Girsa: Für Welterbekomitee hat Tschechien an Kredit verloren

Die Tschechische Republik verliert in den Augen des Welterbekomitees der Unesco an Kredit. Zu dieser Einschätzung ist der Präsident des Tschechischen Nationalkomitees beim Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos), Václav Girsa, gelangt. Die Gründe dafür seien augenscheinlich die Verzögerungen bei der Erfüllung von Auflagen bezüglich der Weltkulturerbe-Stadt Český Krumlov / Krumau und dem damit verknüpften Standpunkt von Kulturminister Antonín Staněk (Sozialdemokraten), erklärte Girsa am Dienstag in Prag. Staněk hatte im Februar den Vorschlag unterbreitet, die Open-Air-Bühne mit drehbarem Zuschauerraum auch weiterhin im Garten des Schlosses in Český Krumlov zu belassen. Denkmalschutzexperten kritisieren indes seit Jahren, dass die Bühne ausgerechnet im Barockgarten des Schlosses steht.

Für ihn aber seien dies genügend Vorwände für das Komitee in Paris, die Tschechische Republik bei den Einträgen von Baudenkmälern in die Liste des Weltkulturerbes eher stiefmütterlich zu behandeln. Das sagte Girsa bei seiner Ansprache anlässlich der Preisverleihung „Historische Stadt des Jahres“ auf der Prager Burg. Seinen Aussagen zufolge stehen zwölf Baudenkmäler aus Tschechien in der Liste, 15 weitere Lokalitäten aber nur auf der sogenannten indikativen Liste der Weltkulturerbe-Anwärter. Der letzte Eintrag eines tschechischen Baudenkmals in die Weltkulturerbe-Liste liegt schon 16 Jahre zurück, bemerkte Girsa.