Armeesportzentrum Dukla: Erfolgreiche Talentschmiede seit 70 Jahren

Der Leistungssport in der Tschechoslowakei von damals und im Tschechien von heute hat immer wieder internationale Top-Athleten hervorgebracht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern geht auf ein gut funktionierendes System der Talentsichtung und -förderung zurück. Diese Aufgabe erfüllt in hohem Maß auch das Armeesportzentrum Dukla in Prag. Diese Organisation wurde jüngst 70 Jahre alt.

Foto: Archiv FK Dukla PragFoto: Archiv FK Dukla Prag Die Organisation Dukla feierte in der vergangenen Woche ihr 70-jähriges Bestehen. An der feierlichen Gala, die zum Jubiläum veranstaltet wurde, nahmen unter anderen 14 Olympiasieger teil. Beim größten Sportevent der neuzeitlichen Geschichte, den Olympischen Spielen, haben Sportler des ASC Dukla insgesamt 99 Medaillen gewonnen, darunter 32 goldene. Bei Welt- und Europameisterschaften kommen noch einmal mehrere Hundert Medaillen hinzu.

Dukla wurde am 1. Oktober 1948 als Armeesportklub gegründet. In den Jahren 1953 bis 1956 wurde die sportfördernde Tätigkeit unter der Bezeichnung Zentrales Haus der Armee (ÚDA Praha) fortgesetzt. Seit dem 1. Oktober 1956 wurden dann alle tschechoslowakischen Armeesportvereine unter dem einheitlichen Namen Dukla geführt.

Jaroslav Priščák mit Barbora Špotáková (Foto: Archiv der tschechischen Armee)Jaroslav Priščák mit Barbora Špotáková (Foto: Archiv der tschechischen Armee) Das Armeesportzentrum Dukla in Prag hat sich seitdem zu einer Talentschmiede der besonderen Art entwickelt. Jahr für Jahr kommt die Mehrzahl der tschechischen Medaillenträger von diesem Stützpunkt. Jaroslav Priščák ist der Direktor der Einrichtung. Er weiß genau, wem das Zentrum seinen guten Ruf zu verdanken hat:

„Das ist das Verdienst unserer Trainer, denn das A und O unserer erfolgreichen Arbeit ist es nun einmal, echte Talente zu finden und zu formen. Und weil wir gute Trainer haben, ist auch die Zukunft des Leistungssportzentrums gesichert.“

Zu den Sportlern, die gegenwärtig vom ASC Prag gefördert werden, gehört auch Mountainbiker Jaroslav Kulhavý. Der Olympiasieger von 2012 schwärmt von den Vorzügen der Institution:

Jan Železný (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jan Železný (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Dank des Sportzentrums Dukla genießen wir den besten Service im ganzen Land. Dazu gehören die gute Betreuung und das Training.“

Noch erfolgreicher als Kulhavý in seiner aktiven Karriere war der ehemalige Speerwerfer Jan Železný. Heute ist der 52-Jährige einer der Trainer im Armeesportzentrum, dem er viel zu verdanken hat:

„Ohne Dukla wäre ich niemals dreifacher Olympiasieger geworden. Dieses Zentrum stellt uns einen sehr guten Trainer- und Betreuerstab sowie tolle Sportanlagen. Das ist einfach ein komplexes Paket an Leistungen.“

Die Mehrzahl der Anlagen des Leistungssportzentrums befindet sich in Prag. Doch auch außerhalb der Hauptstadt gibt es Sportstätten, die für Training und Wettkampf genutzt werden, wie beispielsweise die Regattastrecke im mittelböhmischen Račice. Denn die Palette der Sportarten ist groß, die beim ASC Prag betrieben werden, verrät Direktor Priščák:

Jan Železný: „Ohne Dukla wäre ich niemals dreifacher Olympiasieger geworden. Dieses Zentrum stellt uns einen sehr guten Trainer- und Betreuerstab sowie tolle Sportanlagen. Das ist einfach ein komplexes Paket an Leistungen.“

„Das sind Rudern, Kanusport, Leichtathletik, Radsport oder Moderner Fünfkampf, also vor allem die Sommersportarten. Doch auch im Wintersport sind wir erfolgreich. Dazu muss ich nur die Namen zweier Olympiasiegerinnen nennen: Ester Ledecká und Eva Sámková.“

Einer der sehr erfolgreichen Sportler, die gegenwärtig im Leistungssportzentrum Dukla trainieren, ist der Ruderer Ondřej Synek. Der 36-Jährige ist fünffacher Weltmeister und dreifacher Europameister im Einer. Ohne die Unterstützung des Armeesportvereins hätte er es sicher nicht soweit gebracht:

„Bei Dukla habe ich im Jahr 1999 begonnen. Der Weg dorthin war relativ einfach: Ich habe in den Nachwuchsklassen auf mich aufmerksam gemacht, so dass die Trainer von Dukla an mich herangetreten sind. Sie fragten, ob ich es nicht bei ihnen versuchen wolle. Nachdem ich dann zu Dukla gewechselt bin, ging es Schritt für Schritt aufwärts.“

Ondřej Synek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Ondřej Synek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Und Synek unterstreicht, dass der Schritt von seiner Heimatstadt Brandýs nad Labem / Brandeis an der Elbe nach Prag notwendig und richtig war:

„Die beiden Vereine lassen sich nicht miteinander vergleichen. Der Club in Brandýs, den ich zurzeit leite, ist auf das Rudern für Kinder ausgerichtet. Denn dort reichen die Bedingungen nicht für den Leistungssport aus. Dukla kann dies aber bieten, und es wäre eine Sünde, dies nicht zu nutzen.“

Mit dem Wechsel zu Dukla gehen die Talente aber auch eine besondere Beziehung ein: Sie werden Sportsoldat auf Zeit. Als Angehörige der tschechischen Armee können sich diese Athleten dann vorrangig ihrer Sportart widmen. Doch sie müssen ebenso eine militärische Ausbildung absolvieren. Daher setzt sich der jeweilige Dienstgrad eines Sportsoldaten auch aus mehreren Komponenten zusammen, schildert Ondřej Synek:

Ondřej Synek: Der Club in Brandýs, den ich zurzeit leite, ist auf das Rudern für Kinder ausgerichtet. Denn dort reichen die Bedingungen nicht für den Leistungssport aus. Dukla kann dies aber bieten, und es wäre eine Sünde, dies nicht zu nutzen.“

„Wir absolvieren eine militärische Grundausbildung. Jedes Jahr nehmen wir an einem Lehrgang in Vyškov teil, bei dem die Sportsoldaten zum Beispiel im Schießen mit der Waffe oder in der Gesundheitsvorsorge ausgebildet werden. Der Dienstgrad, den wir haben, hängt gewiss auch vom Bildungsstand ab. Ich habe beispielsweise einen Hochschulabschluss gemacht. Und natürlich spiegeln sich im Dienstgrad auch die sportlichen Erfolge wider.“

Eine der Teilnehmerinnen an der Jubiläumsfeier am vergangen Mittwoch war die zweifache Speerwurf-Olympiasiegerin Barbora Špotáková. Die 37-Jährige, die für ihre Erfolge geehrt wurde, hatte auch Glückwünsche mitgebracht:

„Ich wünsche den Verantwortlichen von Dukla, dass nach uns weitere Sportler kommen werden, die ebenso internationale Medaillen gewinnen. Es sollten Sportler sein, die Dukla mit Stolz repräsentieren, so wie beispielsweise ich.“

Emil Zátopek (Foto: Wikimedia Commons, CC BY-NC-SA 3.0)Emil Zátopek (Foto: Wikimedia Commons, CC BY-NC-SA 3.0) Eine Zeitlang trainierte Barbora Špotáková unter Jan Železný. Der Weltrekordinhaber im Speerwurf der Männer gratulierte ebenso:

„Ich wünsche dem Zentrum Dukla, dass es auch die nächsten 70 Jahre mindestens die gleichen Erfolge erzielen kann. Dank dieser Organisation bekommen die Zuschauer hervorragenden Sport zu sehen, und die Menschen können stolz auf uns sein.“

Zu den großen Dukla-Sportlern ihrer Generation gehörten auch zwei Legenden: der vierfache Olympiasieger im Langstreckenlauf Emil Zátopek sowie der Vize-Weltmeister und Fußballer Europas des Jahres 1962, Josef Masopust. Beide hervorragenden Sportler sind leider bereits verstorben.

 

Olympioniken von 1968 erinnern an ihre Erfolge vor 50 Jahren

Aus Protest gegen die Besatzung ihres Landes richtete Čáslavská ihren Blick beim Abspielen der sowjetischen Nationalhymne nach unten (Foto: YouTube)Aus Protest gegen die Besatzung ihres Landes richtete Čáslavská ihren Blick beim Abspielen der sowjetischen Nationalhymne nach unten (Foto: YouTube) Zu den lobenswerten Seiten des tschechischen Sports gehört die Traditionspflege. Sportlerinnen und Sportler, die in ihrer aktiven Karriere etwas Besonderes geleistet haben, treffen sich regelmäßig zu den unterschiedlichsten Anlässen. Ein solcher Anlass war das Olympiajahr 1968, das dem tschechischen Sport in sehr guter Erinnerung ist. Zum einen, weil erstmals ein Tscheche eine olympische Goldmedaille bei den Winterspielen holte. Das war Skispringer Jiří Raška, der in Grenoble die Konkurrenz von der Normalschanze gewann und im Springen von der Großschanze zudem Zweiter wurde. Und zum Zweiten, weil die Sommerspiele in Mexiko nur kurze Zeit nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch die Armeen der Warschauer Paktstaaten stattfanden. Die herausragende Turnerin dieser Spiele war Věra Čáslavská, die in Mexiko viermal Gold und zweimal Silber schürfte. Und unvergessen bleibt auch ihre Reaktion bei der Siegerehrung am Schwebebalken. In dieser Disziplin war sie hinter der sowjetischen Turnerin Natalja Kutschinskaja Zweite geworden. Aus Protest gegen die Besatzung ihres Landes richtete sie ihren Blick beim Abspielen der sowjetischen Nationalhymne nach unten. Sowohl Raška als auch Čáslavská sind bereits verstorben.

Jan Kůrka (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jan Kůrka (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Der Einzige der sieben Olympiasieger von Mexiko, der in Prag beim jüngsten Treffen der tschechoslowakischen Olympioniken von 1968 dabei sein konnte, war Sportschütze Jan Kůrka. Der heute 75-Jährige hatte seinerzeit mit dem Kleinkaliber liegend über 50 Meter gewonnen. Und die Erinnerungen an seinen größten sportlichen Erfolg sind bei ihm nicht verblasst. Im Gegenteil, Kůrka ist immer noch zu Tränen gerührt, wenn er daran denkt:

„In Mexiko hatten wir eine extrem große Pinnwand, und täglich wurden dort Hunderte von Telegrammen angebracht. Diese Anteilnahme der Menschen geht mir bis heute nahe.“

In Mexiko holten die 121 Sportler aus der Tschechoslowakei insgesamt 13 Medaillen. Neben den sieben goldenen waren es noch zwei silberne und vier bronzene. Bei den Winterspielen in Grenoble, bei denen deutlich weniger Wettkämpfe stattfanden, war die Ausbeute zwangsläufig geringer. Die Tschechoslowakei gewann vier Medaillen: Neben Gold und Silber durch Jiří Raška und der Bronzeplakette durch Hana Masková im Eiskunstlauf der Damen waren es die Eishockeyspieler, die eine Silbermedaille beisteuerten. Am Ende fehlte ihnen lediglich ein Treffer, um Olympiasieger zu werden: Es hätte das Siegtor gegen die Schweden sein müssen, von denen man sich 2:2 trennte. Denn in der Begegnung zuvor hatten die Tschechoslowaken den hohen Favoriten, die Sowjetunion, mit 5:4 bezwungen. Und dieser Sieg über die zu jener Zeit scheinbar übermächtige UdSSR war eigentlich Gold wert, meint noch heute Jan „Gusta“ Havel, ehemaliger Stürmer von Sparta Prag:

Foto: YouTubeFoto: YouTube „Viele Eishockeyfans sagten bereits, dass man zu Begegnungen mit der Sowjetunion gar nicht erst antreten sollte. Wir sind jedoch nicht verzagt. Wir haben uns stattdessen gesagt, dass dieser Bann endlich gebrochen werden muss. Das ist uns nach sechs Jahren dann erstmals in Grenoble gelungen.“

Die Tschechoslowakei bezwang die Sowjetunion mit 5:4. Da sie jedoch zuvor gegen Kanada mit 2:3 verloren hatte, musste sie im Gesamtklassement auch diesmal der UdSSR (noch) den Vortritt lassen. Weil nach dem Turnier in Grenoble aber die von der Sowjetunion befehligte Okkupation der Tschechoslowakei folgte, hatten Eishockeyduelle zwischen diesen beiden Ländern danach eine ganz spezielle Brisanz.