Jüdisches Museum entdeckt den Prager Maler Jiri Jilovsky wieder

17-09-2005

Er schuf viele Graphiken mit herrlichen Altprager Motiven, meistens zeigen sie die Altstadt und das jüdische Viertel. Heute ist sein Name jedoch nur noch einigen Graphik- und Exlibris-Sammlern bekannt. Die Rede ist vom Maler Jiri Jilovsky. Seit 1927, also nach fast 80 Jahren, hat die Öffentlichkeit nun zum ersten Mal wieder die Möglichkeit, sich mit seinen Werken bekannt zu machen. In die Prager Robert Guttmann-Galerie laden Sie im folgenden Spaziergang durch Prag Martina Schneibergova und Bernd Janning ein.

Auch wenn der Name von Jiri Jilovsky der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt ist, sind seine Werke in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Das Jüdische Museum in Prag will in der jetzigen Ausstellung auf das Schaffen dieses fast vergessenen jüdischen Künstlers aus Prag aufmerksam machen. Jiri Jilovsky wurde 1884 im Prager Stadtteil Kralovske Vinohrady/ Königliche Weinberge geboren. Sein Familienmilieu war zweisprachig. Die Mehrheit der Familie war eher dem Tschechischen zugeneigt. Er selbst benutzte seinen Vornamen sowohl in seiner tschechischen, als auch in der deutschen Form Georg. Der Kurator der Ausstellung Arno Parik dazu:

"Er besuchte die deutsche Realschule in der Mikulandska-Straße, die berühmt geworden ist, da dort mehrere später bekannte Persönlichkeiten des Prager Kulturlebens studierten. Er wurde durch den Jugendstil und das Prager Milieu stark beeinflusst. Jilovsky bewunderte die deutschsprachigen Schriftsteller aus Prag. Es faszinierte ihn die geheimnisvolle Atmosphäre der Stadt, wie sie von Oskar Wiener, Rainer-Maria Rilke oder Gustav Meyrink beschrieben wurde. Sie waren alle älter als er, aber diese Lektüre hat ihn begeistert und stark inspiriert."

Jilovsky begann 1900 an der Prager Kunstgewerbeschule zu studieren, zu seinen Lehrern gehörten bekannte tschechische Maler - wie Jakub Schikaneder, Jan Preisler oder Felix Jenewein. In den Jahren 1904-1907 studierte er an der Prager Akademie der bildenden Künste bei Frantisek Thiele. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in München kehrte Jilovsky nach Prag zurück, wo er von 1908 bis in die dreißiger Jahre hinein in seinem Atelier in der Hastalska-Straße malte. Noch während seines Studiums begann Jilovsky Einladungen zu Bällen, Ansichtskarten, Karikaturen, Plakate und vor allem Exlibris zu entwerfen, sagt der Kurator und betont:

"Sein Wirkungsbereich war etwas spezifisch, er beschäftigte sich viel mit der angewandten Graphik, schuf aber auch graphische Blätter. Da handelte es sich vor allem um verschiedene Prager Motive, die sehr herrlich und voll von Atmosphäre sind. Seit 1904 stellte er Anträge für ein Stipendium bei der Gesellschaft zur Förderung der deutschen Wissenschaft und Kunst. Seine letzte Studienreise führte nach Berlin, dort wollte er Bühnenbild bei Max Reinhardt studieren. Vielleicht hatte er schon damals vor, sich an der Tätigkeit des Neuen Deutschen Theaters in Prag zu beteiligen. Mit Bühnenentwürfen begann er in Prag jedoch erst in den zwanziger Jahren."

Für die wichtigste künstlerische Zeitetappe in Jilovskys Schaffen hält Kurator Arno Parik die Zeit bis zum Beginn der zwanziger Jahre. Zu der Zeit begann Jilovsky in der Werbeabteilung der Gesellschaft "La Tricolore" zu arbeiten. In den Jahren 1928-1932 arbeitete er für das Neue Deutsche Theater:

"Er wurde mit dem Staatspreis ausgezeichnet, und zwar für den Bühnenentwurf für die Oper ´Schwanda, der Dudelsackpfeifer´ von Jaromir Weinberger. Ich habe die Entwürfe vom Nationalmuseum ausgeliehen, um sie in der Ausstellung zu präsentieren. Diese Opernvorstellung war damals sehr erfolgreich."

In der Ausstellung kann man neben den erwähnten Bühnenentwürfen zahlreiche Exlibris bewundern. Zu Jilovskys Klientel gehörten Prager Intellektuelle, vor allem Ärzte, Juristen und Unternehmer. Arno Parik dazu:

"Die ältesten Jugendstil-Exlibris sind am interessantesten. Bemerkenswert sind auch die späteren Exlibris aus den dreißiger Jahren, die viel sachlicher und einfacher sind."

Jilovsky schuf Exlibris u. a. für den Prager Dichter Oskar Wiener, mit dem er das ganze Leben lang befreundet war. Er war dem Kurator zufolge Mitglied mehrerer Künstlervereine - der Vereins ´Schlaraffia´, des Verbands der Schriftsteller und Künstler ´Concordia´, des Vereins deutscher bildender Künstler in Böhmen sowie der Künstlervereinigung Hagenbund. Im Museum für tschechische Literatur findet man viele Karikaturen der Mitglieder des Vereins ´Schlaraffia´.

Während der Nazi-Okkupation wurden Jilovskys Geschwister mit ihren Familien und auch sein älterer Sohn Hanus nach Theresienstadt deportiert. Im September 1943 wurde auch Jilovsky mit seiner Frau Marie verhaftet. Aus Theresienstadt wurde der Maler ins KZ Auschwitz und seine Frau ins KZ Ravensbrück verschleppt. Mit einigen weiteren Künstlern wurde Jilovsky im November 1944 nach Sachsenhausen transportiert, wo sie Mitglieder des so genannten "Fälscherkommandos" wurden. Nach zwei Jahren, die er in verschiedenen KZs verbracht hatte, kehrte Jilovsky im Mai 1945 nach Prag zurück. Hier erwarteten ihn nur schlechte Nachrichten. In Auschwitz wurden beide seine Söhne und weitere Verwandte ermordet. Seine Frau erkrankte an Tuberkulose und starb im Januar 1948. Jilovsky versuchte dennoch, wieder künstlerisch tätig zu werden:

"Ich meine jedoch, dass er von diesen Schicksalsschlägen tief gezeichnet war. Es gelang ihm nicht mehr, diese Depression zu überwinden."

Die Prager Klientel, für die der Maler einst Exlibris und andere kleinere graphische Werke schuf, existierte in Prag nach dem Krieg praktisch nicht mehr. Jiri Jilovsky starb im Alter von 74 Jahren im Jahre 1958.

Die Ausstellung, die Werke von Jiri Jilovsky zeigt, ist in der Robert Guttmann Galerie in Prag bis zum 6. November zu sehen.

Zum Abschluss des heutigen Spaziergangs noch die übliche Frage zur Sendung, für deren richtige Beantwortung Sie eine CD gewinnen können. Maler Jiri Jilovsky arbeitete auch für das Neue Deutscher Theater in Prag. Falls Sie wissen, wo sich sein Gebäude befindet bzw. welche Bühne dort heute ihren Sitz hat, können Sie es uns schreiben. Ihr Zuschriften richten Sie, bitte, an Radio Prag, Vinohradska 12, PLZ 120 99 Prag 2.

17-09-2005