Faltejsek auf Váňas Spuren: Fünfter Sieg bei Steeplechase von Pardubice

Der zweite Sonntag im Oktober ist in Tschechien für eine bedeutende Veranstaltung des Pferdesports reserviert: die Große Steeplechase von Pardubice. Das Traditionsrennen wurde zum 128. Male ausgetragen. Wer gewonnen hat, das sagen wir Ihnen im nun folgenden Sportreport. Zudem berichten wir über ein ambitioniertes Bauvorhaben für den tschechischen Turnsport.

Jan Faltejsek (Foto: ČTK / David Taneček)Jan Faltejsek (Foto: ČTK / David Taneček) Wie immer wurde es auf den Tribünen laut und lauter, als die Pferde der Steeplechase auf die Zielgerade einbogen. Am Sonntag waren es noch sechs Starter, die Siegchancen hatten, als der Reporter des Tschechischen Rundfunks den Zieleinlauf kommentierte. Das Rennen wurde von Jockey Jan Faltejsek gewonnen, er ritt den siebenjährigen Wallach Tzigane Du Berlais. Im Ziel lobte der Sieger die Sprintqualitäten seines Pferdes:

„Die Beschleunigung, die es auf den letzten 200 Metern gezeigt hat, das ist wirklich einmalig.“

Am Ende hatte Faltejsek auf Tzigane Du Berlais dann sogar drei Längen Vorsprung auf den zweitplatzierten Marek Stromský und dessen Pferd Hegnus. Dabei zähle der Wallach eher zu den mit Zurückhaltung und Eleganz springenden Pferden, meint Faltejsek:

Foto: ČTK / David TanečekFoto: ČTK / David Taneček „Er nähert sich jedem Hindernis lieber etwas näher an und galoppiert dazu auch etwas langsamer. Dadurch fällt man an den Hürden auch immer zurück und verliert so zwei bis drei Längen. Doch danach rast er wieder los, wenn man ihm die Sporen gibt. Und so sind wir bis zum Finish an den Führenden drangeblieben.“

Wie der Name bereits andeutet, hat Tzigane Du Berlais einen französischen Stammbaum. Er habe das Glück, immer auf guten Pferden zu reiten, wenn es auf dem knapp sieben Kilometer langen Parcours in Pardubice zur Sache geht, sagt Faltejsek bescheiden. Dabei kann er sich bereits als einer der Großen bei dieser Steeplechase feiern lassen. Nach den Jahren 2012 bis 2014, als er auf Orphée des Blins dreimal in Folge gewann, und dem Siegesritt 2016 auf Charme Look triumphierte Faltejsek nämlich nun schon zum fünften Male bei dem härtesten Distanzhindernisrennen auf dem europäischen Kontinent. Damit nähert sich der 35-Jährige immer mehr der Bestmarke von Josef Váňa, der die Steeplechase von Pardubice insgesamt acht Mal gewonnen hat. Mit der Legende des tschechischen Reitsports aber will sich Faltejsek noch nicht vergleichen lassen:

Jan Faltejsek (Foto: ČTK / David Taneček)Jan Faltejsek (Foto: ČTK / David Taneček) „Ich behaupte nach wie vor, dass diese acht Siege eine unerreichbare Marke sind.“

Und der 65-jährige Váňa ist es auch, der den Sieg des Konkurrenten gern verhindert hätte. Denn als Trainer eines anderen Rennstalls schickte Váňa gleich drei Pferde in das Rennen, darunter den Sieger des vergangenen Jahres, den Hengst No Time To Lose. Dieser wurde diesmal allerdings nicht von Jan Kratochvíl, sondern von Josef Váňa Junior geritten. Der Trainersohn konnte aber nicht an die Erfolge seines Vaters anknüpfen, sondern wurde nur Fünfter. Josef Váňa Senior zog daher folgendes Fazit:

„Es wäre schön gewesen, wenn wir die Plätze eins, zwei und drei belegt hätten, doch am Ende sind wir auf den Rängen vier, fünf und sechs gelandet. Für die Zukunft gilt es zu überlegen, ob es Sinn hat, die Qualifikation zur Steeplechase mit mehreren Längen Vorsprung zu gewinnen und dazu die eigenen Pferde noch gegeneinander anzupeitschen. Vielleicht sollten wir es lieber so locker angehen wie die Konkurrenz und erst dann gewinnen, wenn es um den Großen Preis geht.“

Foto: ČTK / David TanečekFoto: ČTK / David Taneček
 

Neues Turnsportzentrum soll bis 2022 in Prag entstehen

Věra Čáslavská (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY-SA 4.0)Věra Čáslavská (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY-SA 4.0) Sie ist eine Ikone des tschechischen Sports, die Kunstturnerin Věra Čáslavská. Zu Lebzeiten war sie auch eine unerschrockene Kämpferin für den politischen Wandel während der Reformbewegung des Prager Frühlings von 1968. Wegen ihrer Überzeugung wurde die siebenfache Olympiasiegerin jedoch im Kommunismus, in der Zeit der sogenannten Normalisierung, kaltgestellt und erniedrigt. Das hat dazu geführt, dass sie über 20 Jahre lang in Vergessenheit geriet anstatt den Respekt zu bekommen, der ihr gebührt. Věra Čáslavská ist Ende August 2016 im Alter von 74 Jahren an einem tückischen Krebsleiden gestorben.

Für den tschechischen Turnsportverband war dieser traurige Anlass ein Grund mehr, das Andenken an seine erfolgreichste Vertreterin auf ewig hochzuhalten. Ein Mosaikstein dafür ist die Benennung eines neuen nationalen Trainingszentrums mit ihrem Namen. Diese Anlage soll bis zum Jahr 2022 erbaut werden, und zwar als Teil des Sportparks Olymp im Prager Stadtteil Bubenec unweit der Moldau.

Visualisierung des nationalen Trainingszentrums (Quelle: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums)Visualisierung des nationalen Trainingszentrums (Quelle: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums) Dies sei zwingend erforderlich, sagt der Vorsitzende des Turnverbands, Roman Slavík. Denn das Fehlen einer solchen Sportstätte sei auch einer der Gründe dafür, dass das tschechische Kunstturnen schon eine gewisse Zeit nicht mehr so erfolgreich sei, wie in der Vergangenheit. Moderne Trainingshallen seien wirklich rar gesät, betont der Sportfunktionär:

„In der Tschechischen Republik trainieren die Turnerinnen und Turner gegenwärtig vor allem in alten Hallen des Turnerbundes Sokol. Das sind Sportstätten, die aus den 1960er Jahren stammen, als Věra Čáslavská auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war. Natürlich sind einige dieser Hallen mittlerweile modernisiert worden.“

Die neue Halle soll außerdem für Aerobic und zum Trampolinspringen genutzt werden. Doch dies allein wäre nicht effizient, erklärt Slavík:

Jiří Beran, Adriana Krnáčová, Milan Hnilička und Roman Slavík (Foto: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums)Jiří Beran, Adriana Krnáčová, Milan Hnilička und Roman Slavík (Foto: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums) „Die Turnhalle wird auch anderen Sportarten zunutze kommen. Wir rechnen damit, dass hier neben den Turnern auch die Leichtathleten, Wasserspringer, Judoka und Ringer sowie Spieler von Teamsportarten trainieren werden.“

Über eine neue Halle hat der Turnsportverband erstmals vor zwei Jahren nachgedacht, damals wollte er sich für die Ausrichtung der Europameisterschaft im Jahr 2022 bewerben. Für die Veranstaltung der EM erhielt er zwar nicht die notwendige Unterstützung von Seiten der Regierung. Den Bau der Halle aber hat das Kabinett bewilligt, und das freut auch den Regierungsbeauftragten für Sport, den ehemaligen Eishockeytorwart Milan Hnilička:

„Der Turnsport ist die Basis für alle Sportarten, also auch für Fußball und Eishockey. Die Einrichtungen, die es dafür in Prag gibt, reichen aber längst nicht aus. Deshalb gehört es zu den Prioritäten der Regierung, dass solch ein Turnsportzentrum gebaut wird.“

Visualisierung des nationalen Trainingszentrums (Quelle: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums)Visualisierung des nationalen Trainingszentrums (Quelle: Archiv des Sportparks Olymp des tschechischen Innenministerums) Die Kosten für den Bau werden mit zirka 400 Millionen Kronen (15,5 Millionen Euro) beziffert. Sie werden komplett vom Staat getragen, denn der Sportpark Olymp ist eine Einrichtung des Innenministeriums. Der Direktor der Sportparks ist Jiří Beran. Um den Bau auch umsetzen zu können, müsse zuerst der Flächennutzungsplan geändert werden, weil das Trainingszentrum in einem Überflutungsgebiet der Moldau liege, erläutert Beran:

„Die Halle selbst wird im zweiten Stock liegen, damit ein eventuelles Hochwasser sie nicht erreicht. Der Bau der Halle ist eine Mammutaufgabe. Aber wir werden alles dafür tun, dass sie im Jahr 2022 fertiggestellt sein wird.“

Mit dem Bau des Trainingszentrums soll im Frühjahr 2020 begonnen werden. Als ein Teil dieser Halle soll dabei auch eine Ruhmeshalle des Turnsports entstehen. Dort wird dann an die Erfolge der tschechischen wie auch tschechoslowakischen Turnerinnen und Turner erinnert.