Benzinpreise in Tschechien deutlich erhöht - Streit um Steuersenkung

04-09-2005

In Tschechien, dem Ziel tausender deutscher Tanktouristen, sind die Benzinpreise deutlich gestiegen. In manchen Landesteilen sei es zu Erhöhungen von acht Prozent genommen, meldete die Prager Nachrichtenagentur CTK am Sonntag. Der Preis für einen Liter Super bleifrei sei von durchschnittlich 1,02 Euro auf 1,11 Euro gestiegen. Eine Erhöhung auf 1,20 Euro sei in den nächsten Tagen nicht ausgeschlossen. Der Preis für einen Liter Diesel stieg von durchschnittlich 0,99 Euro auf 1,03 Euro. Die Erhöhung löste noch am Sonntag eine scharfe Diskussion der tschechischen Spitzenpolitiker um eine mögliche Senkung der Verbrauchssteuer aus. Man werde noch im September eine Initiative im Parlament einbringen, damit der Benzinpreis um bis zu einem Cent falle, sagte der konservative Oppositionspolitiker Vlastimil Tlusty (ODS). Es dürfe nicht sein, dass der Staat an der Teuerung mitverdiene. Der Parteichef der regierenden Sozialdemokraten, Stanislav Gross (CSSD), nannte den Vorschlag "puren Populismus". Die Regierung werde in Kürze vielmehr über Wege beraten, die Preissteigerung zum Beispiel über eine Pendlerpauschale auszugleichen, betonte der Sozialdemokrat. Vom Benzinpreis in Tschechien gehen über Steuern knapp 50 Prozent an den Staat.

An Tankstellen unter anderem im Grenzgebiet zu Deutschland, die die Preise noch nicht erhöht hatten, hätten sich am Wochenende "turbulente Szenen" abgespielt, hieß es in Prag. "Das riesige Interesse hat uns so überwältigt, dass uns das Benzin ausgegangen ist", sagte der Betreiber einer Tankstelle nahe der Böhmerwaldstadt Klatovy/Klattau, "allein am Samstag kamen fast tausend Kunden, das ist Rekord." Vor einer Tankstelle beim böhmisch-bayerischen Grenzübergang Rozvadov/Waidhaus habe sich zeitweise eine Schlange von bis zu 80 Fahrzeugen gebildet, berichtete der Fernsehsender CT. Zahlreiche Tankstellen in der nordböhmischen Grenzregion zu Sachsen hätten am Samstag vier Mal mehr als an normalen Tagen eingenommen. Der Mitarbeiter einer Tankstelle nahe der Grenzstadt As/Asch nannte das Interesse "Wahnsinn": "Ein Kunde hat zum Beispiel voll getankt, den Sprit zu Hause in ein Fass gepumpt und ist sofort wiedergekommen." Die Prager Wirtschaftswissenschaftlerin Marketa Sichtarova kritisierte die Erhöhung. "Das scheint reine Taktik", sagte sie der Sonntagszeitung "Nedelni svet", "die Tankstellen nutzen die Situation in den USA aus, um mehr zu verdienen."

04-09-2005