Nationalgalerie zeigt Barock-Meister Wenzel Hollar

11-01-2020

Wenzel Hollar war ein böhmischer Zeichner und Kupferstecher der Barockzeit. Den Großteil seines Lebens verbrachte er aber in England. Die Prager Nationalgalerie zeigt nun erstmals eine große Ausstellung von Werken des Barockkünstlers.

Quelle: Archiv der Nationalgalerie in PragQuelle: Archiv der Nationalgalerie in Prag Wenzel Hollar: Selbstbildnis (Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain)Wenzel Hollar: Selbstbildnis (Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain) Wenzel (Václav) Hollar wurde 1607 in Prag als Spross einer wohlhabenden Familie geboren. Seine ersten Kupferstiche schuf er mit 18 Jahren unter der Leitung des Künstlers Aegidius Sadeler. 1636 begegnete er in Köln dem englischen Diplomaten Thomas Howard, Earl von Arundel, der ein großer Kunstsammler war. Mit ihm reiste er nach England, wo er sich niederließ und im Jahr 1677 schließlich starb. In seinen Arbeiten verewigte er vor allem Städte, Landschaften, aber auch Menschen. Sein Werk umfasst neben mehr als 3000 Radierungen auch 450 Zeichnungen. 187 davon sind zurzeit in der Nationalgalerie zu sehen.

Wenzel Hollars Zeichnungen werden in mehreren namhaften Galerien der Welt aufbewahrt. So sind in Prag vor allem Leihgaben aus dem Ausland ausgestellt. Alena Volrábová leitet die Sammlung der Zeichnungen und Graphiken in der Nationalgalerie. Sie hat die Ausstellung zusammengestellt.

„Die Schau ist aufgrund der Qualität der Zeichnungen einzigartig. Dabei wird Hollar weltweit erstmals als Zeichner vorgestellt.“

Die Bilder seien meisterhaft und bezaubernd, viele seien sogar in Farbe, erläutert die Kuratorin:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Hollar ging bei den Zeichnungen teilweise genauso vor wie bei seinen Radierungen. Er bevorzugte kleinere Formate, war sehr konsequent und konzentrierte sich sehr auf Details. Für seine Zeichnungen ist eine Stilisierung typisch. Hollars Werke wirken deshalb irgendwie nett. Der Beobachter bekommt ein Gefühl von Nähe, wenn er die Darstellungen aus den Städten betrachtet. Hollar kolorierte seine Zeichnungen oft. Dies zeugt davon, dass es sich nicht um Vorlagen für Radierungen, sondern um fertige Werke handelt. Die Arbeiten der niederländischen Landschaftsmaler am Hof Rudolfs II. sind da anders. Ihre Werke wurden durch dramatische Elemente ergänzt. Aber für Hollar ist eine ruhige Darstellung typisch. Zudem hat er die Landschaft nicht wie seine holländischen Vorgänger aus einer oberen Perspektive heraus gezeichnet. Er nahm den Blickwinkel des Beobachters ein.“

Miniaturformate und Stilisierung

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Hollar neigte schon in seinen frühen Arbeiten zu Miniaturformaten. Die Expertin:

„Er war zudem imstande, beim Beobachter das Gefühl zu wecken, ein ihm sonst entferntes Motiv als ein nahes Thema wahrzunehmen. Es handelte sich um eine Art der Stilisierung, indem er eine vereinfachte Abbildung durch wichtige Details ergänzte. Dieses Vorgehen findet sich in seinem ganzen Werk.“

Hollars Leben war sehr bunt. Er reiste viel und begegnete zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Die Ausstellung ist in einige Teile gegliedert, die Werke aus den einzelnen Episoden seines Lebens zeigen.

„Sein Schicksal war sehr interessant. Die Themen seiner Arbeiten haben sich im Laufe seines Lebens geändert. Er zeichnete nicht nur Landschaften, die als Thema vorherrschen, sondern auch Menschen, die er traf, insbesondere dann Frauen. Um den Besuchern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wo er sich überall aufhielt, wie große Reisen er unternahm und in welchem politischen Umfeld er sich bewegte, werden Landkarten in der Ausstellung gezeigt. Dort sind Orte mit Jahreszahlen gekennzeichnet, die für Hollars Schicksal bedeutend waren.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Der Künstler kam 1607 in der Familie eines hohen Prager Hofbeamten zur Welt, der zum niedrigeren Adel gehörte. Der Vater Jan Hollar nutzte das Prädikat von Prácheň / Prachenberg, die Mutter Margareta Löw stammte aus der Oberpfalz. Alena Volrábová:

„Hollar stammte aus einer deutsch-tschechischen Familie und war zweisprachig. Er beherrschte vermutlich auch Latein. Denn die Familie wünschte sich ursprünglich, dass er Jurist wird. Hollar hatte schon früh eine Beziehung zur Kunst. Dies hat der Vater nur ungern zur Kenntnis genommen. Es gibt einige Berichte darüber. Hollar erinnerte sich in seinen eigenen Aufzeichnungen daran, zudem steht dies auf seinem Selbstbildnis. Er beschreibt dort seine Vorlieben aus der Jugend und dass er ins Ausland gezogen ist.“

Aus Prag nach England

Thomas Howard (Foto: Martina Schneibergová)Thomas Howard (Foto: Martina Schneibergová) Eine ausschlaggebende Rolle spielte in Hollars Leben seine Begegnung mit dem englischen Diplomaten und Kunstsammler Thomas Howard, Earl von Arundel.

„Arundels Rolle würde ich unter zwei Aspekten beschreiben. Er reiste in diplomatischer Mission und brauchte jemand, der seine Reise mit Bildern dokumentiert. Dies war damals üblich. In Köln traf er schließlich Hollar. Da Arundel ein großer Kunstkenner war, erkannte er Hollars Begabung und stellte ihn ein. Dies ist der erste Aspekt von Arundels Bedeutung für Hollar. Sie unternahmen Schiffsreisen auf dem Rhein, dem Main und der Donau. Davon ist eine wichtige Sammlung von Zeichnungen erhalten geblieben. Danach reiste Hollar mit Arundel nach England und trat in dessen Dienst – das ist der zweite Aspekt. Er ließ sich dort nieder und kehrte nie mehr nach Prag zurück.“

Der Kuratorin zufolge wird ein Teil der Zeichnungen Hollar nur zugeschrieben. Die 450 Werke, die er ganz bestimmt geschaffen hatte, befinden sich in verschiedenen Kunstsammlungen in Europa und Nordamerika.

„Sie sind vor allem in England zu sehen, wo Hollar den größten Teil seines Lebens verbrachte. Die größte Sammlung seiner Bilder gibt es im Kupferstichkabinett in Berlin. Auch wenn es in Nordamerika schöne Werke von Hollar gibt, konzentrierten wir uns auf die Sammlungen in Europa. Wir haben namhafte Institutionen angesprochen und es ist uns gelungen, Arbeiten aus dem Britischen Museum in London, aus den königlichen Sammlungen in Windsor, aus den Sammlungen des Herzogs von Devonshire aus Chatsworth, aus einigen deutschen Institutionen, aus der Wiener Albertina und auch beispielsweise aus dem Rijksmuseum in Amsterdam nach Prag zu holen. Insgesamt wurden Zeichnungen von 17 ausländischen Institutionen geliehen.“

Die Ausstellung von Václav Hollars Zeichnungen ist bis 23. Februar im Palais Kinski auf dem Altstädter Ring in Prag zu sehen. Die Galerie ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mittwoch ist sie bis 20 Uhr zugänglich. Die Nationalgalerie bietet ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung an. Es können auch Führungen auf Deutsch oder Englisch gebucht werden.

11-01-2020