Österreichisches Kulturforum in Prag feiert 20. Geburtstag

28-09-2013

Das Österreichische Kulturforum am Prager Jungmannplatz hat am Freitagabend mit einer Festveranstaltung seinen 20. Geburtstag gefeiert. Gleichzeitig wurde eine Ausstellung eröffnet, die das vielfältige Wirken des Forums im Lauf von zwei Jahrzehnten dokumentiert.

Österreichisches Kulturforum am Prager Jungmannplatz (Foto: Archiv ÖKF)Österreichisches Kulturforum am Prager Jungmannplatz (Foto: Archiv ÖKF) Es ist eine kleine, aber feine Laune der Geschichte, dass das Haus ausgerechnet am Jungmannovo náměstí steht, am Prager Jungmannplatz. Der Platz ist nach dem böhmischen Sprachwissenschaftler und Übersetzer Josef Jungmann benannt, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Erneuerung der tschechischen Schriftsprache gekämpft hat – und damit für eine Stärkung des Tschechischen in der Sprachenvielfalt der Habsburgermonarchie, insbesondere gegenüber dem Deutschen. Heute steht im Schatten seiner Statue das Österreichische Kulturforum, ein Ort der kulturellen Begegnung, untergebracht im vorderen Flügel des hiesigen Franziskanerklosters. Natascha Grilj ist hier die Direktorin:

Natascha Grilj (Foto: Gerald Schubert)Natascha Grilj (Foto: Gerald Schubert) „Kulturelle Beziehungen sind für zwei Länder, besonders für Nachbarländer, äußerst wichtig. Denn auch, wenn es in der Politik oft knirscht und Knackpunkte gibt: Die kulturellen Beziehungen funktionieren eigentlich immer.“

Jährlich unterstützt das Kulturforum mehr als 250 Projekte. Es will nicht nur Präsentationsraum sein, sondern auch Treffpunkt für Germanisten, Historiker, Übersetzer, Archivare und natürlich für die vielen kulturinteressierten Menschen in Prag. Natascha Grilj:

„Im Prinzip ist es unsere Grundaufgabe, Österreich als innovativ-kreatives Land zu präsentieren, auch unter Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklungen. Mein Begriff von Kulturarbeit geht jedoch weit darüber hinaus. Wir haben hier auch sehr viele Veranstaltungen, die sich nicht auf die Präsentation österreichischer Kultur beschränken. Zum Beispiel Präsentationen von Übersetzungen, oder Ausstellungen mit starker Einbeziehung unserer tschechischen Freunde. Wir schauen immer, inwieweit etwas auch für unser Gastland eine Rolle spielt. Die Berücksichtigung des Gastlandes ist unser Hauptanliegen.“

Foto: Gerald SchubertFoto: Gerald Schubert Anlässlich seines 20. Geburtstages kann man im Kulturforum nun einen Querschnitt durch die Arbeit von zwei Jahrzehnten betrachten. Monatelang haben Natascha Grilj und ihre Kollegen dafür das Archiv durchforstet.

„Wir haben einmalige Dinge gefunden: Fotos, Plakate, Theaterprogramme, Lesungsprogramme oder Ankündigungen für Veranstaltungen in Prag und anderen Städten. Wir waren wirklich begeistert. Es war eine wunderbare Arbeit, und ich glaube, wir kennen die Geschichte unseres Kulturforums jetzt ziemlich gut.“

Einige Exponate haben es Natascha Grilj besonders angetan. Vor allem solche, in denen sich die Geschichte ihrer Institution mit der Geschichte des Gebäudes und der Geschichte beider Länder, also Österreichs und Tschechiens, miteinander verbinden:

„Zum Beispiel hatten wir hier eine Bertha-von-Suttner-Lesung der Historikerin Brigitte Hamann. Das erwähne ich auch deshalb gerne, weil ja nächstes Jahr der 100. Todestag von Bertha von Suttner ist, einer geborenen Pragerin, zu der wir einen besonderen Nahebezug haben. Sie wurde hier in der Kirche Maria Schnee im Franziskanerkloster getauft, und als Pazifistin, Schriftstellerin und Publizistin war sie nicht nur für Österreich und Tschechien eine sehr wichtige Frau, sondern für ganz Europa.“

Erster Direktor des Kulturforums war ab 1993 Valentin Inzko, der heutige Hohe Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina. Damals hieß die Einrichtung noch Kulturinstitut und war im Gebäude der österreichischen Botschaft angesiedelt, auf der anderen Seite der Moldau. Inzko ist es zu verdanken, dass das Kulturinstitut schon nach drei Jahren in ein eigenes Haus umziehen konnte, erzählt Natascha Grilj:

„Valentin Inzko ging am Sonntag regelmäßig zu den Franziskanern in die Messe und kam dabei mit den Brüdern ins Gespräch. Er sagte ihnen, dass das Kulturinstitut Räumlichkeiten für Veranstaltungen sucht und die Kulturbeziehungen noch weiter ausbauen möchte. Die Franziskaner haben ihm daraufhin diese Räume im Kloster angeboten. 1996 fand die Übersiedlung statt, und inzwischen kennt man glaube ich in ganz Tschechien unser gelbes Haus am Jungmannplatz.“

 

Die Ausstellung „20 Jahre ÖKF“ ist noch bis zum 31. Oktober geöffnet. Die Adresse ist: Prag 1, Jungmannovo náměstí 18. http://www.oekfprag.at

28-09-2013