Vom Riesengebirge bis nach Südostasien: Graphiker Stanislav Špelda

25-07-2017

Das Riesengebirge mit seinen Bergtälern und knorrigen Bäumen, aber auch exotische Landschaften aus Südostasien mit buddhistischen Tempeln. Dies sind Motive von Bildern, die Stanislav Špelda in einer neuen Ausstellung zeigt. Der Maler und Graphiker lebt in der kleinen Ortschaft Kvíčala nahe der Stadt Úpice / Eipel im Vorland des Riesengebirges. In der Galerie Netopýr in der Böhmerwaldgemeinde Žihobce ist nun eine Auswahl seiner Linolschnitte zu sehen.

Stanislav Špelda in der Galerie Netopýr (Foto: Martina Schneibergová)Stanislav Špelda in der Galerie Netopýr (Foto: Martina Schneibergová) Mit dem Zeichnen habe er schon als Kind begonnen, erzählt Stanislav Špelda. Aber keiner in seiner Familie habe eine künstlerische Begabung gehabt, merkt er an.

„In der Schule habe ich einen Kunstzirkel besucht. Für einige Jahre habe ich aber dann mit der Kunst aufgehört, bis mein beliebter Kunstlehrer eine Künstlergruppe ins Leben gerufen hat. Wir haben uns alle wirklich sehr für Kunst interessiert. Das war 1980 in Úpice. Das heißt, wir treffen uns schon seit 37 Jahren. Am Anfang hatte die Künstlergruppe zehn Mitglieder, heute sind wir nur noch vier. Aber wir organisieren gemeinsame Ausstellungen und zeichnen gerne draußen in der Natur.“

Während der Jahre habe ihn die Graphik wortwörtlich verzaubert, sagt Špelda. Dabei probierte er alle möglichen graphischen Techniken aus: vom Mezzotinto über den Kupferstich bis zur Radierung.

Stanislav Špelda (Foto: Archiv von Stanislav Špelda)Stanislav Špelda (Foto: Archiv von Stanislav Špelda) „Es ist fast absurd, dass die Werkzeuge, die man für diese Techniken brauchte, hierzulande damals nicht zu kaufen waren. Nur die Mitglieder des offiziellen Künstlerverbandes durften sie bestellen. Ich habe damals in einem Maschinenbaubetrieb gearbeitet und konnte mit Metall umgehen. Deswegen habe ich die Werkzeuge, die ich brauchte, selbst gebastelt. In der Ausstellung zeige ich einige Beispiele dieser Werkzeuge. Mit der Zeit habe ich mich vor allem für den Linolschnitt begeistert. Dafür braucht man nicht viele Werkzeuge, es ist eine einfache Technik und zugleich eine sehr schöne Arbeit. Da ich Maschinenbau studiert habe, verfüge ich über viel Geduld und auch einen Sinn für die Präzision. Wenn wir beispielsweise draußen alte Bauernhäuser zeichnen, habe ich manchmal Probleme damit, das Dach so zu zeichnen, dass es alt und krumm wie in der Wirklichkeit aussieht.“

„Die Mehrheit meiner Bilder ist mit einem persönlichen Erlebnis verknüpft.“

Stanislav Špelda reist viel und gern. In der Ausstellung sind mehrere Linolschnitte zu sehen, die von der Natur und den Baudenkmälern aus exotischen Ländern inspiriert sind.

„Wir haben etwa fünf Mal Südostasien besucht, das uns sehr fasziniert hat. Ich bin immer gern dorthin gereist. Ich wollte aus jedem Land wenigstens ein Bild zur Erinnerung machen. Oft zeichne ich die Bilder erst nach den Fotografien, denn vor Ort habe ich nicht so viel Zeit. Aber ich denke mir einiges aus und ergänze die Bilder nach meiner Phantasie. Das Bild, das als Erinnerung an Thailand entstanden ist, habe ich aus sieben oder acht Objekten zusammengestellt, die mich besonders tief beeindruckt haben.“

Foto: Archiv von Stanislav ŠpeldaFoto: Archiv von Stanislav Špelda An den Aufenthalt auf den Philippinen erinnert ein besonderer Linolschnitt: Am Horizont ist ein Vulkanausbruch zu sehen. Der Künstler dazu:

„Anfang der 1990er Jahre war es dort zum Ausbruch des Vulkans Pinatubo gekommen, der damals auch das Klima auf der Erde beeinflusst hatte. Unterhalb des Vulkans leben seit Jahrtausenden Jäger und Sammler einer Ureinwohner-Gruppe, die wie in der Steinzeit hausen. Beim Vulkanausbruch war ein 300 Meter hoher Teil des Vulkans abgebrochen. Als wir dort waren, haben wir im Kratersee gebadet. Die Mehrheit meiner Bilder ist mit einem persönlichen Erlebnis verknüpft.“

In der Ausstellung sind Bilder nicht nur aus Südostasien zu sehen. Gezeigt werden auch Bilder aus der Heimatregion des Künstlers. Eines davon heißt „Der Maler aus dem Riesengebirge“.

„Das war eine Graphik auf Bestellung. Bei uns erscheint zweimal jährlich ein Touristenmagazin über die Geschichte des Riesengebirges. Es heißt ,Veselý výlet‘ (Ein lustiger Ausflug – Anm. d. Red.), und der Herausgeber ist mein Freund Pavel Klimeš. Er wollte, dass ich ein Bild für die Titelseite zeichne.“

„Ich habe eine Graphik gemacht, die zeigt, wie eine außerirdische Zivilisation die Nachricht der Voyager-Sonde entziffert.“

Der Böhmerwald ist in der Ausstellung durch einen Linolschnitt des Ortes Modrava / Mader vertreten.

„Leider habe ich nur wenige Bilder vom Böhmerwald. Ich hätte mehr Bilder zeichnen können, aber da hätte ich etwa ein Jahr im Voraus von der geplanten Ausstellung wissen müssen. Ich zeichne gern und verbringe viel Zeit damit. Wenn ich anfange, kann ich meist nicht wieder aufhören. Erst später mache ich eine Pause, sodass ich während eines Jahres so drei oder vier Graphiken schaffe.“

„Kabešs Fliegenpilz“ (Foto: Martina Schneibergová)„Kabešs Fliegenpilz“ (Foto: Martina Schneibergová) Stanislav Špelda behauptet, dass hinter jedem Bild eine Geschichte versteckt ist. Dabei spielen seine Werke oft mit der Phantasie des Betrachters. „Botschaft nicht gehört“ heißt ein Bild aus dem Bereich Science Fiction.

„1977 startete die US-amerikanische Raumsonde Voyager in den Weltraum. Sie enthielt auch eine Botschaft für den Fall, dass sie dort auf eine Zivilisation stoßen würde. Ich habe damals eine große Federzeichnung gemacht, auf der die Sonde im Weltraum abgebildet ist. Sie ist auf dem Bild von einer Zivilisation aufgefangen worden. Nach 30 Jahren habe ich erfahren, dass die Sonde unser Sonnensystem verlassen hat und weiterhin Informationen ausstrahlt. Da kam mir die Idee, eine Graphik zu machen, die zeigt, wie eine außerirdische Zivilisation die Nachricht der Voyager-Sonde entziffert und eine Menge Mikroorganismen auf die Erde schickt.“

Auch Pilzsammler kommen aber in der Galerie auf ihre Kosten sowie Sammler von unglaublichen Geschichten.

„Ich bin ein passionierter Pilzsammler. Ich gehe immer mit einer Kamera in den Wald. Ich habe eine gute Beziehung zu verschwundenen Sachen. Es tut mir leid, dass sie verschwunden sind. Die Ortschaft Kvíčala, wo ich wohne, ist sehr klein. Mir kam die Idee, dass ich sie berühmt machen könnte, wenn ich mir Pilze ausdenken würde, die dort einst angeblich gewachsen sind. Zu den nicht existierenden Pilzen wollte ich eine entsprechende wissenschaftliche Beschreibung zusammenstellen. Aus der mykologischen Beschreibung sollte hervorgehen, dass die Pilze wegen der schlechten Umweltlage verschwunden sind.“

„Ich habe eine gute Beziehung zu verschwundenen Sachen. Es tut mir leid, dass sie verschwunden sind.“

Die Idee hat der Künstler in die Tat umgesetzt: So findet man in der Ausstellung einige präzise dargestellten Pilze mit phantasievollen Namen und einer dazu passenden Geschichte. Eines der Bilder heißt „Muchomůrka Kabešova“ – auf Deutsch etwa „Kabešs Fliegenpilz“. Da die Fliegenpilze auf dem Bild weiß sind, stellt sich die Frage, ob der Künstler nicht etwa auf ein bekanntes Lied der Underground-Band Plastic People of the Universe anspielen wollte. Stanislav Špelda nickt zustimmend, das Bild sei dem Bandmitglied Jiří Kabeš gewidmet:

„Ich hatte die Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Kabeš hat Geige in der Band gespielt. Er war früher an der Václav-Hollar-Kunstschule, hat aber nie als Graphiker gearbeitet. Ich habe ihm diese Graphik geschenkt.“

 

Die Ausstellung von Stanislav Špeldas Linolschnitten ist in der Galerie Netopýr in Žihobce zu sehen. Sie dauert noch bis bis 30. September.

25-07-2017