Politologe: „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ ist Newcomer des Jahres

29-12-2019

Der Politologe von der Prager Masaryk-Akademie, Lukáš Jelínek, hat die Bürgerinitiative „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ als den „Newcomer des Jahres in der Kategorie der politischen Akteure“ bezeichnet. Im Kommentar für den öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk erklärte er am Sonntag, auch wenn es sich weder um einen Politiker, noch um eine Partei handele, beeinflusse die Initiative trotzdem bedeutend das Leben im Land. Es ist dem Politologen zufolge richtig, dass der Begründer der Initiative, Mikuláš Minář, die Botschaft wieder aufgegriffen hat, mit der einst Václav Havel auftrat. Zu demonstrieren, Petitionen zu unterschreiben, zu diskutieren, den Politikern zu schreiben, sei nicht nur eine Errungenschaft, sondern gewissermaßen auch eine Voraussetzung für eine demokratische offene Gesellschaft, so Jelínek. Er hält es zudem für richtig, dass die Bürgerinitiative auch an die Opposition appellierte. Niemand war laut dem Politologen während der 30 Jahre seit dem November 1989 in der Lage, ein so großes Interesse für das öffentliche Geschehen zu wecken und Massenproteste zu organisieren.

Die Bürgerinitiative „Eine Million Augenblicke für die Demokratie“ hat während des Jahres mehrere Demonstrationen in ganz Tschechien organisiert, bei denen für den Rücktritt von Premier Andrej Babiš (Ano-Partei) und eine unabhängige Justiz demonstriert wurde. An den beiden größten Demonstrationen im Sommer und im Herbst in Prag nahmen je über 280.000 Menschen teil.