Eishockey-Extraliga startet in Saison mit neuen Regeln, neuer Arena und zwei Aufsteigern

Seit vergangenem Freitag können die Sportfans in Tschechien wieder aus dem Vollen schöpfen. Denn neben der Weltsportart Nummer eins, dem Fußball, der hierzulande Ende Juli in die laufende Saison startete, wird nun auch wieder im populären Eishockey um Punkte, Tore und Pokale gespielt. Die 22. Saison der höchsten Landesspielklasse, der Extraliga, hält dabei mehrere Neuerungen bereit.

In der Tipsport-Extraliga wurden bis zum Dienstag bereits drei Spieltage der neuen Saison absolviert. Es ist eine Spielzeit, die vom Start weg mehrere regeltechnische Veränderungen ausweist. Über die wichtigsten Neuerungen haben wir Sie bereits in unserer letzten Freitagsendung informiert. Nur kurz zur Erinnerung – Erstens: Auf der Eisfläche ist das für Spielsituationen weniger attraktive Mitteldrittel zugunsten der jeweiligen Angriffs- beziehungsweise Abwehrdrittel um drei Meter verkleinert worden. Zweitens: Das in Nordamerikas Profiliga NHL praktizierte Hybrid Icing wurde eingeführt. Und Drittens: Die Schiedsrichter bleiben für das direkte Spielgeschehen weitgehend anonym, denn statt ihres Namens tragen sie nur noch eine Nummer auf ihrem Trikot. Die dritte Veränderung dient in erster Linie zum Schutz der Referees vor sehr persönlichen Beschimpfungen. Zu den anderen zwei Neuerungen aber hat der Präsident des tschechischen Eishockeyverbandes (ČSLH), Tomáš Král, eine ganz klare Meinung:

Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Alle Veränderungen, die vollzogen wurden und über die diskutiert wird, sind darauf ausgerichtet, dass noch mehr Tore fallen. Das Eishockey soll so für die Zuschauer noch attraktiver werden.“

Über eine Neuregelung aber wird besonders diskutiert – über das Hybrid Icing. Es liegt nämlich in gewissem Sinne im Ermessungsspielraum des Schiedsrichters, wann er einen Befreiungsschlag der verteidigenden Mannschaft als unerlaubten Weitschuss abpfeift oder wann er das Spiel weiterlaufen lässt. Verbandspräsident Král ersucht daher noch um etwas Nachsicht gegenüber den Referees:

Ligapartie zwischen Pilsen und Litvínov (Foto: ČTK)Ligapartie zwischen Pilsen und Litvínov (Foto: ČTK) „Bei dieser Neuregelung müssen wir wohl etwas Geduld haben, bevor sie alle verinnerlicht haben. Wenn sie richtig angewandt wird, dann wird sie dem Spiel guttun. Aber es wird vor allem an den Schiedsrichtern liegen, wie sie die neue Regel aufnehmen und sich darauf vorbereiten. Es liegt in ihrer Verantwortung, sie schnell und richtig in die Spielpraxis zu überführen.“

Nach den Eindrücken der ersten drei Spieltage ist dies den tschechischen Pfeifenmännern in hohem Maße gut gelungen. Die letzten sportlichen Eindrücke von zwei großen Spielern des Pilsener Eishockeys bekamen die Zuschauer indes am Sonntag vor der Ligapartie zwischen Pilsen und Litvínov geboten. Da gaben nämlich die beiden Olympiasieger und Weltmeister Martin Straka und Jaroslav Špaček mit einem Einladungsspiel ihren Abschied vom aktiven Sport. Ihrer Einladung waren viele ehemalige Mitstreiter wie auch großartige Cracks der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart gefolgt. Der renommierteste von ihnen war die tschechische Eishockeyikone schlechthin, der noch aktive NHL-Spieler Jaromír Jágr. Sein Kommen hat Pilsens Clubchef Martin Straka besonders gefreut:

Martin Straka und Jaromír Jágr (Foto: ČTK)Martin Straka und Jaromír Jágr (Foto: ČTK) „Wir haben einiges gemeinsam in unserem Sport erlebt. Sobald Jaromír von unserem Abschiedsspiel erfuhr, hat er die Rückkehr zu seinem NHL-Club in Nordamerika sogleich verschoben. Ich schätze es sehr, dass er gekommen ist. Auch dank ihm habe ich im Eishockey das spielen können, was ich gezeigt habe.“

Und das war eine ganze Menge. Der 42 Jahre alte Pilsener wechselte schon als 20-Jähriger in die NHL, in der er für sechs Vereine insgesamt 1060 Spiele absolvierte und dabei 283 Tore erzielte. Mit der tschechischen Nationalmannschaft wurde Straka 1998 Olympiasieger und 2005 Weltmeister. Sein Freund und langjähriger Mitspieler Jaroslav Špaček war noch erfolgreicher. Zusammen haben beide in der Saison 2012/13 den nationalen Meistertitel erstmals nach Pilsen geholt. Ansonsten aber gingen sie jeweils ihren eigenen Weg, bestätigt Straka:

Jaroslav Špaček (Foto: Tschechisches Fernsehen)Jaroslav Špaček (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Überall haben wir uns verpasst, aber bei den wichtigen Aktionen haben wir zusammengespielt und gewonnen – sei es bei den Olympischen Winterspielen in Nagano oder bei der Weltmeisterschaft in Wien. Jarda hat noch zwei WM-Titel mehr als ich, aber bei den großen Siegen und dem Titelgewinn mit Pilsen waren wir zusammen, was einiges zu bedeuten hat. Schade, dass wir uns nicht auch in der NHL bei einem Verein getroffen haben. Möglicherweise hätten wir dann auch den Stanley Cup gewonnen.“

Immerhin sind beide jeweils einmal in ein Stanley-Cup-Finale eingezogen – Straka 1996 mit Florida und Špaček 2006 mit Edmonton. Dort aber unterlagen sie ihren jeweiligen Gegnern Colorado beziehungsweise Carolina.

Radek Bonk (Foto: Archiv HC Oceláři Třinec)Radek Bonk (Foto: Archiv HC Oceláři Třinec) Wie wir Sie am Freitag ebenso schon informiert haben, hat die Extraliga trotz des Karriere-Endes mehrerer Altstars wie Martin Straka, Petr Nedvěd oder Radek Bonk immer noch viele klangvolle Namen zu bieten. Unter ihnen sind auch die neben Jágr noch einzig aktiven Olympiasieger von 1998 – Martin Ručinský und Jiří Šlégr, die für Litvínov spielen, sowie Pavel Patera, der vom Absteiger Kladno zum Aufsteiger Olomouc / Olmütz gewechselt ist. Und der bereits 43-jährige Patera ließ vor dem Saisonstart auch gleich durchblicken, worauf es für die ins Oberhaus zurückgekehrten Olmützer zunächst ankommt:

Pavel Patera (rechts). Foto: ČTKPavel Patera (rechts). Foto: ČTK „Es ist wichtig, einen guten Start zu erwischen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und sollte uns dann auch davon abhalten, dass darüber nur geplappert wird, wie es vor einem Jahr in Kladno der Fall war. Ich hoffe, es kommt nicht zu dieser Situation. Und sollte der Start misslingen, dann können wir das noch reparieren, denn die Saison ist lang.“

Nun, das Auftaktspiel vor eigenem Publikum ist den Olmützern nicht ganz gelungen – gegen Slavia Prag verloren sie mit 2:3 nach Penalty-Schießen. Damit aber war zumindest der erste Ligapunkt gewonnen, und Torschütze Erik Hrňa hat der Partie noch etwas Positives abgewonnen:

Erik Hrňa (links). Foto: ČTKErik Hrňa (links). Foto: ČTK „Die Atmosphäre in der Halle war super. Mich hat dies angenehm überrascht und ich denke, dass zu Beginn des Matches auch die Slavia-Spieler etwas verblüfft waren. Wenn nämlich in ihrer großen Halle in Prag knapp 6000 Zuschauer Platz nehmen, dann machen die sicher keine so tolle Stimmung wie heute unsere Fans in der Halle.“

Die Anfeuerung der Fans für das Team in den rot-weißen Trikots mit dem Vereinslogo des Hahns auf der Brust konnte sich wirklich hören lassen. Mittlerweile sind die Anhänger der Olmützer Hähne für ihre Unterstützung auch schon belohnt worden: Ihr zweites Heimspiel am Dienstag haben die Gastgeber nämlich 3:2 gewonnen, und das gegen keinen Geringeren als den Titelverteidiger aus Zlín.

Michal Broš (rechts). Foto: ČTKMichal Broš (rechts). Foto: ČTK Noch etwas besser aber hat sich bisher der zweite Aufsteiger in die Eliteliga, der BK Mladá Boleslav geschlagen. Die Mannschaft aus der Škoda-Autostadt hat sogar schon zwei Siege auf ihrem Konto. Und das gegen zwei Kontrahenten, die wieder zu den Titelfavoriten zählen: Sowohl Meister Zlín als auch den letzten Gewinner des Präsidenten Cups Sparta Prag haben die Mittelböhmen noch dazu in deren eigener Halle bezwungen! Mladá Boleslav ist nach zweijähriger Zweitliga-Zugehörigkeit ins Oberhaus zurückgekehrt, doch auch zuvor in der Extraliga haben die Grün-Weißen keine maßgebliche Rolle gespielt. Das soll sich diesmal ändern, beschwört Angreifer Michal Broš:

„Unser Hauptziel ist es, nicht wieder eine solch lange Saison zu spielen, wie es die Mannschaft sieben Jahre in Folge in der Extraliga getan hat, als die Jungs ständig in die Relegation mussten. Unser heimlicher Wunsch ist das Erreichen der Pre-Play-offs.“

Werk Arena in Třinec (Foto: ČTK)Werk Arena in Třinec (Foto: ČTK) Weit höhere Ziele hat der HC Oceláři Třinec, der mit dem höchsten Etat aller 14 Teams ins Rennen ging. Dank ihrer finanziellen Möglichkeiten haben sich die Schlesier mit mehreren tschechischen Nationalspielern gut verstärkt, und sie machen auch keinen Hehl daraus, dass sie den Titel erobern wollen. Und sie haben noch ein Pfund, mit dem sie wuchern wollen: Seit Saisonbeginn tragen sie ihre Heimspiele in der funkelnagelneuen Werk Arena aus. Die 5200 Zuschauern Platz bietende Eishalle sei ein echtes Schmuckstück, befanden viele der ersten Besucher:

Třinec-Fans (Foto: ČTK)Třinec-Fans (Foto: ČTK) „Die Halle hat Komfort, und in den Drittelpausen gibt es keine Schlangen an den Imbissständen. Es ist einfach ein Genuss“, beschrieb der 33-jährige Martin seine ersten Eindrücke. Und der acht Jahre ältere Libor ergänzte:

„Es ist toll. Die Akustik in der Arena ist phantastisch, und man hat auch eine wunderbare Sicht auf die Eisfläche.“

Das erste Liga-Tor in der Werk Arena erzielte der Stürmer der Gäste aus Pardubice, Jan Kolář. Dieser Treffer reichte für die Elbestädter zwar nicht zum Punktgewinn – Gastgeber Třinec gewann die Partie mit 2:1, doch von der neuen Arena zeigte sich auch Kolář sehr angetan:

Das erste Liga-Tor in der Werk Arena erzielte Jan Kolář (Foto: ČTK)Das erste Liga-Tor in der Werk Arena erzielte Jan Kolář (Foto: ČTK) „Es ist immer schön, in einer solchen Halle zu spielen. Das ist ein völlig anderes Milieu. Von diesen Eisstadien sollte es einfach noch mehr in Tschechien geben, denn darin zu spielen, ist ein ganz anderes Erlebnis.“

In modernen Eishallen spielen schon etwas länger die Clubs aus Liberec / Reichenberg, Karlovy Vary / Karlsbad, Pardubice und von Slavia Prag. Vielleicht wollen auch Sie sich dort einmal eine Begegnung der Extraliga anschauen. Der Besuch eines Eishockeyspiels in Tschechien lohnt auf jeden Fall.