Erste Softball-WM in Europa findet derzeit in Tschechien statt

17-06-2019

Softball steht eindeutig im Schatten von Baseball und ist daher auch in Tschechien nicht allzu populär. Bis zum Ende dieser Woche findet hierzulande indes die Weltmeisterschaft im Softball der Männer statt, und das bringt die sonstige Randsportart zwangsläufig mehr ins Gespräch.

Foto: ČTK / Luboš PavlíčekFoto: ČTK / Luboš Pavlíček

Foto: ČTK / Luboš PavlíčekFoto: ČTK / Luboš Pavlíček Softball ist eine Variante von Baseball und eine der beliebtesten Breitensportarten in den USA. In Europa ist dieser Sport weniger bekannt, zumal er – im Gegensatz zum traditionell männerdominierten Baseball – überwiegend von Frauen gespielt wird. Doch nun könnte sich das ändern, denn in diesen Tagen (13. bis 23. Juni) wird erstmals auf dem alten Kontinent die Weltmeisterschaft der Softballer ausgetragen. Dieses Ereignis findet in Tschechien statt. Das freut unter anderem den Konditionstrainer der tschechischen Mannschaft, Ivan Klein:

„Es ist vor allem eine Werbung für den Softball, über den sonst wenig bekannt ist. Wir glauben daher fest daran, dass die WM unseren Sport mehr in den Blickpunkt bringt.“

Jaroslav Breník, einer der Werfer im tschechischen Team, zeigte sich kurz vor WM-Beginn ebenso voller Vorfreude:

„Für uns ist es das bisher größte Ereignis und zugleich die größte Herausforderung in der Softball-Geschichte.“

Ivan Klein: „Die WM ist vor allem eine Werbung für den Softball, über den sonst wenig bekannt ist. Wir glauben daher fest daran, dass die WM unseren Sport mehr in den Blickpunkt bringt.“

Dem kann man nur zustimmen, denn in Europa sind die Tschechen eine Klasse für sich: Sie haben schon zehn Mal die kontinentale Meisterschaft gewonnen. Weltweit aber geben im Softball der Männer Länder von anderen Kontinenten den Ton an, wie beispielsweise Australien und Neuseeland, Argentinien und Venezuela oder Japan und Kanada. Deshalb glaubt Jaroslav Breník auch nicht, dass sein Team um den Titel mitkämpfen kann:

„Bei der Weltmeisterschaft haben wir nicht so gute Chancen wie bei einer Europameisterschaft. Nichtsdestotrotz war unser bisher größter Erfolg bei einer WM der sechste Platz. Den würden wir gern verbessern, indem wir am Ende Vierter oder Fünfter werden.“

Jaroslav Breník (Foto: ČTK / Michaela Říhová)Jaroslav Breník (Foto: ČTK / Michaela Říhová) Den sechsten Platz belegte die tschechische Mannschaft bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2000. Zuletzt aber lief es aber nicht ganz so rund. Bei der WM 2017 wurden die Tschechen lediglich Neunte. Zwei Jahre davor, bei den Titelkämpfen in Kanada, erreichten sie die Playoffs, wurden am Ende aber nur Achter. Das aber ist für Konditionstrainer Klein noch längst kein Grund, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen:

„Wir werden sehen, der Ball ist rund, und es kann alles passieren. Für den Anwurf hat man nur zwei, drei Sekunden Zeit. Da kann der Gegner immer einen Fehler machen, den wir ausnutzen können. Oder es läuft umgekehrt. Es kommt also auf jede Kleinigkeit an bei der WM.“

Um diese Kleinigkeiten möglichst für sich zu entscheiden, dafür hat sich die tschechische Mannschaft vor dem Turnier entsprechend vorbereitet. Jaroslav Breník:

Jaroslav Breník: „Die WM-Vorbereitung war so hart wie niemals zuvor. Einige Spieler haben deswegen sogar ihre Arbeit gekündigt, die anderen mussten Urlaub nehmen, um das anstrengende Programm bewältigen zu können.“

„Die WM-Vorbereitung war so hart wie niemals zuvor. Einige Spieler haben deswegen sogar ihre Arbeit gekündigt, die anderen mussten Urlaub nehmen, um das anstrengende Programm bewältigen zu können.“

Die tschechischen Softball-Spieler sind durch die Bank weg alles Amateure, sie gehen neben ihrem sportlichen Engagement auch einer geregelten Arbeit nach. Doch leider habe nicht jeder Arbeitgeber Verständnis dafür gezeigt, dass die Nationalspieler neben den elf WM-Spieltagen noch ein mehrtägiges Camp absolvieren müssen, bestätigt Cheftrainer Tomáš Kusý. Daher hätten einige Mitglieder des Teams tatsächlich gekündigt, nur um bei diesem Highlight dabei zu sein, ergänzt Kusý. Zudem wurde in der Vorbereitung einiges Neues ausprobiert, um die Jungs für die große Herausforderung zu wappnen. Konditionstrainer Klein:

Foto: ČTK / Michaela ŘíhováFoto: ČTK / Michaela Říhová „Das war die Idee unseres Cheftrainers Tomáš Kusý. Er hat sechs ausländische Werfer engagiert, die zusammen mit unseren Spielern trainiert haben. Diese Akteure haben gezeigt, wie man schneller und präziser anwirft, und unsere Werfer haben immer mehr versucht, ihnen nachzueifern. Deshalb hoffen wir, uns dem Softball der Weltbesten weiter angenähert zu haben.“

An der Weltmeisterschaft nehmen 16 Länder teil, sie spielen in der Vorrunde in zwei Gruppen mit je acht Mannschaften. Die Begegnungen werden an zwei Spielorten ausgetragen – zum einen in Prag, im Stadion im Svoboda Park, und zum anderen in der Hippos Arena in Havlíčkův Brod / Deutschbrod. Den Heimvorteil wolle man nutzen, sagte Werfer Breník noch vor dem ersten Anpfiff:

Michal Holobrádek (Foto: ČTK / Luboš Pavlíček)Michal Holobrádek (Foto: ČTK / Luboš Pavlíček) „Für mich sind unsere Zuschauer wie ein weiterer Feldspieler. Sie werden unsere Mannschaft anfeuern und zu neuen Höchstleistungen treiben. Das wird folglich für uns ein Vorteil sein.“

Wie wichtig die Unterstützung durch die Zuschauer ist, das wurde schon nach dem Bekanntwerden der Gruppeneinteilung deutlich. Denn mit Titelverteidiger Neuseeland, Japan und Argentinien hat Tschechien in die Gruppe A drei schwere Brocken zugelost bekommen, gegen die man nur Außenseiter ist. Und da aus jeder Gruppe nur die besten vier Teams in die Playoffs kommen, müssen sich die Gastgeber wohl vor allem an den anderen vier Kontrahenten schadlos halten. Das sind Mexiko, Botswana, die Philippinen und WM-Neuling Kuba.

Mittlerweile sind drei Spieltag absolvierte, und die tschechische Mannschaft liegt mit einem Sieg und zwei Niederlagen bislang auf dem fünften Platz. Zum Auftakt musste sie gleich gegen Titelverteidiger Neuseeland antreten. Sie verlor die Partie mit 0:9, doch für Werfer Michal Holobrádek ist die Niederlage eindeutig zu hoch ausgefallen:

Michal Holobrádek: „Ich denke, dass der Auftakt unsere Erwartungen erfüllt hat. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und gezeigt, was in uns steckt. Doch es ärgert mich etwas, dass der Endstand den Spielverlauf nicht richtig wiedergibt.“

„Ich denke, dass der Auftakt unsere Erwartungen erfüllt hat. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und gezeigt, was in uns steckt. Doch es ärgert mich etwas, dass der Endstand den Spielverlauf nicht richtig wiedergibt. Wir waren eigentlich das ganze Match über ebenbürtig, und es wurde ja auch nicht wegen klarer Überlegenheit des Gegners eher beendet. Ich selbst habe das Spiel sehr genossen. Die Kulisse war großartig, in dieser Atmosphäre war ich gut drauf bei den Anwürfen.“

Am Samstag war die Stimmung unter den Zuschauern in Prag sogar noch besser, denn da gewann die Heimmannschaft das Duell mit Mexiko. Nach spannendem Spielverlauf hieß das Ergebnis: 3:2 nach Verlängerung im achten Wechsel.

Der entscheidende Treffer gelang Außenfeldspieler Marek Malý. Mann des Spiels war für ihn jedoch ein anderer Teamkollege:

David Mertl (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)David Mertl (Foto: ČTK / Kateřina Šulová) „Wir hatten während des gesamten Spiels ein gutes Gefühl, auch wenn wir zunächst mit 0:2 zurücklagen. Die Zuschauer haben uns unentwegt angefeuert und förmlich zum Sieg getrieben. Mich ärgert nur, dass wir gegen den Werfer der Mexikaner nicht schon früher ein Rezept gefunden haben. Aber dann haben wir uns gefangen, auch weil wir mit Michal Holobrádek einen hervorragenden Werfer hatten. Ich denke, dass wir unseren Sieg vor allem ihm zu verdanken haben.“

Einen Tag später spielte die tschechische Mannschaft erstmals in Havlíčkův Brod. Der Gegner waren die Japaner, und der Spielverlauf war diesmal genau umgekehrt: Die Männer um Fänger und Kapitän David Mertl führten schon 3:0, ehe die Asiaten ihren Werfer wechselten und die Begegnung noch mit 4:3 für sich entschieden. Damit ist den Gastgebern die erhoffte Überraschung nicht gelungen, und sie stehen nun auch schon etwas unter Zugzwang. Denn von den verbleibenden vier Partien müssen sie zumindest drei gewinnen, um sich berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die Playoffs machen zu können.

17-06-2019