Vom Barocktheater zum Broadway: Festival in Krumau

06-07-2019

Ob Jazz, Oper oder World Music: Beim internationalen Festival in Český Krumlov / Krumau erklingt Musik verschiedener Genres. Die Festspiele in der südböhmischen Unesco-Weltkulturerbe-Stadt beginnen am 19. Juli.

Jaromír Boháč (Foto: Miroslav Tichák, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jaromír Boháč (Foto: Miroslav Tichák, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Krumau platzt vor allem im Sommer aus allen Nähten. Von Mitte Juli bis Anfang August zieht es neben den unzähligen Touristen aus der ganzen Welt vor allem auch Kunstliebhaber in die Moldaustadt. Denn in dieser Zeit läuft das internationale Musikfestival dort. Auf dem Programm des 28. Jahrgangs dieser Festspiele stehen 23 Konzerte. Jaromír Boháč leitet das Festival:

„Die Konzerte werden an sieben Orten veranstaltet, darunter im Barocktheater und im Maskensaal des Schlosses. Erklingen wird beispielsweise ein gregorianischer Choral, aber auch Musik des 20. Jahrhunderts. Als eine Art Festivalouvertüre haben wir einen Galaabend bei der Barockfontäne im Schlossgarten vorbereitet. Er trägt den Titel ,Venus und die Elemente‘ und gespielt wird Musik aus der Zeit von Louis XIV.“

Jonas Kaufmann (Foto: Amanda Fitton, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)Jonas Kaufmann (Foto: Amanda Fitton, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0) In den vergangenen Jahren gab es in der Regel zu Festivalbeginn eine Operngala mit renommierten Sängerinnen und Sängern der Gegenwart. 2018 haben die US-amerikanische Sopranistin Sondra Radvanovsky und der polnische Tenor Piotr Beczała das Publikum in Krumau begeistert. Zuvor traten beispielsweise auch Renée Fleming, Jonas Kaufmann, Juan Diego Flórez und Placido Domingo auf. In diesem Jahr stehen die Opernarien aber am Ende des Festivals. Zu Beginn erklingen hingegen Jazz, Soul und Rhythm & Blues, gesungen von der US-amerikanischen A Capella-Gruppe Take 6. Die Sänger haben bereits zehn Grammys gewonnen. Außerdem gebe es auch diesmal einen Musical-Abend mit Künstlern vom Broadway, erzählt Jaromír Boháč.

„Die Musicalabende sind eines unserer erfolgreichsten Projekte überhaupt. In den vergangenen zehn Jahren sind im Rahmen des Projektes ausschließlich Sängerinnen und Sänger vom Broadway nach Krumau gekommen. In diesem Jahr haben wir uns entschieden, nicht nur Solisten aus den USA einzuladen, sondern auch ihre tschechischen Kolleginnen und Kollegen. Michaela Gemrotová und Marian Vojtko werden daher gemeinsam mit den US-Amerikanern Capathia Jenkins und Hugh Panaro bekannte Musicalmelodien vortragen. Die Nordböhmische Philharmonie Teplice unter der Leitung des US-amerikanischen Dirigenten Randall Craig Fleischer wird sie begleiten.“

Protestsongs auf Truppenübungsplatz

Naghash Ensemble (Foto: Garegin Aghabekjan, Wikimedia Commons, CC BY 4.0)Naghash Ensemble (Foto: Garegin Aghabekjan, Wikimedia Commons, CC BY 4.0) Die Open-Air-Konzerte finden im Brauereigarten statt, die Kammerkonzerte wiederum im Maskensaal des Schlosses, große Konzerte dann in der Reithalle des Schlosses. Zu Letzteren gehört auch der Auftritt des Naghash Ensemble of Armenia. Es intoniert Kompositionen neuer Musik von John Hodian, die auf den Texten des mittelalterlichen armenischen Dichters und Priesters Mkrtich Naghash basieren.

Im Herbst vergehen 30 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Daran wollen die Festivalveranstalter mit speziellen Konzerten erinnern. Dazu Jaromír Boháč:

„Unsere Idee war, Konzerte auf dem Truppenübungsplatz Boletice zu organisieren. Dort steht das älteste Sakralgebäude in Südböhmen, die Nikolaus-Kirche. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert. Vor der Kirche wird zuerst Petr Samšuk Lieder von Karel Kryl singen und spielen. Anschließend wird in der Kirche, die nur von Kerzen beleuchtet ist, der Kammerchor Schola Benedicta Sakrallieder aus der Zeit des böhmischen Königs Wenzel II. vortragen.“

Helena Kazárová (Foto: Archiv von Helena Kazárová)Helena Kazárová (Foto: Archiv von Helena Kazárová) Im Schloss von Krumau befindet sich eines der am besten erhaltenen Barocktheater auf der Welt, inklusive der gesamten Bühnentechnik. Dort wird zweimal das Opernballett „Terpsichore“ von Georg Friedrich Händel zu sehen sein. Dieses Werk sei in letzter Zeit wieder entdeckt worden und erfreue sich großer Beliebtheit, sagt Helena Kazárová. Die Professorin der Prager Musikakademie hat die Regie geführt bei dem Opernballett.

„Entstanden ist das Werk 1734 während eines Aufenthalts der berühmten Tänzerin Marie Salé in London. Es gibt Spekulationen darüber, ob sich Händel damals nicht in die Tänzerin verliebt hat. Jedenfalls schrieb er ihretwegen den Prolog und noch zwei Opern im französischen Stil mit viel Tanz. Mir hat ,Terpsichore‘ gefallen, weil das Werk ein ganzes Spektrum von Bühnentänzen bietet. Und dazu passt auch die Musik. Ich habe das Werk schon 2010 als Regisseurin und Choreographin einstudiert. Aber es stand nicht auf dem Repertoire eines Theaters, sondern es gab nur einige Reprisen in einem historischen Raum. Jetzt habe ich erneut daran gearbeitet, und es hat mir wirkliche Freude gemacht.“

Händels Muse des Tanzes

Barocktheater in Český Krumlov (Foto: Ondřej Tomšů)Barocktheater in Český Krumlov (Foto: Ondřej Tomšů) Das Werk wird Kazárová zufolge von zwei Chören sozusagen umrahmt. Die Inszenierung müsse immer dem jeweiligen Theatersaal angepasst werden, sagt die Tanzexpertin:

„Das Barocktheater in Krumau, das ansonsten eher als Museum dient, bietet wieder neue Möglichkeiten für die Vorstellung. Dazu gehört beispielsweise ein Mechanismus, mit dessen Hilfe Apollo vom Himmel in Eratos Tempel herabgelassen werden kann. Und die Kulissen können gewechselt werden, denn es gibt hier handgemalte Kulissen von 1766. Wenn ich dort bin, habe ich immer das Gefühl, dass ich mich in einem Tempel befinde. Terpsichore spielt im Tempel der Musik. Und wir bringen das Stück eigentlich in einem Tempel der Kunst zur Aufführung.“

Neben der Barockoper werden beim Festival auch bekannte Opernmelodien erklingen. Bei der entsprechenden Gala zu Ende des Festivals stellen sich dabei junge Talente vor: die slowakische Sopranistin Adriana Kučerová, die tschechische Mezzosopranistin Štěpánka Pučálková und der tschechische Bassbariton Boris Prýgl. Kučerová hat bereits an den Salzburger Festspielen teilgenommen. Pučálková ist seit dieser Saison Solistin der Semperoper in Dresden. Und Prýgl ist seit der vergangenen Saison Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper.

Das Musikfestival in Krumau läuft vom 19. Juli bis 10. August. Es gibt noch Restkarten.

06-07-2019

Karel Gotts größter Hit (mehr...)