Tschechien setzt in Glasgow und Berlin auf vier Sportarten

Die European Championships 2018 umfassen Europameisterschaften in sieben Sportarten. Sechs davon finden von 2. bis 12. August im schottischen Glasgow statt, die Leichtathletik-EM wird ab Montag in Berlin ausgetragen. Tschechien will dabei Medaillen im Rudern, Radsport, Schwimmen und der Leichtathletik holen. Groß gejubelt wurde am Sonntag auch in Brünn: Jakub Kornfeil wurde Dritter im Motorrad-WM-Lauf der Klasse Moto3.

Tschechischen Leichtathleten (Foto: ČTK/Kateřina Šulová)Tschechischen Leichtathleten (Foto: ČTK/Kateřina Šulová) Die European Championships sind eine neue Plattform für Sportarten, deren Europameisterschaften bislang auf ein unterschiedliches mediales Echo gestoßen sind. Daher haben sich in diesem Jahr sieben internationale Sportverbände zusammengetan, um ihre jeweilige EM in etwa zeitgleich und unter einem Namen zu veranstalten. In Glasgow werden die kontinentalen Titelkämpfe im Schwimmen (Disziplinen Schwimmsport, Synchronschwimmen, Wasserspringen, Freiwasserschwimmen), Radsport (Disziplinen Bahnradsport, Straßenradsport, Mountainbike, BMX), Rudern, Triathlon, Golf und Turnen ausgetragen. Zusätzlich findet in Berlin von 6. bis 12. August die Leichtathletik-Europameisterschaft statt. Bei den Wettbewerben starten rund 4.500 Sportler, weshalb man die Championships analog zu Olympia auch als „kleine Europäischen Spiele“ bezeichnen kann.

Aus tschechischer Sicht standen am ersten Wettkampf-Wochenende besonders die Schwimmkonkurrenzen im Fokus. Zwei Sportler sind in insgesamt drei Disziplinen jeweils in den Endlauf gelangt. Für eine Medaille hat es am Ende aber nicht gereicht. Die Finalteilnehmer waren Simona Baumrtová über 50 Meter Rücken sowie Jan Micka über 400 und 1500 Meter Freistil. Die 26-jährige Baumrtová kann bereits auf einige Medaillengewinne, insbesondere auf der Kurzbahn, verweisen. In Glasgow verspielte sie ihre Chance auf ein weiteres Edelmetall indes schon beim Start:

„Ich bin beim Start abgerutscht. Ich habe mich dadurch gar nicht richtig vom Beckenrand abgedrückt, sondern bin wie eine Kartoffel ins Wasser gefallen. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, eigentlich sollte mir so etwas auch nicht passieren. Mich hat jedoch nervös gemacht, dass die Schiedsrichter erst im letzten Augenblick erschienen sind. Daher hätte wohl auch ich wie meine Konkurrentinnen früher in die Starthocke gehen müssen. Ich war mir aber unsicher.“

Simona Baumrtová wurde am Ende Siebte über die kurze Rückenstrecke.

Simona Baumrtová (Foto: ČTK/PR/ČSPS/Martin Sidorják)Simona Baumrtová (Foto: ČTK/PR/ČSPS/Martin Sidorják) Bei den Männern ist Jan Micka seit gewisser Zeit der neue Hoffnungsträger im tschechischen Schwimmsport. Auf den langen Kraulstrecken hat sich der 23-jährige Prager bereits an die europäische Spitze herangekämpft. Und im 400-Meter-Finale in Glasgow sah es lange so aus, als ob er dies auch mit einem Platz auf dem Podium untermauern könnte:

„Kurz vor der letzten Wende verlor ich den Kontakt zum Schweden Johansson und damit zu Platz zwei. Leider bin ich am Ende nur Sechster geworden. Für mich als Langstreckenschwimmer ist das eine gute Platzierung auf dieser mittleren Distanz. Mich ärgert aber ein wenig die Zeit, denn ich habe den tschechischen Rekord nur um 14 Hundertstel verfehlt. Ich hätte mich aber über eine neue Bestzeit mehr gefreut als über die Platzierung.“

Einen neuen Landesrekord über 100 Meter Rücken stellte Tomás Franta am Sonntag im Vorlauf auf. Mit 54,65 Sekunden zog er ins Semifinale ein, das am Montag auf dem Programm steht.

 

Tomáš Dvořák: Tschechische Leichtathletik ist in guter Verfassung

Tomáš Dvořák (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Dvořák (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Das komplette Programm noch vor sich haben die Leichtathleten, denn ihre Europameisterschaft begann erst am Montag mit den Vorkämpfen. Cheftrainer der tschechischen Leichtathletik-Nationalmannschaft ist seit fast neun Jahren der frühere Zehnkampf-Weltrekordler und dreifache Weltmeister Tomáš Dvořák. Kurz vor der EM äußerte er sich im Fernsehen zu den Ambitionen des tschechischen Aufgebots bei den Titelkämpfen in Berlin:

„Jetzt, wenige Tage vor dem Beginn der Titelkämpfe, sehe ich der EM optimistisch entgegen. Ich bin überzeugt, dass wir die Formkurve der Athleten für den Saisonhöhepunkt gut aufgebaut haben. Dazu dienten unter anderem die nationalen Meisterschaften, die wir nur eine Woche vor der Europameisterschaft ausgetragen haben. Zuhause in Kladno waren viele Athleten gut in Form, und in Berlin wird es noch besser sein.“

In der deutschen Hauptstadt werden exakt 50 Teilnehmer aus der Tschechischen Republik an den Start gehen. Tomáš Dvořák:

„50 Athleten, das ist etwas weniger, als ich erwartet habe. Auf der anderen Seite ist es eine schöne runde Nummer. Die tschechische Leichtathletik ist in einer guten Verfassung, doch es kann stets noch besser sein. Auf jeden Fall sind wir finanziell gut aufgestellt, von daher können wir uns eine solch große Mannschaft auch leisten.“

Eine Domäne der tschechischen Leichtathletik ist seit Jahrzehnten das Speerwerfen. Die zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin Barbora Špotáková fehlt in dieser Saison, denn sie legt ein zweites Mal eine Babypause ein. Špotáková wird jedoch durch die 27-jährige Nikola Ogrodníková hervorragend ersetzt, bestätigt Dvořák:

Nikola Ogrodníková (Foto: ČTK/Michal Kamaryt)Nikola Ogrodníková (Foto: ČTK/Michal Kamaryt) „Nikola Ogrodníková hat bisher eine tolle Saison. Dreimal hat sie über 65 Meter geworfen. In ihren Leistungen ist sie stabil geworden, sie hat ihre Messlatte gefunden und orientiert sich daran. Ihre Arbeit mit Trainer Rudolf Černý trägt nun endlich Früchte.“

Bei den Männern hat Tschechien mit Vize-Weltmeister Jakub Vadlejch, dem WM-Dritten Petr Frydrych und Jaroslav Jílek gleich drei Eisen im Feuer. Die geschmiedeten Medaillen in dieser Disziplin wollen sich allerdings in erster Linie die favorisierten Gastgeber um Olympiasieger Thomas Röhler und Weltmeister Johannes Vetter aus der Glut holen. Doch auch im Kugelstoßen will ein Tscheche dem auf den Titel erpichten Deutschen David Storl Paroli bieten:

„Tomáš Staněk gehört unstrittig zu unseren Medaillenhoffnungen. Er hatte zwar mit leichten Verletzungsproblemen zu kämpfen, doch pünktlich zur Meisterschaft in Kladno hat er seine Saisonbestleistung erzielt. Die Qualifikation für den Kugelstoß-Wettbewerb in Berlin wird außerhalb des Stadions ausgetragen, doch damit hat Tomáš Erfahrung. Er wird damit zurechtkommen.“

Gewisse Chancen rechnet man sich in Tschechien auch im Lauf über die Stadionrunde aus, bei den Männern durch Pavel Maslák, und bei den Frauen durch die zweifache Weltmeisterin über 400 Meter Hürden, Zuzana Hejnová. Wichtigste Voraussetzung dafür aber sei, dass die 31-Jährige schmerzfrei und völlig fit ins Rennen gehen kann, betont Dvořák. Große Hoffnungen setze er zudem in den Mittelstreckler Jakub Holuša, ergänzt der Cheftrainer:

Jakub Holuša (Foto: Miaow Miaow, Free Domain)Jakub Holuša (Foto: Miaow Miaow, Free Domain) „Jakub ist zu einem echten Wettkämpfer gereift, und ich glaube fest daran, dass er den 1500-Meter-Lauf in Berlin zu seinem Rennen machen könnte. Er muss natürlich aufpassen, sollten die Konkurrenten wieder ihre Ellenbogen einsetzen. Ich denke aber, da hat er dazugelernt.“

Und zu guter Letzt ist die EM in Deutschland auch eine Art Qualifikation für einen weiteren Leichtathletik-Höhepunkt des Jahres, schließt Dvořák:

„In Berlin geht es aber nicht nur um Medaillen, sondern auch um die Chance, Mitglied des europäischen Teams für den Leichtathletik-Continentalcup 2018 im September in Ostrau zu werden. Und ich hoffe, dass sich dabei so viele tschechische Athleten wie möglich vor ihrem Heimpublikum präsentieren werden.“

Der Continentalcup ist ein zweitägiger Wettbewerb, bei dem vier Teams von insgesamt fünf Kontinenten gegeneinander antreten. Diese Mannschaften kommen aus Europa, Afrika und Amerika, das vierte Team wird gemeinsam mit Athleten aus Asien und Ozeanien zusammengestellt. In jeder Disziplin gibt es immer zwei Frauen und zwei Männer für jedes Team.

 

Jakub Kornfeil: Der dritte Platz in Brünn bedeutet mir sehr viel

Arón Canet, Fabio Di Giannantonio, Jakub Kornfeil (Foto: ČTK/Václav Šálek)Arón Canet, Fabio Di Giannantonio, Jakub Kornfeil (Foto: ČTK/Václav Šálek) Der tschechische Motorradrennsport hat wieder einen Piloten der europäischen Spitzenklasse. Die Rede ist von Jakub Kornfeil, der am vergangenen Wochenende die einheimischen Fans beim Großen Preis der Tschechischen Republik in Brno / Brünn förmlich verzückte. Am Samstag war der 25-Jährige der Schnellste im Zeittraining der Rennklasse Moto3, womit sich Kornfeil seine erste Pole Position überhaupt erkämpfte. Beim WM-Rennen am Sonntag fuhr er dann als Dritter über die Ziellinie. Deswegen konnte er das vierte Mal in seiner Karriere an einer Siegerehrung teilnehmen.

Der dritte Rang in Brünn war Kornfeils vierte Podiumsplatzierung in seiner WM-Karriere. In Großbritannien ist der gebürtige Mähre einmal auch schon Zweiter geworden, doch seinen jüngsten Erfolg stellt der Tscheche über alles:

„Ich denke, der dritte Platz vor heimischem Publikum ist viel höher einzustufen als irgendein Sieg bei der übrigen WM-Tour. Denn all das, was sich an diesem Wochenende rund um meine Person hier abgespielt hat, das ist einfach unglaublich. Umso schöner ist es, dass ich aufs Podium gefahren bin. Darüber freuen sich meine Familie und all meine Freunde, die bei den Trainings und beim Rennen vor Ort waren. Ich bin sehr froh darüber, ihnen am gesamten Wochenende gezeigt zu haben, dass ich es drauf habe.“

Und nach diesem Erfolg denkt Kornfeil mittlerweile schon etwas ernsthafter über einen Wechsel in die nächsthöhere Kategorie, die Rennklasse Moto2, ab der kommenden Saison nach.