Lazne Kynzvart/Bad Königswarte

18-11-2000

Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei einer weiteren Ausgabe des Regionaljournals. Der Winter steht vor der Tür und vor den Toren der Burgen und Schlösser. Für die meisten tschechischen Burgen und Schlösser ist die diesjährige touristische Saison mit Oktober zu Ende gegangen. So wollen wir ihnen heute im Regionaljournal einen Rückblick der wichtigsten Ereignisse auf diesem Gebiet bieten. Auch laden wir Sie in das westböhmische Lazne Kynzvart/Bad Königswarte ein. Erstens ist dies ein mitten in den Wäldern gelegener malerischer Ort, zweitens beherbergt Bad Königswarte ein prächtiges Schloss, dessen Wiedereröffnung trotz des anbrechenden Winters am vergangenen Montag vor sich ging. Zu all dem wünschen Ihnen gute Unterhaltung und ungestörten Empfang Olaf Barth und Dagmar Keberlova.

In der Tschechischen Republik gibt es ca. an die 2000 Burgen, Schlösser und weitere Denkmäler. Von all diesen sind nur ungefähr 180 für die Öffentlichkeit zugänglich, sie befinden sich sowohl im Staats- als auch im Privatbesitz. In der diesjährigen Saison waren abgesehen von dem ständigem Angebot der Burgen einige Neuheiten zu finden. Das wichtigste Ereignis war den Fachleuten zufolge zweifellos die Wiedereröffnung der Sommerresidenz des Kanzlers Metternich, des Schlosses Kynzvart, zu der wir später kommen werden.

Karlstejn (Foto: Czechtourism)Karlstejn (Foto: Czechtourism) Eine weitere, sehr bedeutende Eröffnung, die zur Verbreitung des bestehenden Angebots beigetragen hat, war auf der Burg Karlstein die Kappelle des Heiligen Kreuzes. Nach 19 Jahren, in denen sie rekonstruiert wurde, wurde die Kappelle zu Beginn des Sommers von Kardinal Miloslav Vlk, zum zweiten Mal seit ihrem Bestehen geweiht. Die Kappelle des Heiligen Kreuzes kann allerdings nur unter restriktiven Bedingungen besucht werden, um das notwendige Mikroklima im Raum zu erhalten. Nur 10 angemeldete Besucher pro Stunde, also 12 000 pro Jahr können diese europaweit einzigartige Kappelle besichtigen. Die Burg Karlstein an sich ist nach der Prager Burg die meist besuchteste in Tschechien. Die Tore dieser bleiben allerdings in den nächsten fünf Monaten geschlossen.

Einige Burgen und Schlösser bleiben in Tschechien auch im Winter geöffnet. Zu diesen gehören das mittelböhmische Schloss Veltrusy, dass bis Ende Dezember offen steht. Die westböhmische Burg Loket ist ebenfalls für die Besucher über den Winter offen und hier plant man sogar, ab 2001 die Burg jeweils auch montags offen zu halten. Im südböhmischen Cesky Krumlov/Krumau wiederum plant man Weihnachtsführungen durch das Schloss, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen aus dem In- und Ausland besuchen. Die tschechischen Burgen und Schlösser können sich nicht über Besuchermangel beklagen. In den letzten Jahren ist die Tendenz bei der Besucheranzahl eher aufsteigend und bewegt sich knapp unter 9 Millionen Besucher pro Jahr.

Schloss Kynzvart (Foto: Archiv Radio Prag)Schloss Kynzvart (Foto: Archiv Radio Prag) Das waren, liebe Hörerinnen und Hörer, einige Tipps aus den Regionen für Sie, falls sie die Tschechische Republik auch im Winter besuchen und auf ein Burg- bzw. Schlossbesuch nicht verzichten wollen. Bei den übrigen Denkmälern müssen Sie sich aber bis April gedulden, dann beginnt in Tschechien nämlich wieder die Touristensaison. Nun geht es aber in unserer Sendung weiter in das bereits angekündigte Lazne Kynzvart, wo am vergangenen Montag das Schloss Kynzvart, im Volksmunde Schloss Metternich genannt, nach fast einem Vierteljahrhundert feierlich eröffnet wurde.

Das Schloss war im 19. Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort der Kurgäste aus den nahegelegenen Kurorten Marien-, Franzens- und Karlsbad. Berühmt war das Schloss gleich aus mehreren Gründen. Erstens war es das prächtige Gebäude an sich, das ursprünglich Ende 16. Jahrhunderts als eine Renaissance -Festung unterhalb des Städchens Königswart gebaut wurde. Nach der Schlacht Schloss Kynzvart (Foto: Archiv Radio Prag)Schloss Kynzvart (Foto: Archiv Radio Prag) auf dem Weißen Berg 1623 ging das Gut nach der Beschlagnahmung in Besitz der Familie Metternich über und blieb es bis zur Verstaatlichung 1945. Ende des 17. Jahrhunderts erlebte die verkommene Festung einen Umbau zum barocken Schloss, doch das heutige Antlitz verlieh ihm der Architekt Pietro Nobile, der den barocken Bau im Stil des Wiener Klassizismus zum Empire- Schloss für den Kanzler Metternich umbaute. Der zweite Grund, warum sich dieses Schloss bereits im vergangenen Jahrhundert einer großen Beliebtheit erfreute, waren die zahlreichen Sammlungen, die hier Metternich untergebracht hatte wie z.B. die Kuriositätensammlung, die zu einer der ältesten in Europa gehört.

Lázně Kynžvart (Foto: Archiv Radio Prag)Lázně Kynžvart (Foto: Archiv Radio Prag) Auch im 20. Jahrhundert, bis in die 70 - er Jahre war Schloss Kynzvart einer der meist besuchten Schlösser Tschechiens mit mehr als 150 000 Besuchern pro Jahr. 1976 wurde es aufgrund des katastrophalen Zustandes, in dem es sich befand, geschlossen. Nach langjährigen nicht erfolgreichen Rekonstruktionsarbeiten, bei denen es vom Holzschwamm befallen wurde, war das Schloss zum Abriss verurteilt. Der Bürgermeister von Lazne Kynzvart Miloslav Sobotik erinnert sich an den regen Betrieb und den darauffolgenden Verfall des Schlosses und demzufolge auch der Stadt selbst. Seinen Worten zufolge war es im kommunistischen Regime einfacher, zu schließen anstatt sich um das bedeutende Denkmal zu kümmern. Die vernichtenden Pläne konnte nach 1989 das Denkmalinstitut in Plzen/Pilsen abwenden, doch die finanziellen Mittel reichten für eine vollständige Rekonstruktion nicht aus. 1994 wurde zwar ein Teil der Interieure der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Entscheidende Hilfe kam allerdings erst seitens der Europäischen Union, die die Renovierung des Schlosses in das Phare CBC - Programm der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aufgenommen hat.

Die EU beteiligte sich finanziell ca. zur Hälfte am Wiederaufbau des Schlosses.

Schloss Kynzvart - Interieur (Foto: Archiv Radio Prag)Schloss Kynzvart - Interieur (Foto: Archiv Radio Prag) Dem ersten Sekretär der EU-Delegation Ralf Dreyer zufolge sei es wichtig, dass die Unterschiede zwischen den Grenzregionen und dem Rest des Landes ausgeglichen werden vor dem EU-Beitritt Tschechiens und dies sei einer der Gründe, warum man auch z.B. die Rekonstruktion von Schloss Kynzvart unterstützte. Die Anwesenheit ausländischer Gäste bei der feierlichen Wiedereröffnung beweist die internationale Bedeutung dieses Schlosses. Bernd Arnal, Leiter der Regionalplanungsstelle bei der Regierung von Oberfranken, die mit dem Bezirk Cheb/Eger eng zusammenarbeitet, sagte uns hierzu:

Für die Region ist die Wiedereröffnung des Schlosses von großer Bedeutung. In dieser Region gibt es keine Industrie, so sind die wirtschaftlich wichtigsten Bereiche das Kurwesen zusammen mit dem Tourismus. Die Stadt Lazne Kynzvart erhofft sich von der Wiedereröffnung eine Belebung des Tourismus, den es bis jetzt so gut wie nicht gab. Der Bürgermeister von Lazne Kynzvart, Miloslav Sobotik, sagte gegenüber Radio Prag:

"Wir erwarten, dass Lazne Kynzvart in unserer Mikroregion zu einem Tourismuszentrum wird, so wie Marienbad Zentrum des Kurwesens ist. Die geographische Bedingungen, Lazne Kynvarts grenznahe Lage und die wunderschöne Umgebung von Slavkovsky les, sollen hierzu beitragen. Der wichtigste Anziehungspunkt wird nun aber das wiedereröffnete Schloss Metternich sein."

Und dass das keine falschen Hoffnungen sind, beweisen die 77.000 Besucher, die seit diesem Frühjahr bereits das Schloss besucht haben, auch wenn es nur im reduzierten Masse offen war und die Arbeiten an der Fassade erst kürzlich beendet wurden. Auf die Frage, wie die Stadt auf den erhofften Ansturm von Touristen vorbereitet ist, antwortete mir der Bürgermeister, dass es schwierig sei, den unternehmerischen Geist in der Stadt wieder anzukurbeln. Die bestehenden touristischen Einrichtungen erhalten sich mit Ach und Krach am Leben und von Gründung neuer kann jetzt noch keine Rede sein, da die Unternehmer erst abwarten wollen, ob sich die in das Schloss gelegte Erwartungen auch tatsächlich erfüllen. Die Stadt könne dies nicht finanzieren, da sie noch bis 2005 mit Rückzahlungen der Schulden an den Staat finanziell ausgelastet ist. So sieht man heute, wenn man am Hauptplatz des Städchens entlang geht, einen bescheidenen Pfeil mit der Aufschrift Eis und Böhmische Hausküche, dies ist bis jetzt alles. Die Stadt ist sich aber auch bewusst, dass sie sich präsentieren muss und zusammen mit dem Schloss um die Besucher werben muss. An dem wird derzeit gearbeitet.

Was sehr gut verläuft, ist der Austausch unter den Schulen in Lazne Kynzvart und Neu Albenreuth, bei dem tschechische Kinder in ihren Ferien in die Schule zu ihren deutschen Freunden gehen. Auch umgekehrt werden Kinder aus Neu Albenreuth eingeladen und für das nächstes Jahr wurde Kynzvart sogar ein Zuschuss im Rahmen des Programms Phare für diese Aktivität zugesagt. So wird man auf der tschechischen Seite den Kindern aus Deutschland auch die breite Umgebung zeigen können, was man sonst nicht finanzieren könnte.

18-11-2000