Eishockey: Krupp sieht Trainerjob bei Sparta Prag als Herausforderung

Für die Mannschaften der ersten tschechischen Eishockey-Liga hat die finale Saisonvorbereitung begonnen. Beim Traditionsverein HC Sparta Prag steht dazu erstmals ein deutscher Trainer auf der Kommandobrücke: Stanley-Cup-Sieger Uwe Krupp. Radio Prag war beim Trainingsauftakt der Prager vor Ort.

Uwe Krupp (rechts). Foto: Vít Chalupa, ČT4Uwe Krupp (rechts). Foto: Vít Chalupa, ČT4 Der Zwei-Meter-Hüne Uwe Krupp hat in seiner Karriere als Eishockeyspieler und -trainer schon einiges auf die Beine gebracht. Als Verteidiger der Colorado Avalanche hat er 1996 den begehrten Stanley Cup gewonnen – als erster Deutscher überhaupt! In der dritten Verlängerung des vierten Finalspiels gegen die Florida Panthers erzielte er zudem den umjubelten 1:0-Siegtreffer, der den Triumph perfekt machte. 2002 gewann der gebürtige Kölner erneut den Stanley Cup, allerdings ist sein Name nicht auf dem Pokal eingraviert, da er in jener Saison nur sechs Playoff-Begegnungen bestritt und in den Finalspielen gegen die Carolina Hurricanes nicht auflief. Mit insgesamt 810 NHL-Spielen (310 Scorerpunkte) war er über lange Zeit der Deutsche mit den meisten Einsätzen in der nordamerikanischen National Hockey League. In der Saison 2009/10 wurde er durch Marco Sturm in dieser Kategorie abgelöst.

Sparta Prag (Foto: Shev123, CC0 1.0)Sparta Prag (Foto: Shev123, CC0 1.0) Seine Trainerkarriere begann Krupp in der Saison 2002/03 in Atlanta. Doch schon bald kam er zurück nach Deutschland, und am 15. Dezember 2005 wurde er als neuer Bundestrainer vorgestellt. Seinen größten Erfolg als Nationalcoach feierte Krupp im Mai 2010 mit Platz vier bei der Heim-WM in Köln. Das war seit dem Gewinn von Olympiabronze 1976 und dem WM-Silber von 1953 endlich wieder ein großer Erfolg für das deutsche Eishockey.

Und nun schickt sich der Vater von vier Kindern an, einen weiteren Meilenstein zu setzen. Denn seit seiner Unterschrift unter einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Sparta Prag am 2. Mai dieses Jahres ist er der erste Ausländer unter Vernachlässigung der Slowaken, der ein tschechisches Eishockeyteam trainiert. Am vergangenen Montag hat Krupp die tägliche Trainingsarbeit mit seinen neuen Schützlingen aufgenommen. Danach hat er sich auch den Fragen von Radio Prag gestellt.

Prag (Foto: CzechTourism)Prag (Foto: CzechTourism) Herr Krupp, Sie sind erst eine relativ kurze Zeit hier in Prag. Konnten Sie sich trotzdem schon mit der Stadt anfreunden, oder ist alles noch sehr neu für Sie?

„Also der erste Eindruck ist super, und ich kann sagen, das Erleben der Stadt wird von Tag zu Tag besser. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, ich kann mich nicht beklagen.“

Jetzt sind Sie aber nicht nur der schönen Stadt wegen hierher an die Moldau gekommen, sondern als neuer Cheftrainer des Eishockeyteams von Sparta Prag. Die Entscheidung, die erste Mannschaft dieses großen Traditionsvereins zu trainieren, fiel allerdings sehr kurzfristig. Können Sie bitte noch einmal schildern, wie es Ende April / Anfang Mai zu ihrem Wechsel von Eisbären Berlin zu den Pragern kam?

„Die Entscheidung ist relativ schnell gefallen nach der vorigen Saison. Sparta hat sich indes schon weitaus früher bei mir gemeldet, denn die Tschechen wussten, dass mein Vertrag in Berlin ausläuft. Da ich mit den Eisbären aber ziemlich erfolgreich in den Playoffs unterwegs war, haben sich die abschließenden Verhandlungen mit den Pragern etwas verzögert. Die Verantwortlichen von Sparta haben sich sehr um mich bemüht und wollten mir die Chance geben, die erste Mannschaft zu trainieren. Das war ein Angebot, zu dem ich nicht Nein sagen konnte.“

Was genau hat denn für Sie den Ausschlag gegeben, das Angebot auch anzunehmen?

„Wie bereits gesagt, Sparta zeigte ein riesiges Interesse daran, dass ich nach Prag komme. Als Trainer braucht man stets ein Umfeld, wo man mit dir arbeiten will und in dem man an dich glaubt. Und ich hatte das Gefühl, dass dies hier bei Sparta der Fall ist.“

Nun ist Sparta Prag ein großer Traditionsverein nicht nur in Tschechien, sondern auch in Europa, der zuletzt ein wenig von seinem Erfolgsweg abgekommen ist. Wie wollen Sie den Club wieder auf Kurs bringen?

„Zunächst kann ich sagen, die Jungs haben sich gut präsentiert beim Konditionstraining vor der kurzen Sommerpause. Jetzt haben wir das Trainingslager auf dem Eis begonnen, für das wir siebeneinhalb bis fast acht Wochen Zeit haben, bevor die Punktspielsaison losgeht. Wir werden die Zeit nutzen, um mit der Mannschaft eine Identität zu finden und ein Spielsystem einzustudieren. Dabei wollen wir uns auf die Stärken der Spieler berufen und einfach ein gutes Eishockey spielen. Doch eins nach dem anderen. Heute war der erste Trainingstag, ich denke, in zwei Wochen weiß man mehr. Dasselbe gilt für unseren Kader. Er steht im Moment so wie er ist. Doch es ist genauso wie bei allen anderen Teams: Wenn ein Handlungsbedarf besteht, dann werden wir es in den nächsten Wochen herausfinden und schauen, dass wir eine gute Mannschaft haben.“

Uwe Krupp: „Wir werden die Zeit bis zum Punktspielstart nutzen, um mit der Mannschaft eine Identität zu finden und ein Spielsystem einzustudieren. Dabei wollen wir uns auf die Stärken der Spieler berufen und ein gutes Eishockey spielen.“

Wie war Ihr Eindruck vom ersten Training? Waren die Spieler fit und gut drauf?

„Ja, sehr gut. Die Jungs waren gut drauf. Sie trainieren ja hier in Tschechien als Mannschaft so ziemlich das ganze Jahr über zusammen. Das ist anders als in Deutschland, wo es doch mittlerweile fast schon in allen Vereinen eine (größere) Pause gibt. Dadurch kommen die Spieler hier natürlich bestens vorbereitet, mit einer guten konditionellen Basis, zum ersten Eistraining. Sicherlich ist noch nicht alles perfekt gelaufen, aber die Jungs haben heute hart gearbeitet, die Intensität war gut. Und das sind die Dinge, auf die es momentan ankommt.“

Die Verständigung im Training war auf Englisch. Doch ich habe bemerkt, ab und zu wird auch ins Tschechische übersetzt. In diesen beiden Sprachen werden also Ihre Spieler angesprochen, oder?

„In erster Linie läuft natürlich alles auf Englisch, zumindest gegenwärtig. Ein paar Jungs verstehen auch Deutsch. Und natürlich werde ich mich bemühen, dass ich mit der tschechischen Sprache schon bald etwas besser klarkomme.“

Foto: Shev123, CC0 1.0Foto: Shev123, CC0 1.0 Welchen Eindruck haben Sie vom Kader? Sind Sie zufrieden?

„Ich glaube, wir haben eine läuferisch gute Mannschaft. Wir müssen indes schauen, dass wir auch in der Defensive gut stehen. Zudem müssen wir sehen, was sich am europäischen Markt tut. Und wenn Handlungsbedarf da ist, dass wir uns auf der einen oder anderen Position noch verstärken, dann muss man darüber auch reden.“

Welchen Spielstil wollen Sie der Mannschaft verordnen? Soll es mehr in Richtung des kanadisch geprägten Stils gehen, also mit direktem Zug zum Tor? Denn in Tschechien wird das Kombinationsspiel ja mitunter etwas übertrieben.

„Meine Philosophie ist die: Das Spielsystem richtet sich immer so ein bisschen nach der Zusammensetzung der Mannschaft. Natürlich will ich Druck zum Tor haben und ein geradliniges Eishockeyspiel, aber auf der anderen Seite sind die Spieler sehr gut ausgebildet. Sie haben hervorragende technische Grundlagen und das will man nicht einfach so herschenken, sondern sich vielmehr zunutze machen. Und mittlerweile ist es doch so: Wenn man über gutes Eishockey spricht, dann kann man die nordamerikanische Schiene oder die osteuropäische Schiene wie auch die skandinavische nicht mehr herausstreichen. Mannschaften, die gut sind, die spielen alle sehr ähnlich.“

Krupp: „Meine Philosophie ist die: Das Spielsystem richtet sich immer so ein bisschen nach der Zusammensetzung der Mannschaft. Natürlich will ich Druck zum Tor haben und ein geradliniges Eishockeyspiel, aber auf der anderen Seite sind die Spieler technisch sehr gut ausgebildet.“

Mit Ihrer Wahl, nach Tschechien zu kommen, haben Sie sich in meinen Augen aber auch auf ein kleines Minenfeld begeben. Denn hier in der tschechischen Liga ist alles auch sehr tschechisch geprägt. Es gab bisher noch keinen ausländischen Trainer in der Liga, wenn man einmal die eng befreundeten Slowaken aus der nahezu familiären Nachbarschaft außer Acht lässt. Daher wurde ihr Wechsel zu Sparta Prag auch schon ein bisschen beargwöhnt. Wie gehen Sie damit um? Werden Sie sich der Herausforderung stellen, es allen zu zeigen?

„Ich sehe es natürlich als eine große Herausforderung an, hier zu sein. Was wann, wo und wie gesagt wird, das kann man sowieso nicht kontrollieren. Ich konzentriere mich folglich nur darauf, eine gute Mannschaft zusammenzustellen, sie fit zu machen und ihr ein gutes Spielsystem zu geben. Ich will ihr eine Identität geben und ein Umfeld schaffen, in dem die Spieler sich wohlfühlen. Und dann spielen wir und schauen, wohin die Kugel rollt.“

Was wissen Sie bereits über die tschechische Liga?

O2-Arena (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)O2-Arena (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die tschechische Liga ist in den letzten Jahren sehr ausgeglichen, also genauso wie alle anderen Top-Ligen in Europa. Es gibt ein paar Mannschaften, die am Ende abfallen. Aber im Großen und Ganzen gibt es auch in dieser Liga acht, neun Teams, die sich Chancen ausrechnen, den Titel zu gewinnen. Die Spiele, die ich bisher gesehen habe, das war immer eine enge Angelegenheit. Wie gesagt, es ist eine gute Liga. Und in einem Punkt ist es genauso wie in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich: Die Top-Mannschaften nehmen sich nicht viel, beim spielerischen Potenzial gibt es kaum Unterschiede.“

In den nächsten Wochen wollen Sie also zuerst eine neue Sparta-Mannschaft formen. Doch dann beginnt es ernst zu werden, und Sie werden mit ihren Schützlingen in der großen modernen O2-Arena spielen. Wird es folglich Ihr primäres Ziel sein, diese Halle durch eine attraktive Spielweise ihrer Mannschaft gut zu füllen?

„Damit beschäftige ich mich im Moment überhaupt nicht, sondern wir versuchen erstmal, gutes Eishockey zu spielen. Und dann sind wir in Tschechien, wo die Besucher immer gutes Eishockey sehen wollen. Wenn uns das gelingt, dann kommen viele Zuschauer und haben Spaß. Und das gehört natürlich zu unserem Job dazu.“