Tomas (Thomas) Fritta will ständig in die Zukunft schauen

16-10-2000

Sein Vater war Karikaturist und Maler, er hat vor dem Krieg für das Prager Tagblatt gezeichnet und wollte als Prager Jude nicht den deutschen Namen Fritz Taussig tragen, deshalb machte er aus diesem einen neuen: aus Fritz Taussig entstand Fritta, hinzu kam Bedrich als Vorname. Nun, es geht also heute um den Sohn Bedrich Frittas - Tomas, und der ist diesmal in unserer Sendereihe "Heute am Mikrophon" zu hören. Mehr als um eine detaillierte Schilderung der eigenen Lebensgeschichte, die so früh für ihn auf eine grausame Weise begann, handelt es sich hierbei eher um ihre Reflexion. Willkommen sagt Ihnen diesmal an unserem Studiomikrophon Jitka Mladkova.

Als Sohn jüdischer Eltern kam der kaum drei Jahre alte Tomas Fritta 1941 gemeinsam mit ihnen in das Ghetto von Terezin/Teresienstadt. Von dort kehrte er nach dem Krieg nur mit der Mutter zurück, der Vater hat nicht überlebt. Von da an fand er sein Domizil abwechselnd in der Tschechoslowakei, in Israel und in Deutschland. Nach der Wende kehrte Tomas Fritta wieder nach Prag zurück. Hat sich hier der Kreis geschlossen?

Ein Menschenleben kann tatsächlich so viel beinhalten. Wenn Tomas Fritta zurückblickt, wie sieht er sein eigenes Leben?

Tomas Fritta hat viel erlebt, will aber eigentlich nicht auf die Vergangenheit zurückblicken. Die Zukunft - das ist das Leitmotiv seines Lebens:

Im November 1941 mit dem ersten "Aufbaukommando" nach Theresienstadt deportiert, wurde Frittas Vater Leiter der Zeichenstube in der technischen Kanzlei der jüdischen Selbstverwaltung. In seinen Zeichnungen, zumeist Tusche, zeigte er ein eindringliches Bild der Tragik und Absurdität des Lebens im Theresienstädter Ghetto und entlarvte dessen Grausamkeit und Unmenschlichkeit. Seine strikte Ablehnung, an der "Verschönerungsaktion" des Lagers für den Besuch einer Rot-Kreuz-Delegation mitzuarbeiten, mag zu seiner Verhaftung - wie es hieß - "wegen Greuelpropaganda" geführt haben. Anschließend wurde Fritta im Juli 1941 mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn Thomas auf der Kleinen Festung interniert. Dort entstand das für den Sohn bestimmte Zeichenbuch. Über dieses sagt Tomas Fritta folgendes:

16-10-2000