Prager Sprachschule mit Schwerpunkt Deutschunterricht - Gespräch mit der Gründerin und Leiterin

23-02-2004

Fremdsprachen zu lernen, das gilt vor allem bei der jungen Generation in Tschechien als unbedingte Voraussetzung für eine gelungene Berufslaufbahn. Aus diesem Grund gibt es hierzulande auch ein dichtes Netz von Sprachschulen, vor allem in der Hauptstadt Prag. Eine davon heißt "Step by step", sie ist vor allem auf Deutschunterricht spezialisiert. Gerald Schubert hat für die Sendereihe "Heute am Mikrophon" mit ihrer Gründerin und Leiterin, Veronika Kordová-Fleischmannová, gesprochen:

Veronika Kordová-Fleischmannová (Foto: Autor)Veronika Kordová-Fleischmannová (Foto: Autor) Du hast eine Sprachschule gegründet, die ihren Schwerpunkt im Deutschunterricht hat. Wann war denn das?

"Vor mehr als zwei Jahren, im Oktober 2001. Es stimmt, dass der Schwerpunkt auf dem Deutschunterricht liegt, aber wir unterrichten neben Deutsch auch noch zwei andere Sprachen - und wir könnten noch weitere anbieten. Die drei Sprachen, die wir hauptsächlich unterrichten, sind wie gesagt Deutsch, dann Englisch, was zurzeit sehr wichtig ist, und auch Tschechisch für Ausländer."

Die Schule ist in Prag?

"Ja, die ist in Prag. Wir haben direkt im Zentrum ganz tolle Räume gefunden, wo wir uns sehr wohl fühlen. Und auch die Studenten kommen gerne hin."

Was war denn damals eigentlich die Motivation für dich, diese Schule zu gründen? Was hast du vorher gemacht, und was war ausschlaggebend dafür, dass du dich in diesem Bereich selbstständig gemacht hast?

"Ich habe früher hier in Prag schon für andere Schulen gearbeitet. Und irgendwann hat mir das nicht mehr so gut gefallen. Ich sah da keine Aufstiegsmöglichkeiten für mich. Und dann hat sich eines Tages die Chance geboten, eine Schule zu gründen. Es war so, dass mir ein Freund angeboten hat, bei ihm, ebenfalls in einer Schule, Räume zu mieten. Schließlich hat das nicht geklappt, denn es gab Probleme mit dem Amt in dem betreffenden Stadtbezirk. Aber irgendwie war der Gedanke da schon so tief in mir verwurzelt, dass ich ihn nicht mehr aufgegeben habe. Ich habe dann neue Räume gefunden. Eigentlich viel bessere als die, die mir zunächst angeboten worden waren. Oder besser gesagt uns, denn ich habe die Schule nicht alleine gegründet, sondern mit einer Freundin. Ein anderer Grund war: Bei den Schulen, bei denen ich vorher gearbeitet hatte, da hatte ich oft das Gefühl, dass sie sich den Studenten nicht so sehr widmen. Die Studenten kommen, es wird ihnen ein Lehrer zugeteilt, und dann ist das Interesse der Schulen an diesem Studenten eigentlich schon wieder weg. Die Hauptsache ist, das Geld ist da, und alles läuft. Aber eigentlich hat sich dann niemand mehr dafür interessiert, ob der Student Fortschritte macht, ob ihm der Unterricht gefällt. Für mich war das aber nicht die Aufgabe einer Sprachschule. Ich hatte das Gefühl, da muss es noch mehr geben."

Das waren jetzt deine Gründe dafür, diese Schule zu gründen. Welche Motivation haben denn deine Schüler, in die Schule zu kommen? Sind das mehr berufliche oder mehr private Gründe? Oder kannst du da vielleicht eine Veränderung feststellen, eine gewisse Tendenz?

"Ich unterrichte seit sechs Jahren, und seit wie gesagt mehr als zwei Jahren existiert meine Schule. Veränderungen sehe ich eigentlich keine. Die meisten Studenten kommen aus beruflichen Gründen. Zumindest bei Deutsch und Englisch ist es meist so, dass sie die Sprache für die Arbeit brauchen. Etwa, damit sie sich mit dem Partner der Firma, in der sie arbeiten, verständigen können. Bei Tschechisch ist es anders: Die Ausländer, die zu uns kommen, die müssen etwa in den Geschäften kommunizieren, Milch kaufen, ab und zu etwas verstehen, was wichtig ist, zum Beispiel auf Ämtern. Diese Leute brauchen die Sprache eher fürs Alltagsleben, aus privaten Gründen."

Die Tschechische Republik steht kurz vor dem Beitritt zur Europäischen Union. In diesem Zusammenhang wird natürlich über alles mögliche gesprochen, in politischem und auch wirtschaftlichem Kontext. Etwa darüber, wie denn in Tschechien eigentlich das so genannte unternehmerische Umfeld aussieht. Du bist Jungunternehmerin. Wie beurteilst du das unternehmerische Umfeld in Tschechien? Wie geht es den jungen Unternehmern hier?

"Uns, also mir und meiner Kollegin, geht es im Moment ganz gut. Aber natürlich haben wir ein bisschen Angst vor dem, was kommt, wenn jetzt die Konkurrenz noch größer wird. Die Konkurrenz ist jetzt schon groß, und wird noch weiter wachsen. Und was die Schreiberei, die Bürokratie angeht: Das ist nicht so tragisch. Wir hatten bisher nur am Anfang ein Problem, in dem schon genannten Amt in einem Prager Bezirk. Aber sonst lief eigentlich alles geschmeidig. Geschmeidiger als alle behauptet haben, als wir das Unternehmen gründen wollten. Also: Bisher hatten wir keine Schwierigkeiten, und hoffentlich bleibt das auch so."

Du hast gesagt, die Konkurrenz könnte eventuell größer werden. Andererseits: Siehst du vielleicht auch Vorteile im EU-Beitritt, etwa darin, dass in Zukunft mehr Ausländer ins Land kommen und vermehrt deine Dienste im Tschechischunterricht in Anspruch nehmen wollen?

"Natürlich. Darin sehen wir unsere Chance."

Woher kommen eigentlich deine guten Deutschkenntnisse? Hast du längere Zeit im deutschsprachigen Ausland gelebt?

"Eigentlich nicht. Ich habe am Gymnasium deutsch gelernt. Dann hatte ich den besten Lehrer, und zwar die Liebe. Ich war in einen Deutschen verliebt, und ich glaube, damals habe ich das meiste gelernt. Ich entschied mich dann auch gleich für das Studium der Germanistik, das ich hier in Prag an der pädagogischen Fakultät absolviert habe. Dabei habe ich auch zwei Stipendien bekommen: Zunächst eines in Saarbrücken, nur für einen Monat, also ein Sommerferienkurs. Und dann kam das zweite Stipendium, für sechs Monate, in Bamberg. Das waren meine längsten Aufenthalte in Deutschland, sonst habe ich eigentlich nur hier gelernt."

Sollen in Zukunft längere Aufenthalte in Deutschland folgen? Oder bist du mit deiner Schule in Prag so beschäftigt, dass das in absehbarer Zeit ausgeschlossen ist? Oder könntest du dir vielleicht sogar vorstellen, nach Deutschland zu expandieren?

"Das könnte ich mir vorstellen! Aber im Moment kommt das noch nicht in Frage. Da müssten wir zunächst noch in Prag ein bisschen expandieren. Ich wäre froh, wenn die Schule jetzt noch ein bisschen wachsen würde. Dabei ist es mir aber sehr wichtig, dass ich alle Schüler persönlich kenne. Und damit ist es eigentlich auch gegeben, dass die Schule auch später relativ klein bleiben soll."

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Link: http://www.stepbystep.cz

23-02-2004