„Das macht richtig Spaß“ – Hans Eibauer über die Zusammenarbeit mit Pilsen

Die Europäische Kulturhauptstadt Pilsen findet auch grenzüberschreitend statt. Federführend für das Programm in Bayern ist das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee in der Oberpfalz. Hans Eibauer hat das Zentrum aufgebaut und leitet es. Auch er war am Samstag zur Eröffnungsfeier in Plzeň / Pilsen. Am Rand der Veranstaltung fand er Zeit für ein Interview für Radio Prag.

Hans Eibauer (Foto: Archiv des Landkreises Schwandorf)Hans Eibauer (Foto: Archiv des Landkreises Schwandorf) Herr Eibauer, nach den langen Vorbereitungen hat Pilsen heute endlich mit einer großen Feier sein Jahr als Europäische Kulturhauptstadt eröffnet. Was sind Ihre ersten Eindrücke von dieser Eröffnungsfeier?

„Die Eindrücke sind tatsächlich sehr gut. Wir haben ja schon einiges vorab gewusst. Aber wirklich toll, wenn es nicht mehr theoretisch auf einem Blatt Papier steht, sondern wenn man das hier wirklich erleben kann. Besonders, wenn man in die Gesichter schaut und sieht, dass sich alle freuen. Man trifft auch viele, die aus dem Ausland kommen, also aus Bayern und Deutschland generell. Alle sind froh, dass das jetzt endlich gestartet ist.“

Pilsen als Kulturhauptstadt wird ja grenzüberschreitend stattfinden, und das Centrum Bavaria Bohemia ist dabei der führende Partner. Wie verliefen die Vorbereitungen zum bayerischen Teil des Projekts, und wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit ihren tschechischen Partnern?

Regensburg (Foto: HH58, Wikimedia CC BY-SA 3.0)Regensburg (Foto: HH58, Wikimedia CC BY-SA 3.0) „Es ging bereits sehr früh los, als sich Pilsen noch vor 2010 beworben hat. Damals fragte die Stadt uns, ob wir sie nicht von bayerischer Seite aus in ihrem Bewerberverfahren unterstützen wollen. Denn schließlich standen innerhalb Tschechiens Olmütz und Ostrau in Konkurrenz zu Pilsen. Am Ende waren es nur noch Ostrau und Pilsen. Als dann Pilsen tatsächlich Kulturhauptstadt geworden ist, haben wir sofort begonnen, Ideen der bayerischen Seite zu sammeln. Das hatte den Namen ‚Kulturprojekt 2015‘. Schließlich haben wir gemeinsam mit unseren Partnern in Pilsen und der Stadt Regensburg die bayerischen Beiträge ausgewählt. Es wurden über 100 Beiträge eingereicht und 40 dann tatsächlich umgesetzt. Heute haben wir bereits das größte Projekt der bayerischen Seite, den sogenannten ‚Zug zur Kultur‘ gestartet. Der Zug wird bis zum 30. September jeden Samstag und Sonntag von Regensburg nach Pilsen fahren.“

Valík-Tunnel (Foto: Packa, Wikimedia CC BY-SA 2.5)Valík-Tunnel (Foto: Packa, Wikimedia CC BY-SA 2.5) Pilsen hat ein vergleichsweise kleines Gesamtbudget. Haben Sie das auch zu spüren bekommen, konnten Sie zum Beispiel bestimmte Vorhaben auch aus Kostengründen nicht umsetzen?

„Das haben wir gemerkt, ja. Wir hatten zu Beginn die fantastische Idee, im Valík-Tunnel an der Autobahn im Süden von Pilsen mit einem bayerischen Künstler eine Kunstnacht zu veranstalten und dafür den Verkehr zu sperren. Das ist leider gescheitert, weil es viel zu aufwendig gewesen wäre. Der Künstler ist jedoch beim Lichtkunstfestival im Keller der Urquell-Brauerei dabei. Natürlich sind die Budgets an die Grenzen gestoßen, und damit musste man zurechtkommen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass das Organisationsteam das Thema Budget gut gemeistert hat. Auch andere Projekte konnten nicht verwirklicht werden, so wie das Světovar, das umgebaut werden sollte, aber nicht realisiert werden konnte, da Kontaminationen im Boden festgestellt wurden. Dafür sind aber andere Projekte zustande gekommen, wie das Depot 2015. Pilsen hat das alles, trotz der vielen Wechsel im Bereich der Verantwortung, gut hinbekommen. Die Organisationsgruppe ist taff und arbeitet mit uns wunderbar zusammen, das macht richtig Spaß.“

Zug ‚Alex‘ von München (Foto: Marcel Lober, Bahnbilder)Zug ‚Alex‘ von München (Foto: Marcel Lober, Bahnbilder) Als größtes grenzüberschreitendes Projekt gilt ja der sogenannte Zug zur Kultur. Viele unsere Hörer werden wissen, worum es sich dabei handelt. Vielleicht können Sie aber für die anderen noch einmal erläutern, worum es geht…

„Drei oder vier Mal täglich wird der Zug ‚Alex‘ von München über Regensburg nach Pilsen fahren. Die Idee zum ‚Zug zur Kultur‘ stammt von Herrn Dr. Aschenbrenner aus Regensburg. Ursprünglich war sogar ein eigener Bühnenwagen geplant. Das war aber nicht mit dem Budget realisierbar. In Kooperation mit dem ‚Alex‘ wurde uns ein Sonderwagen mit einem etwas kleineren Bühnenbereich zur Verfügung gestellt. Samstags und sonntags wird dort immer eine Band spielen, und auch viele andere Künstler mit gemischtem Programm werden dort auftreten. Wenn man also in Regensburg um 10.31 Uhr abfährt, ist man um 13 Uhr in Pilsen und fährt, abhängig vom Programm, am selben oder darauffolgenden Tag wieder nach Hause.“

Foto: Archiv Centrum Bavaria BohemiaFoto: Archiv Centrum Bavaria Bohemia Was ist Weiteres an grenzüberschreitenden Veranstaltungen geplant? Vielleicht können Sie ein paar der wichtigsten nennen…

„Einiges wurde in den Bayerischen Kulturtagen gebündelt, die vom 20. bis zum 26. April stattfinden werden. Der Abschluss und somit das Highlight des Festes lautet ‚Blumen für Pilsen‘, in dem den Pilsenern ein Blumengruß überreicht werden soll. Anschließend wird ein großes Fest auf dem Hauptplatz gefeiert.“

Pilsen 2015 (Foto: ČTK)Pilsen 2015 (Foto: ČTK) Sie arbeiten bereits seit Jahrzehnten im Bereich der tschechisch-deutschen Verständigung. Glauben Sie, dass das Kulturhauptstadt-Jahr in Pilsen neue Impulse für diesen Bereich bringen kann?

„Da bin ich mir vollkommen sicher. Das Interesse auf bayerischer Seite ist groß. Die Presse berichtet täglich von dem Event, und das wird natürlich noch das ganze Jahr andauern. Ich bin mir sicher, dass von dem Ereignis, welches schließlich direkt vor unserer Haustüre stattfindet, große Impulse ausgehen. Es ist besonders geeignet für Personen, die hin und wieder gerne Kultur genießen und bisher aus unterschiedlichen Gründen Probleme hatten, ins Nachbarland zu fahren. Das Kulturhauptstadt-Jahr soll eine Möglichkeit sein, doch mal rauszukommen. Wir leisten bereits viel Überzeugungsarbeit, damit das Nachbarland unabhängig vom Billigtanken oder Einkaufen entdeckt werden kann. Dabei spreche ich nicht nur von der Stadt Pilsen, sondern auch von der Region und vor allem den netten Menschen dort.“