NHL in Prag: Drittes Gastspiel überzeugt Protagonisten und Besucher

07-10-2019

Die nordamerikanische National Hockey League (NHL) gilt als die beste Eishockey-Spielklasse der Welt. Ihre Popularität reicht bis weit über den Ozean hinaus, auch in Tschechien stößt sie auf große Resonanz. Das wurde erst vergangene Woche wieder deutlich, als die NHL mit den Teams aus Philadelphia und Chicago in Prag gastierte.

Foto: ČTK / Ondřej DemlFoto: ČTK / Ondřej Deml

Jakub Voráček (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Jakub Voráček (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Die National Hockey League gastierte zum dritten Mal in Prag. Im Jahr 2008 debütierte sie mit zwei Spielen der New York Rangers gegen Tampa Bay. Doch so rechte Stimmung wollte damals nicht aufkommen, weil der tschechische Superstar Jaromír Jágr nicht mehr im Dress der Rangers spielte. Er war vor der Saison ins russische Omsk gewechselt. Und zwei Jahre später, als Boston und Phoenix an der Moldau die Schläger kreuzten, blieb die ganz große Begeisterung ebenfalls aus. Die tschechischen Spieler David Krejčí (Bruins) und Radim Vrbata (Coyotes) konzentrierten sich auf ihre zwei Duelle. In der Werbe- und Marketingkonzeption des NHL-Gastspiels aber spielten sie keine Rolle.

Das war diesmal völlig anders. Im Team der Philadelphia Flyers stand mit Jakub Voráček nicht nur der Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft, sondern auch ein Spieler mit Charisma und Ausstrahlung. Daher tat sich der 30-Jährige nicht nur auf dem Eis, sondern auch bei der Unterbringung und Betreuung seiner Teamkollegen in Prag hervor. Bill Daly, der Vizechef der NHL, lobte den Tschechen schon vor der Partie am Freitag:

Bill Daly (Foto: YouTube)Bill Daly (Foto: YouTube) „Jake ist der spezielle Botschafter für dieses Spiel in Prag. Wir danken ihm dafür, wie er sich hinter die ganze Aktion gestellt hat.“

Und Voráček, der in der nordamerikanischen Eishockeyszene von allen nur liebevoll „Jake“ genannt wird, hatte sich wirklich etwas einfallen lassen. Am Dienstag lud er seine Mitspieler zum Bier in ein schmuckes Lokal ein, für den Mittwochabend hatte er Tickets für das Fußballspiel zwischen Slavia Prag und Borussia Dortmund in der Champions League organisiert – und das sogar für beide Eishockeyteams! Bei den öffentlichen Trainings der zwei Mannschaften am Donnerstag war er schließlich der Publikumsmagnet. Die einstündigen Übungseinheiten wurden von jeweils 8000 Menschen besucht. Voráček begrüßte die Zuschauer in einem Videoclip, im Gegenzug dafür skandierte die große Zahl an jungen Eishockey-Talenten seinen Namen. Nach dem Training resümierte er:

Philadelphia Flyers - Chicago Blackhawks (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Philadelphia Flyers - Chicago Blackhawks (Foto: ČTK / Ondřej Deml) „Ich denke, diese Begeisterung gefällt den Machern der NHL. Und wenn wir zusammen mit Chicago noch ein gutes Spiel abliefern, wird das eine echte Attraktion für die Zuschauer. Prag und die Tschechische Republik als solche haben sich das aber auch verdient, denn die hiesigen Fans saugen den Eishockeysport förmlich auf.“

Beim NHL-Punktspiel am Freitag stand Jakub Vorácek erst recht im Blickpunkt. Als bei der Vorstellung der Spieler sein Name verkündet wurde, brandete der Jubel am lautesten auf. Und auch während der Begegnung war die Stimmung in der mit knapp 17.500 Zuschauern restlos ausverkauften O2-Arena großartig. Rein optisch sah es auf den Rängen so aus, als wenn die Chicago-Fans in der Überzahl seien. Dafür war in der Halle wesentlich öfter der Sprechchor „Let´s go Flyers!“ zu hören. Das lag wohl auch daran, dass die Spieler in den orangen Trikots über weite Strecken das wesentlich aktivere Team waren. Jakub Voráček aber war generell begeistert:

Jakub Voráček (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Jakub Voráček (Foto: ČTK / Ondřej Deml) „Von der guten Stimmung auf den Rängen war ich sehr angetan. Ich denke, dazu haben auch beide Mannschaften beigetragen, indem sie viele Chancen kreiert haben. Meiner Meinung nach ging es in der Arena lautstärker zu als bei einem Punktspiel in Amerika. Das ist sehr positiv.“

Voráček war zudem sehr erfreut darüber, dass seine Mannschaft die Partie am Ende mit 4:3 gewann. Doch nicht nur der Sieg allein ließ ihn jubeln, sondern auch die Aussagen seiner Mitspieler. Diese erklärten nämlich im Anschluss unisono: „Wir wollten vor allem für ihn gewinnen!“ Voráček sagte dazu:

„Mich freut diese Reaktion der Mannschaft. Meine Mitspieler wissen, wie ich über Tschechien, über Prag und die Kultur in unserem Land rede. Viele Teamkollegen sind das erste Mal hier und haben festgestellt, wie toll es hier ist. Mich freut es aber auch deswegen, weil dies wohl mein erstes und zugleich letztes NHL-Spiel hier in Prag war. Ich habe es mit allen Sinnen genossen. Und das Team hat ausgezeichnet gespielt, das macht mich froh.“

Philadelphia Flyers - Chicago Blackhawks (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Philadelphia Flyers - Chicago Blackhawks (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Jakub Voráček steht seit acht Jahren im Dienst der Flyers. In dieser Zeit konnte er mit seinem Team noch keinen Pokal gewinnen. Viermal verpasste „Philly“ die Playoffs, und dreimal schied die Mannschaft schon in der ersten Runde aus. Lediglich in der Saison 2011/12 kamen die Flyers in die zweite Runde, scheiterten dort aber an New Jersey mit 1:4. Mit dem Saisonauftakt in Prag wollen Voráček & Co. nun einen neuen Anlauf in Richtung Stanley Cup nehmen. Dazu könnte das Teambuilding in der tschechischen Hauptstadt ein guter Anfang gewesen sein, glaubt der rotbärtige Tscheche:

„Wir sind am Dienstag in Prag auf ein Bier gegangen, und ich denke, den Besuch im Lokal hat jeder genossen. Solch eine Aktion ist bisweilen schon wichtig, ich bin jedenfalls ein Befürworter davon. Heute hat es sich dann auch gezeigt: Wir haben wie ein echtes Team gespielt, uns zusammengerauft und alles dafür getan, dass wir die zwei Punkte hier mitnehmen.“

Dominik Kubalík (Foto: ČTK / Ondřej Deml)Dominik Kubalík (Foto: ČTK / Ondřej Deml) Neben Voráček waren noch zwei weitere Tschechen beim NHL-Saisonauftakt in Prag mit von der Partie: David Kämpf und Dominik Kubalík. Die beiden Angreifer der Chicago Blackhawks verfügen aber noch nicht über so viel Spielpraxis wie ihr erfahrener Landsmann. Kämpf ist in seine dritte NHL-Saison gestartet, und für Kubalík war das Prager Match sogar das Debüt in der nordamerikanischen Profiliga. Nach seinen Eindrücken befragt, antwortete der 24-Jährige:

„Meine Leistung will ich ungern bewerten, denn es war mein erstes Spiel in der NHL überhaupt. Ich weiß, dass ich es noch besser kann und weiter an mir arbeiten muss. Jetzt, so kurz nach dem Spiel, habe ich jedoch gemischte Gefühle. Zum einen habe ich mein Debüt genossen in der tollen Atmosphäre hier in Prag, zumal unter den Besuchern dieses Spiels auch meine ganze Familie und viele Freunde waren. Zum anderen bin ich enttäuscht, dass wir verloren haben.“

Petr Nedvěd (Foto: Jan Čadek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Nedvěd (Foto: Jan Čadek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Vorstellung der drei Tschechen wurde aufmerksam verfolgt vom Generalmanager der tschechischen Nationalmannschaft, dem langjährigen NHL-Spieler Petr Nedvěd. Er bescheinigte dem Trio eine gute Leistung und war auch mit der Begegnung selbst zufrieden:

„Beide Teams haben hervorragend gespielt und den Zuschauern einen großen Kampf geboten. Für die Fans wäre es sicher noch etwas reizvoller gewesen, wenn es zu einer Verlängerung und einem abschließenden Penaltyschießen gekommen wäre. Das wäre dann wirklich das Sahnehäubchen auf der Torte gewesen. So aber sind die Flyers natürlich froh, dass sie in der normalen Spielzeit gewonnen haben.“

Das dritte Gastspiel der NHL in Prag war also eine rundum gelungene Veranstaltung. Und dazu passt, was der NHL Deputy Commissioner Bill Daly schon vor dem Spiel sagte: „Wir kehren sehr bald wieder nach Tschechien zurück.“

07-10-2019