Lustschloss der Königin Anna

24-03-2001

Von Martina Schneibergova.

Lustschloss der Königin AnnaLustschloss der Königin Anna Willkommen zu einer neuen Ausgabe des Spaziergangs durch Prag. Als der schönste Renaissancebau nördlich der Alpen wird es bezeichnet - das Lustschloss, das Ferdinand I. für seine Gemahlin Anna erbauen ließ. Mehr über diesen einzigartigen Renaissancebau sowie die Königin, die die Vollendung des Lustschlosses jedoch nicht mehr erlebte, erfahren Sie in den folgenden Minuten - im Rahmen unserer Sendereihe in der wir Ihnen einmal monatlich berühmte Frauenpersönlichkeiten vorstellen, die mit Prag und seinen Sehenswürdigkeiten irgendwie verbunden waren.

Der Königsgarten, an dessen östlichem Rand sich das Lustschloss der Königin Anna Jagiello befindet, wurde von Ferdinand I. 1534 errichtet. Das königliche Lustschloss wird manchmal auch Belvedere genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht richtig, denn Belvedere hieß das Lustschloss, das Graf Franz Waldstein 1715 oben auf dem Letna-Plateau erbauen ließ. Dieses Lustschloss wurde 1743 jedoch von den französischen Soldaten in die Luft gesprengt. Während des 18. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung "Belvedere" auf das unweit gelegene Lustschloss der Königin Anna übertragen.

Ferdinand I. schloss am 13. November 1534 einen Vertrag mit italienischen Bau- und Maurermeistern ab, im Winter wurde das notwendige Material besorgt. Mit der Bauaufsicht wurden der italienisch sprechende Sekretär der Böhmischen Kammer, Florian Griespek von Griespach und der Hauptmann der Prager Burg, Jiri von Gersdorf beauftragt. Der Bau dauerte jedoch, wegen eines ständigen Mangels an finanziellen Mitteln, sehr lange.

1535 kam der Maurermeister Giovanni Spatio nach Prag und begann an der Gartenmauer zu arbeiten. Die Bauarbeiten am Lustschloss begannen unter persönlicher Teilnahme des Herrschers 1538. Das Projekt wurde vom Architekten Paolo della Stella ausgearbeitet, der 1537 mit 13 Steinmetzen in Prag eintraf. Die Böhmische Kammer hatte mit den Italienern wegen ihrer hohen finanziellen Ansprüche gewisse Probleme. Die italienischen Meister ließen ihre Gesellen auch außerhalb von Prag arbeiten, und Ferdinand selbst musste von Zeit zu Zeit Spatio oder Stella zur fleißigeren Erfüllung ihrer Pflichten anhalten.

Der Bau wurde nach Stellas Tod vom Wiener Baumeister Bonifaz Wohlmut zwischen 1556 und 1564 beendet. Die Italiener hatten einen offenen Arkadengang um das Schlösschen geführt, der für den Renaissancestil typisch war. Die Rundbögen der Loggia ruhen auf schlanken Säulen und diese Säulen stehen auf einer Brüstung, die unter den Stützen gleich einem Sockel vorspringt. Längliche Reliefe schmücken die Basen, Reliefe von breitem Format hingegen die Zwickel zwischen den Bögen. Das obere Geschoss springt auf allen vier Seiten zurück, und so kann das Erdgeschoss mit einer flachen Brüstung abschließen. Die Gliederung der Fassaden durch den Wechsel von Fenstern und Nischen war eine Idee des Baumeisters Bonifaz Wohlmut. Das Dach hat die Form eines kieloben gelegten Bootes und ist mit Kupferplatten gedeckt.

Während des Dreißigjährigen Krieges und der Kriege Maria Theresias wurde das Schloss einige Male beschädigt. In den Jahren 1779 bis 1838 wurde es sogar als Artillerielabor genutzt. Das Interieur des Lustschlosses wurde durch den in den folgenden Jahren durchgeführten Umbau verändert. Auf einem der bereits erwähnten Reliefs, die vor allem mythologische Motive darstellen, kann man einen Kavalier mit dem Goldenen Vliesorden sehen, der einer Dame die Feigenblüte reicht. Die beiden Gestalten stellen den Begründer des Lustschlosses, Ferdinand I. und seine Gattin, Anna Jagiello, dar. Die Königin, die 1547 starb, hat jedoch die Vollendung des für sie errichteten Lustschlosses nicht mehr erlebt.

Wie war eigentlich die Dame, die auf dem Relief eine Feigenblüte bekommt? Es wird behauptet, Anna Jagiello habe große Sympathien für Böhmen gehabt. Die Tochter des Königs Vladislav II. und der Königin Anna kam am 23. Juli 1503 auf einem Schloss im ungarischen Buda zur Welt. Seit ihrer Kindheit war die königliche Tochter Gegenstand heftiger Streitigkeiten und Verhandlungen. Schon 1506 bewarb sich der ehrgeizige Herzog von Siebenburgen, Jan Zapolski, um ihre Hand. Sie sollte ihm zu Herrengütern in Ungarn verhelfen. Gleichzeitig bemühte sich jedoch auch Kaiser Maxmilian I. um die Hand der kleinen Prinzessin. In den im März 1506 geschlossenen Übereinkünften wird Annas Verlobung mit dem Enkelsohn des Kaisers, Ferdinand erwähnt. Diese Verbindung wurde noch mit mehreren anderen Abkommen bekräftigt. Außerdem bewarben sich auch bayrische Herzöge um Annas Hand.

Anna verbrachte die ersten Jahre in Ungarn. 1509 begab sich König Vladislav zum ersten Mal mit Anna und ihrem Bruder Ludwig nach Böhmen. Damals blieb sie in Prag ein Jahr lang. Sie sprach damals nur ungarisch und begann mit dem Lateinunterricht. Annas Vater ging es darum, dass man sie - falls ihr Bruder sterben sollte - als Erbin des Königtums Böhmen anerkennt. Der König ließ sich deswegen von den böhmischen Ständen bestätigen, dass sich in Annas Umgebung immer genauso viele Personen aus dem Königtum Böhmen wie aus Ungarn bewegen sollten, damit sie die tschechische Sprache erlernen kann. Diesem Versprechen wurde noch ein weitere angeschlossen - dass Anna ohne das Wissen des Rates des böhmischen Königtums nicht verheiratet werden darf.

Zu Annas Verlobung kam es - wie erwähnt - 1515 - aber ohne dass böhmische Stände gefragt wurden. In Pressburg wurde ein Ehevertrag zwischen Anna und dem Erzfürst Ferdinand von Habsburg unterzeichnet. Danach reiste Vladislav mit Anna nach Wien. Dort wurde sie von Kaiser Maxmilian gekrönt. Nach der Zeremonie haben der Kaiser und Anna im Stephansdom versprochen, dass der Kaiser sie heiraten wird, falls sie innerhalb eines Jahres keiner seiner Enkelsöhne heiratet. Die damals 13-jährige Anna blieb an Maxmilians Hof, um die deutsche Sprache zu lernen.

1516 hatte der Kaiser auf Anna als seine eventuelle Braut verzichtet, denn Erzfürst Ferdinand, der zu der Zeit in Spanien weilte, hat sich zu Anna als seiner künftigen Braut bekannt. Nach dem Tod von König Vladislav hat Ferdinand jedoch mit der Heirat gezögert. Er behauptete, er sei in der Zeit seiner Verlobung minderjährig gewesen und das Versprechen sei aus diesem Grund ungültig. Erst als die Ungarn Anna aufforderten, den kaiserlichen Hof zu verlassen, und Karl von Habsburg, der sich nach Maxmilians Tod um den Kaisertitel bemühte, Probleme bereiteten, wurde die Frage Annas Vermählung wieder in den Vordergrund gestellt. Karl brauchte die Stimme Böhmens und so verpflichtete er sich, noch vor seiner Wahl für die Verwirklichung der einstigen Vereinbarungen zu sorgen.

Die Verhandlungen über die Verbindung des Jagiellonengeschlechts mit den Habsburgern wurden sowohl vor als auch nach Karls Krönung geführt. Am 7. November 1520 erklärte der neue Kaiser Karl V., er habe bislang die Entscheidung bezüglich Annas Heirat hinausgeschoben, weil er selbst auf die Braut nicht verzichten wollte. Jetzt habe er jedoch andere Verpflichtungen und so erlaube er, die einstigen Vereinbarungen zu verwirklichen. Annas Verlobung mit Ferdinand fand am 11. Dezember 1520 in Innsbruck statt. Der Bräutigam, der zu jener Zeit in Brüssel weilte, wurde durch seinen Stellvertreter vertreten. Eine pompöse Hochzeit - diesmal schon unter Ferdinands persönlicher Teilnahme - wurde dann im Mai 1521 gefeiert.

Die Chronisten behaupten, Ferdinand habe sich bald in seine Frau verliebt. Er ernannte sie gemeinsam mit dem Bischof von Trieste zur Vorsitzenden seines Hofrates. Anna bemühte sich, die Freundschaft zwischen ihrem Mann und ihrem Bruder Ludwig zu festigen, dessen verschiedene Schwächen sie zu verbessern versuchte. 1526 starb König Ludwig, der männliche Nachkomme der böhmischen Jagiellonen in der Schlacht bei Mohacs. Noch bevor sich die unsichere Nachricht über Ludwigs Tod in Böhmen verbreitet hatte, begannen Ferdinand und Anna sich anhand Annas Erbrechts um die böhmische Krone zu bemühen. Dies wiesen jedoch die böhmischen Stände zurück, die an das Privileg Karls IV. aus dem Jahr 1348 erinnerten und es so deuteten, dass Anna, die noch zu ihres Vaters Lebzeiten verheiratet wurde, damit das Erbrecht verloren habe. Da es keine anderen Erben gab, sollte ein neuer König gewählt werden, meinten die Stände.

Ferdinand und Anna waren gezwungen, ihren ursprünglichen Standpunkt aufzugeben und sich um ihre Wahl zum böhmischen Königspaar zu bemühen. Ihre Bemühungen waren erfolgreich - am 23. Oktober 1526 wurde Erzfürst Ferdinand zum böhmischen König gewählt. Anfang November wurde Anna von den Ständen als Erbin des Markgrafentums Mähren anerkannt. Im Dezember haben auch die Schlesier Annas Gatten als ihren Herrscher akzeptiert. Im Januar 1527 begaben sich Anna und Ferdinand auf den Weg von Wien nach Böhmen. Die Königin wurde von Adeligen sowie von Bürgerfrauen in Kuttenberg begrüßt. Am 5. Februar traf das Paar feierlich in Prag ein. Am 25. Februar fand die Krönung der neuen böhmischen Königin statt.

Königin Anna war in Böhmen beliebt. Die Zeitgenossen behaupten, sie sei für eine Mutter des Volkes gehalten worden. Sie war sehr wohltätig, oft nahm sie sich der Armen und Bedürftigen an und erbat beim König Hilfe für diejenigen, denen es um Güter oder Leben ging. Anna war durch ihre Religiosität und Klugheit berühmt geworden. Sie wird für die Autorin der Schrift "Clypeus pietatis" - das Schild der Religiosität - gehalten. Während ihrer 26 Jahre dauernden Ehe mit Ferdinand hatte sie 15 Kinder. Das letzte Kind kam 1547 zur Welt und verursachte auch den Tod seiner Mutter.

Das ganze Land trauerte um seine Königin. Ihre Fürbitten hatten sich so oft bewährt. Sie hat angeblich noch auf dem Sterbebett erreicht, dass einige Verurteilte begnadigt wurden. Bestattet wurde sie am 30 Januar 1547 auf der Prager Burg - unweit vom Grab Karl IV. Ferdinand ordnete damals an, dass er nach dem Tod neben der Königin bestattet werden soll.

24-03-2001

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