerikanerinnen mit 3:0.

An allen sechs Titelgewinnen mitgewirkt hat Teamkapitän Petr Pála. Er ist zu Recht stolz auf seine Spielerinnen:

„In allen sechs Finals war es einfach unglaublich, mit welcher Hingabe mehrere Spielerinnen am Sieg Anteil hatten. Immer ist jemand ausgefallen und wurde durch eine Andere ersetzt. Von daher war jedes Finale sehr speziell.“

Das jüngste Finalduell gegen die USA war da keine Ausnahme. Im Gegenteil, nach dem verletzungsbedingten Ausfall der tschechischen Nummer zwei Karolína Plíšková musste Pála diesmal auch noch auf seine zweite Top-Spielerin verzichten. Denn Petra Kvitová, die er für den Kader nominiert hatte, plagte eine fiebrige Grippe. Und die dritte erfahrene Spielerin im Bunde, Barbora Strýcová, gab nur einen Tag vor der Auslosung bekannt, dass sie ihr letztes Wochenende im Fed Cup bestreiten werde. Dementsprechend aufgeregt war die 32-Jährige am Samstag, als sie in der Auftaktpartie auf den Court musste:

„Ich hatte schon den ganzen Tag über mit meinen Emotionen zu kämpfen. Als dann auch noch mein Trainer zu mir gesprochen hat, war ich sehr berührt. Diese Emotionen habe ich beim Ertönen der Nationalhymne rausgelassen, ich konnte meine Tränen nicht mehr unterdrücken.“

Petr Pála: „In allen sechs Finals war es einfach unglaublich, mit welcher Hingabe mehrere Spielerinnen am Sieg Anteil hatten. Immer ist jemand ausgefallen und wurde durch eine Andere ersetzt. Von daher war jedes Finale sehr speziell.“

Die Gefühle störten die sonst so kampfstarke Spielerin wohl dann zunächst auch in ihrer Konzentration. Strýcová verlor den ersten Satz gegen Sofia Kenin trotz vorheriger Führung im Tiebreak mit 6:7. Danach aber fing sich die Pilsnerin, spielte all ihre Erfahrung aus und gewann mit Unterstützung von 15.000 Zuschauern im Rücken die Sätze zwei und drei mit 6:1 und 6:4. Danach wusste sie auch, bei wem sie sich zu bedanken hatte:

„Dass die Zuschauer mich so sehr anfeuern, das habe ich zuvor noch nicht erlebt. Natürlich, auch im Prager Finale 2015 bin ich lautstark unterstützt worden, aber es war im Doppel. Diesmal den Auftakt im Einzel zu bestreiten und das Spiel zu gewinnen, das war mir sehr wichtig.“

Nach der 1:0-Führung durch Strýcová aber lag die weitere Verantwortung im tschechischen Team auf einem Finalneuling: Die erst 22-jährige Kateřina Siniaková sprang für die erkältete Kvitová in die Bresche. Und sie machte ihre Sache überragend. Nach nur zwei Sätzen hatte sie Alison Riske mit 6:3 und 7:5 geschlagen.

Tschechien führte also nach dem ersten Tag mit 2:0 und benötigte nur noch einen einzigen Sieg, um den Pokal erneut zu gewinnen. Trainer Pála hob indes den Zeigefinger:

„Auch wenn meine Spielerinnen in der Weltrangliste etwas besser platziert sind als ihre Gegnerinnen, waren beide heutigen Begegnungen sehr offen und ausgeglichen. Besonders Sofia Kenin hat hervorragend gespielt.“

Kateřina Siniaková (Foto: ČTK/Michal Kamaryt)Kateřina Siniaková (Foto: ČTK/Michal Kamaryt) Und die erst 19-jährige US-Amerikanerin ließ auch am Sonntag nicht locker, als sie gegen Kateřina Siniaková antrat. Den ersten Satz verlor Kenin zwar mit 5:7, doch im zweiten drehte sie den Spieß um: Trotz eines zwischenzeitlichen 0:3-Rückstands gewann sie diesen mit 7:5. Und im dritten Satz schien sich das Drama zu wiederholen: Siniaková büßte einen 4:1-Vorsprung ein, Kenin führte auf einmal 5:4 und hatte sogar zwei Matchbälle. Am Ende aber hieß die Siegerin Kateřina Siniaková:

„Die Begegnung war sehr ausgeglichen, es haben nur Kleinigkeiten gefehlt, um das Pendel von einer Seite auf die andere Seite ausschlagen zu lassen. Jedes Fifteen war hart umkämpft, und mich hat es enorm geärgert, als ich meinen Vorsprung verspielt hatte. Doch dann passierte das Wunder, und ich habe die Partie noch gedreht.“

Siniaková gewann den dritten Satz mit 7:5 und damit den dritten und entscheidenden Punkt für Tschechien. Damit wurde die eigentliche Doppelspielerin zur Heldin. Eine Rolle, die sie kaum fassen konnte:

„Es ist einfach unglaublich. Ich habe natürlich anfangs nicht mit einem Einsatz im Einzel gerechnet, doch auf einmal musste ich gleich zwei davon bestreiten. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf dem Court stehen durfte, und natürlich begeistert, dass ich beide Spiele gewonnen habe.“

Barbora Strýcová: „Ich bin sehr froh, dass wir den Pokal erneut gewonnen haben. Ich war und bin überwältigt. Mir werden meine Mitspierinnen sehr fehlen, denn wir haben uns im Team stets gegenseitig angefeuert und einander geholfen.“

Danach konnte das tschechische Team jubeln und die begehrte Trophäe zum insgesamt schon elften Male in Empfang nehmen. Barbora Strýcová hat einen gewissen Anteil an der Gesamtzahl. Deshalb konnte sie zum Abschluss nochmals all ihre Gefühle rauslassen:

„Ich bin sehr froh, dass wir den Pokal erneut gewonnen haben. Ich war und bin überwältigt. Mir werden meine Mitspierinnen sehr fehlen, denn wir haben uns im Team stets gegenseitig angefeuert und einander geholfen. Mir wird auch die Atmosphäre von den Zuschauerrängen fehlen, doch ich habe meine Entscheidung getroffen und höre auf. Dazu stehe ich, und das werde ich nicht ändern.“

 

Eishockey: Tschechiens Nationalteam gelingt unter Říha Sieg gegen Russland

Miloš Říha (Foto: ČTK/Michal Kamaryt)Miloš Říha (Foto: ČTK/Michal Kamaryt) Eine tolle Stimmung mit ständigen „Tschechen-Tschechen“-Sprechchören herrschte am vergangenen Donnerstag auch in der zweiten großen Prager Sporthalle, der altehrwürdigen Tipsport Arena. Dort waren knapp 10.000 Besucher erschienen, um ein tolles Jubiläum zu feiern: 110 Jahre organisiertes Eishockey in den böhmischen Ländern, und damit im heutigen Tschechien. Dieses Jubiläum wurde auch sportlich begangen, denn in einer der beiden Auftaktpartien des Karjala Cups standen sich die tschechische Nationalmannschaft und das schwedische Team gegenüber. Zudem war es das Debüt für den neuen Nationaltrainer der Hausherren, den 59-jährigen Miloš Říha.

Die Premiere war nicht erfolgreich, denn seine Mannschaft hat das Duell mit 2:3 verloren. Allerdings nach einem guten und beherzten Spiel, so dass Říha resümierte:

„Ich bin zufrieden, denn die Mannschaft hat das gezeigt, was wir von ihr sehen wollen. Sie hat ein engagiertes, laufintensives Eishockey gespielt und war im letzten Drittel sogar die bessere Mannschaft. Doch leider haben wir ein paar unnötige Fehler gemacht, die die Schweden eiskalt bestraft haben. Wenn wir aber so weiter machen, wird diese Arbeit schon bald Früchte tragen. Heute wäre zumindest ein Unentschieden verdient gewesen.“

Bis auf die Begegnung der Tschechen mit den Schweden wurde der Karjala Cup wie gewohnt in Helsinki ausgetragen. Dort traf die tschechische Mannschaft am Samstag auf Gastgeber Finnland. Sie konnte ihre gute Leistung aus dem ersten Match nicht wiederholen und verlor 0:3. Entsprechend enttäuscht war Říha:

„Die Finnen waren in allen Belangen besser als wir und haben heute verdient gewonnen. Auch wenn Torwart Patrik Bartošák viele Chancen der Finnen zunichte gemacht hat, so haben wir zwei Gegentore durch individuelle Fehler begünstigt. Das hat das gesamte Spiel beeinflusst.“

Foto: ČTK/AP/Heikki SaukkomaaFoto: ČTK/AP/Heikki Saukkomaa Goalie Bartošák hielt auch im letzten Duell mit Russland überragend und hatte somit großen Anteil daran, dass am Ende noch ein 5:2-Sieg heraussprang. Der 25-jährige Keeper zog danach dieses Fazit:

„Dieser Sieg wird uns gewiss Selbstvertrauen geben. Denn nicht einmal 24 Stunden nach der Niederlage gegen Finnland haben wir uns aufgerappelt und gegen das stärkste Team des Turniers gewonnen. Das ist ein wertvoller Sieg, auch wenn er an unserem Tabellenplatz nichts mehr geändert hat.“

Ein Sieg und zwei Niederlagen reichten für die Tschechen nur zum vierten Platz, da sie den direkten Vergleich gegen die punktgleichen Schweden verloren haben. Turniersieger wurde Russland vor Gastgeber Finnland.