Außenstelle zwischen München und Warschau

Das Deutsche Historische Institut Warschau und das Collegium Carolinum München haben eine Außenstelle in Prag eröffnet. Das Programm der neuen Arbeitsstelle wurde am Montag in der Villa Lanna vorgestellt. Martina Schneibergová nahm an der feierlichen Eröffnung der Prager Außenstelle teil. Bei dieser Gelegenheit hat Sie mit dem Direktor des Deutschen Historischen Instituts Warschau, Professor Miloš Řezník, gesprochen.

Miloš Řezník (Foto: Martina Schneibergová)Miloš Řezník (Foto: Martina Schneibergová) Herr Professor Řezník, was war der Beweggrund für die Gründung einer Außenstelle Ihres Instituts und des Collegium Carolinum in Prag?

„Dies hängt mit der Aufgabenstellung, die die beiden Institute haben. Collegium Carolinum existiert seit über 60 Jahren und spezialisiert sich auf die Geschichte und Kultur der Böhmischen Länder und der Slowakei. Das Deutsche Historische Institut hat Sitz in Warschau. Aber seine Aufgabenstellung bezieht sich nicht nur auf Deutsch, Polnisch oder Länder, die historisch zu Polen gehört haben, sondern das Institut versteht sich als ein Forschungsakteur in der mitteleuropäischen Region. Die zweite Überlegung war die Vorgeschichte des Instituts – die schwierige Entscheidung in Deutschland in den Jahren 1992-1993, ob es in Prag oder in Warschau errichtet werden sollte. Damals hat man sich für Warschau entschieden. Jetzt nach 25 Jahren haben wir gesagt, dass wir auch in Prag präsent sein möchten.“

Sitz der Außenstelle des Collegium Carolinum und des DHIW in Prag (Foto: Google Street View)Sitz der Außenstelle des Collegium Carolinum und des DHIW in Prag (Foto: Google Street View) Die Außenstelle wird sich aber nicht nur auf die Kooperation der Historiker konzentrieren, wie angedeutet wurde. Was für andere Forschungsbereiche umfasst die Arbeit?

„Auch in unserem Institut ist es dem so. Collegium Carolinum ist noch offener, was die Forschungsdisziplinen anbelangt. Wir verstehen uns als Institut zu historische definierten Problemen und Themen. Das bedeutet nicht, dass nur Historiker dazu etwas zu sagen haben. Bei uns in Warschau sind mindestens ein Drittel der Mitarbeiter keine Historikerinnen und Historiker. Bei uns sind Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Filmwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und auch Slawistik vertreten.“

Wer ist der Hauptpartner in Prag?

„Es ist paradoxerweise das Collegium Carolinum, weil wir einem gemeinsamen Weg gehen. Der erste Partner ist die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, die uns von Anfang an logistisch und organisatorisch sehr stark unterstützt hat. Die Frage hat zwei Ebenen, weil beide Institute hier im Land seit Jahren Partner haben, mit denen sie zusammenarbeiten. Wir haben gemeinsame Veranstaltungen und Projekte mit unseren Kollegen von der Karlsuniversität und von der Universität in Olmütz verwirklicht.“

Gibt es inzwischen konkrete Programme für die Außenstelle?

„Wir haben konkrete Vorhaben, die heute angesprochen worden sind. Das sind Tagungen, die für das nächste Jahr schon feststehen. Wir haben Buchpräsentationen von deutschen Historikern geplant, die tschechische Themen betreffen. Wir organisieren eine gemeinsame Vortragsreihe, die im Oktober beginnt.“

Arbeiten Sie jetzt an einem Thema aus der jüngsten Geschichte zusammen?

„Wir bereiten jetzt die tschechische Übersetzung eines Buchs von Sabine Stach vor. Sie kommt aus Leipzig und arbeitet zurzeit in Warschau. Sie hat sich mit dem Thema des Kults von Jan Palach beschäftigt. Die Dissertationsarbeit ist in Leipzig verteidigt worden und vor zwei Jahren in Deutsch erschienen. Wir möchten die Arbeit auch dem tschechischen Publikum vorstellen. Wir befassen wir uns auch mit historischen Expertisen in der Gegenwartsforschung. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie und wozu die Gesellschaft als Nation, als eine Teilgruppe die Geschichte nutzt. Zu diesem Thema organisieren wir in Prag im Frühjahr in der Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften eine Tagung.“

 

Die neue Prager Außenstelle des Deutschen Historischen Instituts Warschau und des Collegium Carolinum Müchen befindet sich in der Valentinská 91/1 in der Prager Altstadt.