Prager Zoo eröffnet neues Elefantenareal

05-04-2013

Der Prager Zoo ist einer der größten Touristenmagnete in der tschechischen Hauptstadt. In unseren Sendungen haben wir Sie bereits über das Elefantenbaby informiert, das im Februar dieses Jahres zu Welt kam. Am vergangenen Samstag konnten die Besucher nicht nur dieses Elefantenbaby, sondern auch die ganze Elefantenfamilie im soeben eröffneten neuen Pavillon beobachten.

Am Samstagvormittag wimmelte es vor dem Prager Zoo von Menschen. Die meisten der Besucher folgten gleich neben dem Eingang einem auffallenden orangefarbenen Band, das die Menschen einen Hügel hinaufführte. Es kennzeichnete den Weg zu den neuen Pavillons für Elefanten und Nilpferde. So konnte sich kein Elefantenfan im Zoo verirren. Neben dem Elefantental, wie das neue Elefantenareal heißt, sprachen Mitarbeiter des Zoos sowie mit dem Prager Tierpark verbundene Persönlichkeiten. Eine große Delegation ist zu dieser Gelegenheit extra aus Sri Lanka nach Prag gereist. Denn eben aus diesem asiatischen Land stammen zwei Elefantendamen. Sie kamen voriges Jahr in den Prager Zoo. Für die musikalische Begleitung sorgte „Taxila Central College Culture Troupe“, ein Folkloreensemble aus Sri Lanka.

Miroslav Bobek (links)Miroslav Bobek (links) Der Leiter des Prager Zoo Miroslav Bobek nannte die Eröffnung der neuen Pavillons für Elefanten und Nilpferde den Beginn einer neuen Ära im Zoo. Und dabei ist das neue Elefantental das bereits dritte Areal für Elefanten in der Geschichte des Zoos:

„Der überhaupt erste Elefant, nicht nur im Prager Zoo, sondern überhaupt in einem tschechoslowakischen Zoo, war Baby. Er stammte aus Ceylon und lebte im Prager Zoo im Pavillon der Dickhäuter. Aber er passte bald nicht mehr in dieses Haus herein. Ende der 1930er Jahre wurde in der Tageszeitung Lidové noviny eine Karikatur veröffentlicht, auf der Elefant Baby mit dem ganzen Zoo auf dem Rücken von hier wegläuft. Erst in den 1970er Jahren wurde der Pavillon für große Säugetiere erbaut, den noch fast alle Besucher unseres Zoo gut kennen. Als er eröffnet wurde, waren wieder zwei Elefanten aus Ceylon, Kadira und Sudari, dabei. Damals schenkte die Ministerpräsidentin von Ceylon diese Tiere dem Zoo. Und auch jetzt, bei der Eröffnung des neuesten Elefantenpavillons, sind erneut zwei Elefanten dabei, die wir von der Regierung von Sri Lanka bekommen haben. Sie heißen Tamara und Janita.“

Zum neuen Elefantental gehört nicht nur ein beheizter Pavillon, sondern vor allem ein großes Freigehege mit einer Fläche von 8.500 Quadratmetern. Dies werde dem Zoo ermöglichen, Elefanten zu züchten, so Bobek. Das erste Elefantenbaby kam schon kurz vor der offiziellen Einweihung des Pavillons zur Welt. Am Tag der Eröffnung wurde die kleinste Bewohnerin des Pavillons feierlich „getauft“. Den Namen konnten die Zoo-Besucher zuvor selbst vorschlagen: aus fast 12.000 Ideen haben die Zoo-Mitarbeiter den Namen Sita ausgesucht.

Mit dem Bau der neuen Pavillons wurde laut Zoo-Leiter Miroslav Bobek ein symbolischer Schlusspunkt unter die Hochwasserkatastrophe von 2002 gesetzt. Damals wurde das alte Elefantenhaus überschwemmt.

„Der Elefant Kadira, die Nilpferde sowie viele weitere Tiere sind bei der Überschwemmung umgekommen. Dies darf sich nie mehr wiederholen. Der Zoo hat den Bau eines neuen Elefantenpavillons schon seit der Hochwasserkatastrophe geplant, der Grundstein wurde 2010 gelegt. Und ich bin allen dankbar, die sich am Bau beteiligt haben.“

Der neue Pavillon für Elefanten sei völlig anders als das alte Elefantenhaus, sagt der Kurator des Zoos, Pavel Brandl. Das neue Freigehege sowie das Haus repräsentieren ein hohes Niveau.

„Das Elefantental im Prager Zoo muss den Vergleich mit den besten Elefantenhäusern in Europa nicht scheuen. In unserem Pavillon können zehn Elefanten leben, momentan sind acht Tiere hier. Dies ist die höchste Zahl in der Geschichte der Elefantenzucht im Prager Zoo. Das Areal wurde so errichtet, dass es dem Prinzip des so genannten ´geschützten Kontakts´ entspricht. Die Elefanten leben auf eine natürlichere Weise als zuvor. Innerhalb der Elefantengruppe herrscht das Matriarchat, das ist für Elefanten typisch.“

Der Ostersamstag war jedoch noch sehr frostig und deswegen konnten die Besucher draußen nur einen einzigen Elefanten sehen. Ursprünglich wollten die Zoo-Mitarbeiter auch die anderen Elefanten den Besuchern im Freigehege vorstellen.

„Draußen ist jetzt nur das Elefantenmännchen Mekong. Dies ist durch das Wetter bedingt, aber auch durch das Verhalten unserer Gruppe von Elefantendamen. Sie stammen zwar von verschiedenen Orten – aus Rotterdam, aus Sri Lanka und aus Prag, aber innerhalb von etwa drei Wochen haben die Tiere eine sehr starke Familienbande gebildet. Wir haben versucht, jene Elefanten, die schon länger im Prager Zoo leben, ins Freigehege zu locken, aber die Elefantenfamilie hat ein klares ‚Nein’ gesagt.“

Die Elefantendamen, die voriges Jahr aus Sri Lanka kamen, sowie die Elefantenmutter Dona mit ihrem Baby, hätten die anderen Elefantenweibchen zurück in den Pavillon gerufen, erzählt der Kurator.

„Wir haben uns entschieden, nicht in diese Familie einzugreifen. Wir warten jetzt auf Temperaturen über 10 Grad Celsius. Dann darf das Elefantenbaby rausgehen und auch die Elefantendamen aus Sri Lanka können für eine kurze Zeit ins Freigehege. Was die Rufe der Elefanten anbelangt: die Skala der Töne, die sie benutzen, ist sehr breit. Sie beginnt mit leisen Pfiffen und endet mit stürmischem Blasen. Die Elefantenweibchen haben alle diese Töne benutzt, um uns davon zu überzeugen, dass sie beisammen bleiben wollen.“

Neben dem Elefantental befindet sich zudem der neue Pavillon für Nilfperde, in dem die Besucher die Dickhäuter auch bei recht graziösen Schwimmübungen im Becken bewundern können. Der Prager Zoo ist von 9 bis 18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr geöffnet. Am besten ist er mit dem Bus Nr. 112 von der Metro-Station Bahnhof Holešovice zu erreichen.

Fotos: Martina Schneibergová

05-04-2013