Čech beendet Erfolgskarriere mit Niederlage gegen den Ex-Club

03-06-2019

Am vergangenen Mittwoch hat ein großer Spieler des tschechischen Fußballs seine aktive Laufbahn beendet: der Torhüter Petr Čech. In seinem letzten Match, dem Europa-League-Finale in Baku, wollte er sich gern mit einem Pokalgewinn verabschieden. Das klappte zwar nicht, dennoch blickt der 37-Jährige auf eine ereignisreiche und erfolgreiche Karriere zurück.

Petr Čech (Foto: ČTK / AP Photo / Darko Bandic)Petr Čech (Foto: ČTK / AP Photo / Darko Bandic)

Petr Čech (Foto: ČTK / AP Photo / Darko Bandic)Petr Čech (Foto: ČTK / AP Photo / Darko Bandic) Im Januar kündigte Petr Čech sein Karriereende zum Abschluss der Saison an. Damals sagte er aber auch, dass er noch einen Wunsch habe, bevor er seine Töppen an den berühmten Nagel hängen werde. Er wolle seine Laufbahn gern mit einem Triumph beenden und dabei noch einmal eine Trophäe in den Händen halten. Mit seinem Verein, dem FC Arsenal, gelang ihm auch tatsächlich der Finaleinzug in der Europa League. Der Gegner in diesem Endspiel war ausgerechnet der Londoner Stadtrivale FC Chelsea. Für Čech war das eine pikante Konstellation:

„Dass ich in meinem letzten Spiel das Finale der Europa League bestreite, und noch dazu gegen meinen Ex-Club, das ist schon ein wenig Ironie des Schicksals.“

Das Endspiel wurde vor fünf Tagen in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ausgetragen. Diese Wahl der Uefa rief viel Unverständnis hervor. Auch Čech hatte dazu eine Meinung:

Stadion in Baku (Foto: ČTK / AP Photo / Dmitri Lovetsky)Stadion in Baku (Foto: ČTK / AP Photo / Dmitri Lovetsky) „Die Uefa hat so entschieden. Baku hat ein wirklich schönes Stadion und Aserbaidschan ist ein Land, in dem der Fußball immer beliebter wird. Andererseits ist es für die Fans eine unglückliche Lösung. Wegen der geringen Kapazität des Flughafens kommt von London und anderen Orten in Europa fast niemand hierher. Das ist schade, denn für viele Anhänger wäre es bestimmt einer der größten Momente in ihrem Leben. Und ich muss auch den Fall Henrikh Mkhitaryan erwähnen. Als Armenier kann Henrikh nicht beim Finale in Aserbaidschan dabei sein. So etwas dürfte es nicht geben! Die Kriterien für die Wahl des Finalortes sollten eindeutig alle Modalitäten erfüllen, und zwar so, dass von beiden Teams jeder Spieler auflaufen kann, ohne Rücksicht auf seine Herkunft oder die politische Lage.“

Foto: ČTK / AP Photo / Luca BrunoFoto: ČTK / AP Photo / Luca Bruno Im Stadion blieben dann auch über 10.000 Plätze frei, wegen der weiten und strapaziösen Anreise kamen nur 5700 Fans beider Teams aus London ans Kaspische Meer. Jubeln durften am Ende die „Blues“, also die Männer in den blauen Trikots des FC Chelsea. Sie gewannen die Partie nach einer überzeugenden Vorstellung mit 4:1. Es war der zweite Sieg der Mannschaft von der Stamford Bridge, bei ihrem ersten Triumph im Jahr 2013 gehörte Petr Čech noch dazu. Diesmal stand er im Kasten des unterlegenen Teams:

„Das ist für mich eine sehr bittere Niederlage. Denn als Fußballer war es für mich der letzte Traum, der sich erfüllen sollte: Ich wollte die Europa League noch einmal gewinnen, diesmal mit Arsenal. Leider hat es nicht geklappt, doch als Sportsmann muss ich zugeben: Der Gegner war besser als wir und hat verdient gewonnen.“

Petr Čech: „Das ist für mich eine sehr bittere Niederlage. Denn als Fußballer war es für mich der letzte Traum, der sich erfüllen sollte: Ich wollte die Europa League noch einmal gewinnen, diesmal mit Arsenal.“

Bei den Gegentoren war Čech absolut chancenlos. Man muss sogar sagen: Mit tollen Paraden verhinderte der Tscheche eine noch höhere Pleite, er war mit Abstand der Beste im Team von Arsenal. Das aber war ihm egal:

„Auch mit etwas Abstand ist die Enttäuschung immer noch groß. Ich kann zwar sagen, dass ich ein Maximum für den Erfolg gegeben habe, doch manchmal reicht es eben nicht. Denn Fußball ist ein Teamsport, und wenn die Mannschaft kein gutes Spiel macht, dann verblasst auch die Leistung des Einzelnen.“

Trotz aller Enttäuschung, nach dem Schlusspfiff des Finales durfte Čech viele Hände schütteln. Teamkollegen, der Trainer, die Spieler und Verantwortliche des Gegners – alle gratulierten ihm zu seiner einzigartigen Laufbahn:

Petr Čech (Foto: Jan Kaliba, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Petr Čech (Foto: Jan Kaliba, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Die Glückwünsche zu meiner Karriere habe ich registriert, natürlich haben mich viele davon erfreut. Zudem bin ich froh darüber, dass ich wirklich Spuren hinterlassen habe, und dies von anderen auch gewürdigt wurde.“

Petr Čechs Profilaufbahn erstreckte sich über genau 20 Jahre. Nach seiner Ausbildung als Nachwuchsspieler in Plzeň / Pilsen waren der damalige Erstligaverein aus Blšany (1999-2001), der Traditionsverein Sparta Prag (2001-02) und der französische Club Stade Rennes (2002-04) die ersten Stationen. Ab 2004 spielte Čech auf der britischen Insel, worauf er besonders stolz ist:

„Ich schätze es besonders hoch ein, dass ich 15 Jahre am Stück in der besten Liga der Welt gespielt habe. Dazu war es notwendig, stets Höchstleistungen zu bringen. Fast jedem Profi gelingt es, zumindest eine Saison sehr gut zu spielen. Dann jubeln alle, doch wenn man danach nicht mehr erste Wahl ist, dann verschwindet man vielleicht drei Jahre später schon wieder in der Versenkung. Mir aber ist es gelungen, mich 15 Jahre lang auf dem höchsten Niveau zu halten.“

Petr Čech in FC Chelsea (Foto: John Dobson, Flickr, CC BY-SA 2.0)Petr Čech in FC Chelsea (Foto: John Dobson, Flickr, CC BY-SA 2.0) Die ersten elf Jahre davon stand Čech im Tor des FC Chelsea, im Sommer 2015 ging er dann zum Londoner Stadtrivalen FC Arsenal. Der Wechsel wurde forciert durch Erfolgstrainer José Mourinho, der in der Saison 2014/15 seinem jüngeren Torwart den Vorzug gab, dem Belgier Thibaut Courtois. Aufgrund von Verletzungen hat Čech nun in dieser Saison auch seinen Stammplatz bei Arsenal verloren, und zwar an den deutschen Nationalkeeper Bernd Leno. Das hat ihn dazu bewogen, seine Situation neu zu überdenken:

„Nach der Verletzung bekam ich vom Trainer schon nicht mehr die Möglichkeit eingeräumt, als Nummer eins des Teams in der Premier League zu halten. Dafür bekam ich meine Chance in der Europa League. Und so ist nach und nach bei mir der Gedanke gereift, dass die Zeit des Abschieds wohl gekommen ist. Folglich habe ich mir gesagt, ich konzentriere mich auf die Europa League und werde alles daran setzen, meine Karriere dort so gut wie möglich ausklingen zu lassen. Danach klappe ich das Buch meiner Karriere mit all den schönen Erinnerungen zu.“

Und davon hat Petr Čech sehr viele. Alle 13 Titel, die er gewann, holte er mit den Blues. Darunter waren viermal die englische Meisterschaft sowie je einmal die Champions und die Europa League. Den Pott in der europäischen Königsklasse holten sich die Londoner 2012 beim Finale in München, als sie den gastgebenden FC Bayern nach einem 1:1 in 120 Minuten mit 4:3 nach Elfmeterschießen besiegten. Petr Čech hielt dabei zwei Elfer. Und die anschließende Pokalübergabe wird wohl für immer einer der schönsten Momente seiner Karriere sein, sagte der 37-Jährige. Eigentlich wollte er in seiner ziemlich gut geplanten Profilaufbahn auch etwas länger in Deutschland Station machen. Doch es kam anders, schildert der zweifache Familienvater:

Čech: „Ich schätze es besonders hoch ein, dass ich 15 Jahre am Stück in der besten Liga der Welt gespielt habe. Dazu war es notwendig, stets Höchstleistungen zu bringen. Fast jedem Profi gelingt es, zumindest eine Saison sehr gut zu spielen. Mir aber ist es gelungen, mich 15 Jahre lang auf dem höchsten Niveau zu halten.“

„Ursprünglich wollte ich mich in der Bundesliga für die Premier League empfehlen. Deshalb habe ich in der Schule auch bereits Deutsch gelernt. Ich dachte daher, dass sollte für mich einfacher werden, als in Frankreich zu spielen, da ich überhaupt kein Französisch konnte. Doch nicht alles läuft glatt im Leben, und so kam ich nach Rennes. Dort musste ich von Grund auf neu beginnen: die Sprache, eine andere Kultur annehmen, und auch das Training einschließlich der Saisonvorbereitung waren völlig anders.“

Völlig anders war Čech auch am 14. Oktober 2006 zumute. Das war ein sehr schicksalhafter Tag für ihn, denn im Spiel von Chelsea gegen den FC Reading hatte der Keeper bei einem Zusammenstoß mit Gegenspieler Stephen Hunt einen Schädelbasisbruch erlitten. Die Ärzte bangten damals um sein Leben. Nach erfolgreichen Operationen und einer unerwartet gut verlaufenen Genesungsphase kehrte Čech dann wieder auf den grünen Rasen zurück. Diese Erfahrung aber hatte ihn nachdenklicher gemacht:

„Auf der einen Seite hat die Verletzung mein Leben dahingehend verändert, dass man beginnt, ganz anders über gewisse Dinge nachzudenken. Auf der anderen Seite hat der Vorfall dazu geführt, dass ich meine Karriere dann so fortsetzte, wie ich es getan habe: Ich bin aus dieser Situation stärker denn je herausgegangen. Zudem hat mir der Vorfall gezeigt, dass man alle Sachen zu 100 Prozent machen muss. Denn man weiß nie genau, wann die Karriere zu Ende ist. Manchmal genügt eine unliebsame Kleinigkeit, und alles ist vorbei.“

Foto: @cfcunofficial (Chelsea Debs) London, Flickr, CC BY-SA 2.0Foto: @cfcunofficial (Chelsea Debs) London, Flickr, CC BY-SA 2.0 Bei Čechs Rückkehr hatte sich einiges geändert, auch sein Äußeres auf dem Platz. Denn fortan trug er eine schützende Kopfbedeckung – ein schwarzer Stoffhelm, der seitdem zum unverwechselbaren Markenzeichen des fast zwei Meter großen Hünen wurde. Der Tscheche aber hielt weiter bravourös, manche Experten behaupten: Er war noch besser als vor seiner Verletzung. Der sichtbare Beleg für seine stabilen Top-Leistungen ist ein englischer Liga-Rekord: In nicht weniger als 202 Spielen der Premier League blieb Čech ohne Gegentor!

Nun aber müssen sich auch die englischen Fans daran gewöhnen, ihn nicht mehr live spielen zu sehen. In der tschechischen Nationalmannschaft hat der Torhüter bereits 2016 nach der Europameisterschaft in Frankreich aufgehört. Dennoch hat er es auch da zu einem Rekord gebracht: Petr Čech bestritt insgesamt 124 Länderspiele – mehr hat bis heute kein anderer Tscheche vorzuweisen. Ein Höhepunkt seiner Auswahlkarriere war zweifellos die Europameisterschaft 2004 in Portugal. Zusammen mit Top-Spielern wie Karel Poborský, Pavel Nedvěd, Tomáš Rosický, Jan Koller und Milan Baroš bot die tschechische Mannschaft den attraktivsten Fußball der Endrunde. Das unglückliche 0:1 nach gekürzter Verlängerung im Halbfinale gegen Griechenland verhinderte den möglichen Titelgewinn, und so wurde die Bronzemedaille Čechs größter Erfolg mit der Nationalmannschaft. Noch etwas höher ist sogar der Erfolg mit der tschechischen U21-Auswahl einzustufen: Bei der Nachwuchs-EM 2002 in der Schweiz haben Čech & Co. den Titel gewonnen. Und bis heute ist der Torwart stolz darauf, dass er von 1998 bis 2016 bei allen Europameisterschaften dabei war, sowohl im Nachwuchs als auch bei den Männern.

Čech: „Auf der einen Seite hat die Verletzung mein Leben dahingehend verändert, dass man beginnt, ganz anders über gewisse Dinge nachzudenken. Auf der anderen Seite bin ich aus diesem Vorfall stärker denn je herausgegangen.

Jetzt aber hat der große Keeper mit dem schwarzen Stoffhelm dem aktiven Fußball „adieu“ gesagt. Alle Fragen nach seiner Zukunft hat Čech mehr oder weniger unbeantwortet gelassen. Er verriet indes, dass er seinem geliebten Sport treu bleiben werde, und das in irgendeiner Funktion im englischen Fußball. Es wird gemunkelt, dass er zur neuen Saison einen Managerposten bei FC Chelsea bekleiden werde. Doch nichts Genaues weiß man, außer was Čech nun in Kürze nach seinem letzten Spiel tun wird:

„Meine nächsten Pläne sind, dass ich zu einem Fußballturnier für Zehnjährige fahre, um dort meinen Sohn beim Spielen zu beobachten. Danach wird man sehen, was die Zeit so mit sich bringt.“

03-06-2019