Vor 250 Jahren wurde Josefina Dusková (Josepha Duschek) geboren

Das Ehepaar Dusek (Duschek) ist im Bewusstsein vieler Musikliebhaber vor allem als Gastgeber von Wolfgang Amadeus Mozart während seiner Prag-Besuche verankert. Am 12. Februar sind 205 Jahre seit dem Tod des Komponisten Frantisek Xaver Dusek vergangen, vor fast 250 Jahren - am 6. März 1754 - wurde seine Frau, die Sängerin Josefina Dusková (Josepha Duschek) in Prag geboren. Aus diesem Anlass laden Sie Martina Schneibergová und Gerald Schubert im folgenden Spaziergang in die Villa Bertramka ein.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, im Rahmen der Sendereihe Spaziergang durch Prag in die Villa Bertramka einlade, wo sich heutzutage eine Mozart-Gedenkstätte befindet. Das Landgut Bertramka wurde nach einem seiner ehemaligen Besitzer benannt, das Ehepaar Dusek kaufte es im Jahre 1784. In der Villa Bertramka interessierte ich mich diesmal nicht so sehr für die Ausstellung selbst, sondern für das Schicksal von Mozarts Gastgeberin Josefina Dusková. Zuerst fragte ich die Direktorin der Gedenkstätte, Vlasta Cibulová:

"Jeder weiß über sie, dass sie mit Mozart befreundet war, aber nur wenige denken darüber nach, wie Josepha Duschek selbst war. Sie war eine für ihre Zeit hervorragende Sängerin, die sehr schwere Arien vortragen konnte. Sie war eine Dame mit Charme, sie hatte für ihre Zeit verhältnismäßig liberale Ansichten, sie war eine sehr emanzipierte Frau."

Haus BetramkaHaus Betramka Man weiß, dass sie mit Mozart korrespondierte, diese Korrespondenz ist jedoch leider nicht erhalten. Erhalten sind aber ihre Briefe, die sie dem Maler Anton Graff nach Dresden schrieb. Er malte z. B. das Porträt des Kapellmeisters Naumann - das ist das einzige Gemälde aus der großen Kunstsammlung von Josefina Dusková, das erhalten ist und das man in der Ausstellung im Haus Betramka sehen kann. Aus ihren Briefen sowie aus Mozarts Briefen kann man doch einiges über Josefina erfahren.

Josepha Duschek oder Josefina Dusková wurde auf dem Altstädter Ring in Prag geboren - im Haus zum Weißen Einhorn. Ihr Vater hieß Hambacher und war Apotheker. Josefines Mutter, Marie Domenica, geborene Weißer, war Tochter des Salzburger Oberbürgermeisters. Schon aus diesem Grund gab es die Voraussetzung für sehr enge Kontakte zwischen Mozart und Josefine. 1760 starb Josefines Vater. Ihre Mutter verkaufte das Haus Zum Weißen Einhorn und sie zogen in eine Wohnung in der Celetná - der Zeltnergasse um. Dort lernte Josefine ihren späteren Mann kennen, wie der Musikredakteur Ivan Ruml bemerkt:

Haus BetramkaHaus Betramka "Im selben Haus wohnte der Prager Pädagoge, Komponist und Pianist Frantisek Xaver Duschek, der um 22 Jahre älter war als Josefine. Offensichtlich war er mit der Familie Hambacher befreundet und für Josefine ist er eine Art Mentor geworden. Er lehrte sie Gesang und Klavierspiel. Für sie vertrat er den verstorbenen Vater. Als Josefina 24 Jahre alt war, entschied sie sich, Dusek zu heiraten. Die Hochzeit fand in der Teynkirche statt, und ihr Trauzeuge war der bekannte dortige Organist Josef Seger."

Die Hochzeitsreise unternahm das Ehepaar Dusek nach Salzburg - zu Josefines Großvater, Andreas Weißer. Dort lernte Josefina höchstwahrscheinlich Wolfgang Amadeus Mozart und seinen Vater Leopold kennen. Dieser hatte jedoch nicht gerade die beste Meinung über Josefina. Ivan Ruml dazu:

"Leopold Mozart warnte seinen Sohn sogar in einem Brief vor Josefine und wies auf ihre Beziehung zu Graf Clam-Gallas hin. Wolfgang Amadeus folgte jedoch nicht den Ratschlägen des Vaters, und er hatte Josefine wirklich gern. 1777 schrieb er für sie die Konzertarie "Ah lo previdi". Diese 1777 angeknüpften Kontakte spielen offensichtlich auch zehn Jahre später eine Rolle, als Mozart im Januar 1787 zum erstenmal nach Prag kam. Damals wurde in Prag Figaros Hochzeit aufgeführt, und die sogenannte Prager Sinfonie erlebte ihre Uraufführung."

Das Ehepaar Duschek besaß zu der Zeit schon das Landgut Betramka. Smíchov lag damals jedoch noch nicht in Prag, sondern hinter der Stadtmauer. Von Újezd aus führte eine Kastanienallee nach Smíchov. Die Duseks wohnten auf dem Kleinseitner Ring gegenüber der St. Nikolauskirche - im heutigen Sitz der Akademie der musischen Künste - dem Palais Liechtenstein. Betramka stellte für das Ehepaar Duschek so etwas wie ein Wochenendhaus dar, vom Kleinseitner Ring war es kein allzu langer Weg bis zu diesem Sommersitz, der mit Mozart untrennbar verbunden ist:

Haus BetramkaHaus Betramka "Im Oktober 1787 verbrachte Mozart ungefähr einen Monat da und schrieb hier die Oper Don Giovanni zu Ende. Nach der Weltpremiere dieser Oper im Nostitz-Theater im November 1787 schrieb Mozart für Josefina die Konzertarie 'Bella mia fiamma adio'. Der Legende nach schloss Josefine den Komponisten in der Gartenlaube ein und erklärte, sie lasse ihn nicht weggehen, solange er die Arie nicht fertig habe. Mozart soll die Bedingung gestellt haben, dass Josefine die Arie vom Blatt singen muss, sonst werde er die Arie verbrennen. Beides hat geklappt und dadurch ist ein sehr schönes Werk entstanden."

Nach Mozarts Tod ging es den Duseks nicht mehr so gut. Frantisek Xaver Dusek starb 1799 an Wassersucht. Die medizinische Behandlung hat das Ehepaar wahrscheinlich sehr viel gekostet, sodass sie ihr Vermögen allmählich verloren hatten. Frau Dusková war damals 45 Jahre alt, sie hatte keine Kinder. Nach ihrem weiteren Schicksal fragte ich den Musikexperten:

"Man weiß noch, dass sie 1803 in Prag das Sopransolo in Haydns Vier Jahreszeiten sang. Gelegentlich trat sie auf Konzerten auf. Nie sang sie in einem Theater. Denn eine Dame mit einer solchen Stellung wie Josefina konnte nicht in einem Theater auftreten. Sie konnte nur in den aristokratischen Salons singen. Nach dem Tod ihres Mannes war sie nicht mehr so berühmt wie früher. Sie starb 1824 im Alter von 70 Jahren. Angeblich war sie sehr arm, und Graf Sternberg hat sich um sie gekümmert. Ihm vererbte sie den Rest ihres Eigentums, das später auf einer Auktion in Dresden versteigert wurde."

Der einzige Gegenstand, den Josefina behalten haben soll, war angeblich eine Bonboniere mit einem Theaterglas, die sie von ihrem Mann als Hochzeitsgeschenk bekam, und die in der Ausstellung in der Villa Bertramka zu sehen ist. Schade, dass man sich Josefinas Stimme heute nur noch vorstellen kann:

"Josefina Dusková wurde auch die "Prager Gabrielli" genannt. Gabrielli war zu der Zeit eine sehr berühmte italienische Primadonna. Josefines Stimme wurde mit dieser Sängerin verglichen. Es musste eine außerordentlich dunkle Stimme gewesen sein, und sie war in der Lage, sehr hohe Töne zu singen. Dies geht daraus hervor, dass sie Arien wie "Bella mia fiamma adio" oder "Ah, perfido" singen konnte. Man kann sich ganz gut vorstellen, dass sie die Rolle der Dona Anna in Don Giovanni hätte singen können, aber genauso gut auch z. B. die Königin der Nacht in der Zauberflöte."

Die Direktorin der Gedenkstätte in der Villa Bertramka vergleicht Josefinas Schicksal mit dem Schicksal von W.A. Mozart:

"Ich finde eine bestimmte Parallele zwischen dem Leben von Josefina Dusková und dem Leben Mozarts. Sie war eine Dame der großen Welt, hier in Smíchov gehörten ihr Grundstücke - nicht nur in der Umgebung von Bertramka, sondern auch große Latifundien, die sich bis nach Kosíre erstreckten, die sie alle gekauft hat. Und schließlich starb sie arm, und wurde hier in der Nähe auf dem Kleinseitner Friedhof bestattet - unweit der Villa Bertramka."

 

Hier noch die übliche Quizfrage, für deren richtige Beantwortung Sie eine CD gewinnen. Die heutige Quizfrage lautet: Wie heißt heutzutage das Theater, in dem Mozarts Don Giovanni uraufgeführt wurde? Ihre Zuschriften richten Sie, bitte, an Radio Prag, Vinohradska 12, 120 99 Prag 2, Tschechien.