Tschechiens Eishockeyclubs erwartet eine finanziell schwierige Saison

Ab Mittwoch wird in Tschechien endlich auch wieder Eishockey gespielt. Die höchste Spielklasse des Landes, die O2-Extraliga, startet dann in ihre 17. Saison.

Vor dem ersten Bully steht jedoch schon fest: Es wird eine außergewöhnlich schwierige Saison. Die Wirtschaftskrise hat nämlich längst auch auf den Sport durchgeschlagen, und das von Sponsoren oder Mäzenen sehr abhängige Profi-Eishockey bekommt es besonders zu spüren. Wegen der Krise haben alle Clubs kräftig abgespeckt. Vor allem die Spielergehälter wurden stark gekürzt, und zwar um 15 bis 25 Prozent. Mehrere Sponsoren der 14 Extraligateams kämpfen ums Überleben. Es sei nicht auszuschließen, dass einige von ihnen während der Saison wegbrechen könnten, weil der Tiefpunkt der Krise noch bevorstehe, beschreibt Petr Syrovatko, der Präsident der Weißen Tiger Liberec, den Ernst der Lage. Auch Petr Bříza, der Generalmanager des HC Sparta Prag, lässt in dem Gespräch, das Radio Prag mit ihm führte, mehrfach durchblicken, dass die Finanzierung des Spielbetriebs in dieser Saison eine nahezu existenzielle Bedeutung hat:

Generalmanager des HC Sparta Prag, Petr Bříza (Foto: HC Sparta Prag)Generalmanager des HC Sparta Prag, Petr Bříza (Foto: HC Sparta Prag) Herr Bříza, was erwarten Sie von der neuen Eishockeysaison 2009/10 – sowohl von der Liga als auch von Sparta Prag?

„Ich denke, dass die Liga wie in den letzten Jahren auch diesmal sehr ausgeglichen sein wird. Am Ende werden dann wieder nur ein paar Punkte darüber entscheiden, wer in den Play offs sein wird und wer nicht. Im finanziellen Bereich aber wird es die Liga sehr schwer haben. Viele Clubs wissen nicht, was in den nächsten Monaten so alles passieren kann. Aber alle wissen: Es wird sehr schwierig, den Spielbetrieb für die gesamte Saison finanziell zu decken. Was Sparta Prag anbelangt, so kann ich sagen: Wir haben eine gefestigte Mannschaft und erwarten deshalb, dass sich die Mannschaft durchsetzt und ein attraktives Eishockey spielen wird.“

Es ist bekannt, dass Sparta Prag immer oben mitspielen will. Wen erwarten Sie denn als schärfte Konkurrenz?

„Wir haben nie gesagt, dass wir für die Top-Positionen geboren sind. Das sind andere auch und die tschechische Extraliga hat vier, fünf Top-Mannschaften, die jedes Jahr vorn dabei sein können. Hinzu kommt außerdem jedes Mal zumindest ein Überraschungsteam. Ich rechne zum Beispiel damit, dass Pardubice mit dem aus der NHL zurückgekehrten Torwart Dominik Hašek die Rolle des Hechts im Karpfenteich spielen könnte. Aber auch Pilsen, Slavia Prag oder Vítkovice wollen oben mitmischen. Für Spannung ist also genug gesorgt.“

Sie sagten es bereits: Es wird diesmal sehr viel davon abhängen, wie gut alle Mannschaften in finanzieller Hinsicht durch die Saison kommen werden. Die Sponsoren der Teams müssen wegen der Krise kürzer treten. Deshalb die Frage: Sollte man nicht auch dem Zuschauerzuwachs noch mehr Aufmerksamkeit schenken, damit die Liga in Zukunft auf mehreren Füßen stehen kann?

„Ich denke, dass wir den Zuschauern sehr viel Aufmerksamkeit widmen. Jedes Jahr versuchen wir, sie in Scharen in die Hallen zu locken. Bei Sparta Prag zum Beispiel bieten wir ein ganzes Paket voller Aktionen, um ihnen den Besuch eines Eishockeyspiels schmackhaft zu machen. Fakt aber ist: Wir haben europäische Kosten, aber nur tschechische Einnahmen. Die Eintrittskarte kostet zwischen 130 bis 170 Kronen, und das ist für so manchen Fan ziemlich viel. Zudem schauen die Leute wegen der Krise noch genauer hin, was sie täglich ausgeben. Es bleibt also sehr schwierig, noch mehr Zuschauer zu requirieren. Deshalb ist der tschechische Sport auch weiterhin von Sponsoren abhängig.“

Tut es der Liga gut, dass mit Kometa Brünn ein Traditionsverein nach Jahren ins Oberhaus zurückgekehrt ist? Und wie werten Sie den Fakt, dass die Meistermannschaft aus Karlsbad in dieser Saison eine neue Arena präsentieren kann?

„Beides tut der Liga sehr gut. Der Aufsteiger ist eine positive Erscheinung, denn die Brünner werden ihre Halle sicher oft ausverkauft haben. Der HC Kometa hat sehr viele enthusiastische Fans, die auch zu Auswärtsspielen ihres Teams mitreisen werden. Sie bringen also auch uns eine erhöhte Einnahme. Brünn ist die zweitgrößte Stadt in Tschechien. Von daher ist es absolut positiv, dass sie wieder dabei ist. Die neue Arena in Karlsbad wird ebenfalls mehr Zuschauer anlocken. Und sie kultiviert die Liga ein weiteres Stück.“

Was wünschen Sie sich als langjähriger Torwart und jetziger Manager von Sparta Prag ganz persönlich für die neue Saison?

„Als langjähriger Torwart wünsche ich mir ein paar gute Spiele im Dress der Altherren-Nationalmannschaft. Als Manager wünsche ich mir einfach das Geld, dass wir die komplette Saison finanzieren können.“

 

Zu den 14 Mannschaften, die in dieser Saison die Punktspiele in der O2-Extraliga bestreiten, gehört nach 13-jähriger Abstinenz auch wieder der HC Kometa Brünn. Der 1953 gegründete Traditionsverein hat zwischen 1955 und 1966 nicht weniger als elf Meistertitel gewonnen; sechs davon als RH Brünn und fünf als ZKL Brünn. Nach der Wende aber war es weit ruhiger geworden um den dreifachen Europapokal-Sieger (1966–68), der seitdem in Tschechien erst eine Saison im Oberhaus (1995/96) absolviert hat. Auch im Frühjahr dieses Jahres hatten die Brünner ihre Aufstiegschancen schon verspielt, bevor sie quasi zu einem Gewinner der Krise wurden. Wegen finanzieller Probleme boten die Znaimer Adler ihre Extraliga-Lizenz zum Verkauf an; der HC Kometa hat die Lizenz erworben und den Club aus Znojmo / Znaim zu seinem Farmteam gemacht. Im Zuge des Lizenzgeschäfts hat Brünn auch die besten Cracks der Adler in seinen Kader übernommen. Ein Grund mehr, weshalb Nationaltrainer Vladimír Růžička den Blau-Weißen aus der Messestadt einiges zutraut:

„Meiner Meinung nach wird Brünn eine gute Saison spielen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Zum einen sind sehr gute Spieler aus Znojmo zum HC Kometa gestoßen und zum zweiten kann Brünn auf die starke Unterstützung seiner Fans bauen. Das Publikum in Brünn sorgt für eine phantastische Atmosphäre, in der es auch für die Gastmannschaft ein Erlebnis ist, dort zu spielen.“

Als aussichtsreichste Anwärter auf den Meistertitel hebt Růžička, der ebenso den HC Slavia Prag trainiert, jedoch zwei andere Teams auf den Favoritenschild:

„Für mich ist Karlovy Vary / Karlsbad einer der ganz großen Favoriten, denn das Team des Meisters ist sehr gut und ausgeglichen besetzt. Zudem sehe ich den HC Vítkovice Steel ganz weit vorn. Die Ostrauer haben eine sehr starke Mannschaft, mit der sie gewiss weiter oben landen wollen als in der Vorsaison.“

Wie Petr Bříza rechnet auch Růžička damit, dass die Fans erneut eine attraktive und spannende Saison erleben werden:

„Die Liga ist unglaublich ausgeglichen, was für Spannung sorgt und die Fans in Atem hält. Schon die letzte Saison hat gezeigt, dass im Grunde genommen Jeder jeden schlagen kann. Ich denke, das wird auch diesmal nicht anders sein.“

 

Zu den rund 350 Akteuren, die in der O2-Extraliga die Schläger kreuzen werden, gehört mit Beginn der neuen Saison auch wieder der deutsch-tschechische Eishockeyspieler Petr Macholda. Der 27-jährige Verteidiger mit deutschem Pass, der im nordböhmischen Most / Brüx geboren wurde, ist nach drei Spielzeiten in der DEL, in denen er für Frankfurt und Wolfsburg spielte, nach Tschechien zurückgekehrt. Er will sein Können in den Dienst des HC Sparta Prag stellen und freut sich schon auf die typische Spielweise, die hierzulande gepflegt wird:

„Ich freue mich auf das tschechische Eishockey, in dem sehr viel mit der Scheibe gespielt wird. Man schießt den Puck nicht ständig nur tief ins gegnerische Drittel, sondern es wird technischer gespielt.“

In Tschechien hatte Petr Macholda bereits das Trikot der Teams aus Litvínov, Zlín und Karlsbad übergestreift. Im Dress des traditionsreichen HC Sparta zu spielen, ist für ihn aber noch etwas ganz Besonderes. Allein schon wegen der Prager Lokalderbys mit dem HC Slavia, die ihn erwarten:

„Das Derby ist ähnlich wie in Deutschland, wenn zum Beispiel Kassel gegen Frankfurt oder Hannover gegen Wolfsburg spielen. Diese Spiele waren fast immer ausverkauft und die Atmosphäre war heiß und energiegeladen. Ich hoffe, hier wird es das Gleiche sein.“

Davon wird sich Macholda schon am kommenden Dienstag überzeugen können, denn dann werden sich die beiden Prager Clubs zum ersten Saisonderby in der Riesenschüssel der O2 Arena gegenüberstehen.