Jan Vyčítal: Ein Barde im Stile des Country & Western

15-03-2020

Er war einer der letzten großen Barden der hierzulande sehr beliebten Country-Music – der langjährige Leiter der Band Greenhorns, Jan Vyčítal. Der Sänger, Texter und Karikaturist ist am 1. März dieses Jahres verstorben. Am Sonntag eine Woche später wäre Vyčítal 78 Jahre alt geworden.

Jan Vyčítal (Foto: Petr Brož, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)Jan Vyčítal (Foto: Petr Brož, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

Foto: SupraphonFoto: Supraphon In dem Titel „Žační hrát“ singen die beiden Interpreten Tomáš Linka und Jan Vyčítal davon: „Beginn zu spielen, was ich mag“. Dies war zugleich ein Teil der Lebenseinstellung von Honza Vyčítal, wie die Koseform für einen Mann namens Jan in Tschechien lautet. „Heute ist er auf seine letzte Wanderung in das ewige blaue Land gegangen. Es ist ein trockener Weg, Honza, und Sonne über dein Haupt!“. Das schrieben die Mitglieder der Greenhorns kurz nach dem Ableben ihres Bandleaders heute vor zwei Wochen.

Jan Vyčítal hatte seine Bewunderer aber nicht nur in der eigenen Band. Aus seiner Feder stammen die meisten tschechischen Texte der Kompositionen, die er für die Greenhorns schrieb, doch ebenso Texte für Hits solch hervorragender Sänger wie Michal Tučný oder Josef Šimek. Eine ganze Palette dieser Songs ist auf der im Jahr 2006 erschienenen CD „T jako textař“ (T wie Texter) zu hören. Darunter ist auch der Titel „To tenkrát v čtyřicátom pátom“. Er ist eine Art Ode an die US-amerikanischen Soldaten und Befreier der Stadt Plzeň / Pilsen im Jahr 1945 ist.

Vyčítal wurde in Prag im Stadtteil Pankrác geboren. An einer Kunstfachschule studierte er Werbegrafik, später arbeitete er in der künstlerischen Abteilung des Tschechoslowakischen Fernsehens. Als Karikaturist wurde das Multitalent aber vor allem durch seine Zeichnungen in der satirischen Zeitschrift „Dikobraz“ (Stachelschwein) bekannt. Nach 1968 durfte er für längere Zeit nichts mehr publizieren, Vyčítal arbeitete deshalb unter einem Pseudonym. Später erschienen seine Zeichnungen wieder in der Presse, dazu illustrierte er eine Reihe von Büchern.

Wie in seinem grafischen Schaffen, so musste Vyčítal auch auf seiner musikalischen Schiene einige Repressalien durch die Kommunisten erdulden. 1972 muss seine Gruppe den englischen Bandnamen ablegen, von da an heißen sie „Zelenáci“ (Grünschnäbel). Der Musik und Beliebtheit der Kapelle tut das aber keinen Abbruch. Im stürmischen Herbst 1989 tritt sie bei vielen Meetings der „Samtenen Revolution“ auf und nennt sich wieder Greenhorns. Wegen Beschwerden in seiner linken Hand hörte Vyčítal jedoch ab 1999 auf Gitarre zu spielen. Danach sang er nur noch und moderierte die Konzerte.

15-03-2020