Bassbariton Boris Prýgl mag auch Techno

Boris Prýgl gehört zu den talentiertesten jungen Sängern aus Tschechien. Der Bassbariton hat bereits einige Gesangswettbewerbe gewonnen. Er feierte Erfolg auch beim weltweit wohl berühmtesten Wettbewerb für junge Opernsänger - der Operalia. Placido Domingo hat die Operalia 1993 ins Leben gerufen. Und Prýgl gewann 2017 dort den Birgit-Nilsson-Preis. Seit der vergangenen Spielzeit ist der Sänger Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper. Ab nächster Saison wird er Mitglied des Opernensembles in München sein. Kurz vor Weihnachten trat Boris Prýgl mit zwei seiner Kolleginnen und einem Kollegen vom Münchener Opernstudio bei einem Konzert in Prag auf. Nach dem Konzert entstand das folgende Interview.

Boris Prýgl (Foto: Archiv von Boris Prýgl)Boris Prýgl (Foto: Archiv von Boris Prýgl) Herr Prýgl, wann haben Sie sich entschieden, Sänger zu werden?

„Meine Mamma hat erzählt, dass ich mit etwa fünf Jahren Pavarotti im Fernsehen gesehen habe. Es war damals ein Konzert, bei dem er zusammen mit Pop-Sängern aufgetreten ist. Angeblich habe ich meiner Mamma gesagt: ,Das möchte ich auch machen, wenn ich groß bin.‘“

Sie haben an der Hochschule der musischen Künste in Bratislava studiert. In wie weit ist der jeweilige Lehrer für einen jungen Sänger wichtig?

„Der Lehrer ist sehr wichtig. Denn er kann einen Schüler zugrunde richten oder ihn im Gegenteil aufbauen und ihm bei der Bewältigung seiner Probleme helfen. Ich habe in den letzten Jahren mein Repertoire völlig geändert. An der Hochschule habe ich als Bassbariton begonnen und bin dann zum Bariton geworden. Ich bin bei der Umstellung sozusagen geschwommen, denn das war ein großer Schritt. Hinzu kam noch, dass ich angefangen habe abzunehmen. Ich wollte in den künftigen Bariton-Partien etwas hermachen. Denn ich war in einem Teufelskreis gefangen und hatte ein wenig vergessen, was ich zuvor bei Professorin Zlatica Livorová und beim Opernsänger Peter Mikuláš gelernt hatte. Wir hatten an der Hochschule mehrere Pädagogen, aber jeder sagte etwas anderes. Ich habe mich bemüht, von jedem etwas zu lernen. Aber erst die letzte Opern-Masterclass mit Brigitte Fassbaender hat mich wieder auf den richtigen Weg gebracht.“

Im Oktober vergangenen Jahres mussten Sie die Teilnahme am Konzert bei den Musikfestspielen „Svátky hudby“ in Prag absagen…

„Ich habe mich einer Blinddarmoperation unterzogen und hatte Probleme, wieder in Form zu kommen. Aber durch die Masterclass und weil ich begonnen habe, mich um mich selbst mehr zu kümmern, bin ich wieder zurück. Ich ruhe mich mehr aus, versuche mich zu entspannen und kann sagen, dass ich zufrieden bin.“

Stimmt es, dass Sie einen ungewöhnlich großen Stimmumfang haben und vielleicht auch Tenor singen könnten?

„Ja, das stimmt. Als ich vom Bassbariton zum Bariton überging und begann, die lyrischen oder hohen Baritonrollen zu singen, war dies eigentlich vom Tenor nicht so weit entfernt. Und da ich von klein auf Pavarotti werden wollte, schlummert eine vielleicht unterschätzte Tenorseele in mir. Ich habe das sogar schon probiert, aber vielleicht habe ich mir damit eher geschadet als geholfen. Es kann aber sein, dass ich irgendwann in der Zukunft den Heldentenor ausprobieren werde. Im Moment bin ich aber zufrieden damit, wie ich jetzt singe und dass ich mein Bariton-Repertoire zusammengestellt habe.“

„Im Moment bin ich aber zufrieden damit, wie ich jetzt singe und dass ich mein Bariton-Repertoire zusammengestellt habe.“

Schon vor ein paar Jahren haben Sie einige Partien im Slowakischen Nationaltheater in Bratislava gesungen – darunter den Leporello in Mozarts Don Giovanni und den Don Fernando in Beethovens Fidelio. Im Brünner Nationaltheater haben Sie die Rolle des Erziehers in der tschechischen Premiere von Rossinis Graf Ory übernommen. Die Inszenierung hatte großen Erfolg, auch bei einem Gastspiel in Prag. Wie haben Sie sich in dieser Rolle gefühlt?

„Das war eine reine Bassrolle, und für meine Verhältnisse auch noch ziemlich tief. Ich pflege lieber den Status des Bassbaritons, weil ich gerne Oratorien und Messen singe. Ich möchte Dvořák und Mozart singen. Wenn ich mich nur als Bariton bezeichnen würde, dann befürchte ich, dass ich nur superhohe Bariton-Partien erhalte, die nicht einfach zu besetzen sind.“

Boris Prýgl hat die Hauptrolle in Kreneks Kurzoper „Der Diktator“ gesungen (Foto: YouTube Kanal der Bayerischen Staatsoper)Boris Prýgl hat die Hauptrolle in Kreneks Kurzoper „Der Diktator“ gesungen (Foto: YouTube Kanal der Bayerischen Staatsoper) In München treten Sie inzwischen in einigen Opern auf. Sie haben die Hauptrolle in Ernst Kreneks Kurzoper „Der Diktator“ gesungen, die nicht gerade zum üblichen Repertoire gehört. Welche Erfahrung haben Sie mit Kreneks Musik gemacht?

„Das war meine erste große Bariton-Rolle. Ich habe mich darin recht wohl gefühlt und begriffen, dass der Weg zum Bariton keine schlechte Idee war.“

Haben Sie eine Traumrolle, die Sie gern singen würden?

„Für das Konzert in Prag habe ich mit meiner Kollegin Anaïs Mejías das Duett von Nedda und Silvio aus Leoncavallos ,Pagliacci‘ einstudiert. Und eben Silvio würde ich sehr gerne singen, ich denke, das passt zu mir. In den kommenden Jahren möchte ich hauptsächlich mit italienischer Belcanto-Musik auftreten.“

„Silvio würde ich sehr gerne singen, ich denke, das passt zu mir.“

Haben Sie zwischen allen Opernauftritten und Proben auch Zeit für ein anderes Musikgenre?

„Natürlich. Ich höre sehr gern hauptsächlich Techno. Aber ich liebe eigentlich Musik aus den 1930er bis späten 1980er Jahre. Die 1930er und 1940er Jahre sind super, die 1950er und 1960er Jahre nicht so sehr, aber wieder die 1970er und 1980er Jahre. Die Hits der Jahrtausendwende finde ich nicht besonders toll. Ich habe früher als DJ gearbeitet und auch Techno aufgelegt.“

Boris Prýgl können Sie am 8. Februar bei einem Porträtkonzert des Opernstudios in München erleben. In der bayerischen Landeshauptstadt tritt er ab demnächst dann auch in Bizets Oper Carmen auf. Im März singt er in Donizettis Roberto Devereux, im April in Tschaikowskis Iolanta und anschließend auch in weiteren Opern.

Springen Sie manchmal noch als DJ ein?

„Ich habe als Teenager als DJ gearbeitet, denn das war damals bei uns in der Gegend von Hodonín (deutsch Göding in Südmähren, Anm. d. Red.) eine gute Möglichkeit, etwas hinzu zu verdienen. Da ich Beziehungen zu jedem Musikgenre habe, war das super. Ob ich es noch irgendwann ausprobiere? Manchmal erinnere ich mich an meine DJ-Arbeit, aber ich werde nicht beruflich zu ihr zurückkehren – das lässt sich nicht mit Operngesang kombinieren.“

Was erwartet Sie auf der Bühne in den nächsten Monaten?

„Ab der nächsten Spielzeit bin ich Mitglied der Bayerischen Staatsoper. Im Januar werde ich am internationalen Viñas-Gesangswettbewerb teilnehmen, darauf bereite ich mich intensiv vor.“