Mit dem Ochsengespann in die Klinik

Der tschechische Caritasverband ist in vielen Ländern der Welt tätig. Neben rein humanitären Projekten hilft er im Gesundheitswesen, in der Sozialarbeit, Landwirtschaft, in der Bildung sowie bei der Einhaltung der Menschenrechte. Zu diesem Zweck betreibt die Caritas eigene Büros. Das größte von ihnen nach der Zahl der Mitarbeiter besteht in Sambia.

Tea Tihounová (Foto: Martina Schneibergová)Tea Tihounová (Foto: Martina Schneibergová) Der tschechische Caritasverband hat sein Büro in Sambia vor mehr als fünf Jahren eröffnet. Derzeit würden dort mehr als 70 Angestellte arbeiten, die vorwiegend selbst aus Sambia stammen, erzählt Tea Tihounová. Sie hat das Büro mit aufgebaut und leitet es seitdem auch.

„Unser Ziel ist es, Partner der sambischen Regierung zu sein und dort zu helfen, wo der Staat nicht tätig werden kann. Unsere Rolle besteht darin, die Lücken in den Kapazitäten zu finden, Hilfe zu leisten und die Bewohner zu beraten. Für Lücken, die wir finden, arbeiten wir Projekte aus. Dafür müssen wir finanzielle Mittel gewinnen und natürlich schließlich die Arbeit machen.“

Neben den mehr als 70 festen Angestellten verfügt die Caritas in dem südafrikanischen Land über mehr als 140 Freiwillige. Unter anderem klären sie bei Hygiene und Gesundheit auf. Das sei eine sehr wichtige Arbeit, weil die Menschen vor Ort leichter die Ratschläge von Ihresgleichen akzeptieren würden, sagt Tea Tihounová:

„Die Freiwilligen arbeiten in entfernten Gemeinden, besuchen beispielsweise schwangere Frauen und sind bei der Aufklärung aktiv. Das Interesse für die Freiwilligenarbeit ist vor allem in den entfernten Regionen sehr groß. Die Bewohner wollen Neues erfahren. Denn sie haben beispielsweise erlebt, dass eine Frau aus ihrer Umgebung bei der Geburt gestorben ist. Sie wollen darum Änderungen in ihren Gemeinden anregen.“

Land der großen Entfernungen

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Sambia ist ein großes Land, die Caritas-Mitarbeiter müssen bei ihrer Arbeit oft mehrere Hundert Kilometer weit reisen.

„In einer Region an der Grenze zur Republik Kongo leben beispielsweise Flüchtlinge aus dem Nachbarland, die wir betreuen. Diese Gegend ist etwa 1000 Kilometer von der Hauptstadt Lusaka entfernt. In der Regel versuchen wir, an Orten tätig zu sein, die nicht einfach zu erreichen sind. Dort mangelt es an medizinischer Betreuung, an Schulen, und es fehlen Beschäftigungsmöglichkeiten, indem die Menschen etwa unternehmerisch tätig werden. Deswegen konzentrieren wir uns auf die Westprovinz, die sehr spezifisch ist. Sie gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Regionen Sambias und hat zudem die niedrigste Bevölkerungsdichte. Die Gegend ist sehr sandig, die Entfernungen zwischen den Orten sind sehr groß. Für die künftigen Mütter ist es oft schwierig, rechtzeitig in eine Entbindungsklinik zu kommen. Als Verkehrsmittel dient meist ein Ochsengespann.“

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Die Freiwilligen helfen den Müttern dann oft bei der Fahrt ins Krankenhaus. Wenn das Kind jedoch früher zur Welt kommt, kann dies zu folgenreichen Komplikationen führen, sagt Tihounová.

„Die Caritas errichtet aus diesem Grund nahe den Entbindungskliniken spezielle Unterkünfte für die künftigen Mütter. Dort können sie bereits einige Tage vor der Entbindung einziehen und sich auf die Geburt vorbereiten.“

Flüchtlinge aus dem Kongo

Tihounová hält Sambia für ein ruhiges Land inmitten von unruhigen Nachbarstaaten. So hat Sambia eine 2000 Kilometer lange Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Diese sei sehr instabil, so Tihounová.

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes „Flüchtlinge aus Kongo strömen nach Sambia. Im vergangenen Jahr gab es sogar eine starke Flüchtlingswelle. Innerhalb von einigen Monaten kamen rund 20.000 Menschen nach Sambia. Die sambische Regierung ist sehr entgegenkommend und bemüht sich, den Flüchtlingen unter die Arme zu greifen. Sie ermöglicht auch Hilfsorganisationen, darunter der Caritas, dort aktiv zu werden, wo sie es selbst nicht schafft. Sambia hat den Flüchtlingen ein Gebiet zur Verfügung gestellt, auf dem sie einfache Häuser bauen können. Sie bekommen sogar kleine Grundstücke, um Gemüse anzubauen. Wir bemühen uns, den Flüchtlingen bei der Bewältigung ihrer Lage zu helfen.“

Unter anderem berät die Caritas beim Anlegen von Gemüsegärten und stellt auch selbst Saatgut zur Verfügung.

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes

Aufklärung für werdende Mütter

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Ein weiteres wichtiges Gebiet ist das Gesundheitswesen. Denn Sambia hat immer noch eine hohe Säuglingssterblichkeit.

„Für dieses Problem gibt es keine allgemeine Lösung. Die sambische Regierung hat nicht so viel Geld, um das Problem selbst in Griff zu bekommen. In der Westprovinz, wo wir helfen, sehen wir positive Ergebnisse unserer Bemühungen. Dies gibt uns die Energie für unsere weitere Arbeit. Die dortigen Frauen haben früher ihre Kinder vorwiegend zu Hause zur Welt gebracht. Sie hatten auch keine Vorstellung davon, wie sich dies anders regeln ließe. Nach fünf Jahren Arbeit sehen wir, dass die meisten Frauen ihr Kind in einer Klinik zur Welt bringen. Die Sterberate bei Geburt ist dadurch stark gesunken.“

Die medizinische Aufklärungsarbeit, die die Freiwilligen auf dem Land machen, hat aber noch ein weiteres Ziel. So konnten in den letzten Jahren die Frauen und ihre Partner davon überzeugen, dass sie beim Besuch einer Klinik einen HIV-Test machen.

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes „Wir erleben, dass die künftigen Väter ihre Partnerinnen begleiten, wenn sie während der Schwangerschaft zur Untersuchung ins Krankenhaus gehen. Sie lassen sich dann beide auf HIV testen. Dies ist wichtig, um die Übertragung des Virus auf das Kind zu verhindern. Die Zahl der angesteckten Neugeborenen ist stark zurückgegangen.“

Die Caritas hilft in Sambia aber nicht nur im Gesundheitswesen oder bei der Betreuung von Flüchtlingen, sondern sie vermittelt auch jungen Menschen Ausbildungsplätze und berät sie bei der Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit.

Tea Tihounová leitet das Caritas-Büro in Sambia seit dem Start vor fünf Jahren. Sie sei von Anfang an von der sambischen Kultur und der Ausstrahlung der Einwohner fasziniert gewesen, sagt sie:

„Die Leute sind sehr freundlich, bescheiden und zudem versöhnlich. Man kann sehr gut mit ihnen reden. Sie versuchen, Konflikte zu vermeiden. Wenn wir bei den Behörden etwas erledigen und dabei Probleme haben, bemühen sie sich, diese zu lösen. Dies fiel mir gleich am Anfang auf. Ich habe zuvor auch in anderen Ländern Afrikas gelebt, beispielsweise in Äthiopien. Die Äthiopier sind herzlich, aber nicht so versöhnlich.“