Antonín Dvořák zu Ehren: Festival in Příbram

Konzerte, Opernvorstellungen oder ein Wettbewerb für junge Komponisten stehen auf dem Programm des Antonín-Dvořák-Festivals Příbram.

Albína Houšková (Foto: Martina Schneibergová)Albína Houšková (Foto: Martina Schneibergová) 14 Konzerte, zwei Opernvorstellungen und ein Wettbewerb für junge Komponisten stehen auf dem Programm des diesjährigen Antonín-Dvořák-Festivals Příbram. Die Festspiele finden nicht nur in Schlössern und Kirchen in der Umgebung von Příbram, sondern auch im dortigen Bergbaumuseum statt.

Das Antonín-Dvořák-Festival Příbram wird in diesem Jahr zum 50. Mal veranstaltet. Das Jubiläum habe die Dramaturgie beeinflusst, sagt Festivaldirektorin Albína Houšková.

„Es ist uns gelungen, mehrere renommierte Künstler anzusprechen, die während der vergangenen Jahre beim Festival aufgetreten sind. Zu ihnen gehört der Violinist Václav Hudeček, der schon 1979 als 18-Jähriger an den Festspielen teilgenommen hat. Oder auch die Sopranistin Gabriela Beňačková, die bei der 10. Ausgabe der Festspiele auf der Bühne stand. Zudem haben wir die Harfenistin Jana Boušková, den Klaviervirtuosen Ivo Kahánek oder den Hornisten Radek Baborák eingeladen. Baborák war Jahre lang als Solohornist bei den Berliner Philharmonikern engagiert. Die Prager Rundfunksymphoniker, die 1969 hier gespielt haben, haben fast mit demselben Programm wie damals das diesjährige Festival eröffnet.“

Konzert im Zechenhaus

Antonín-Dvořák-Gedenkstätte in Vysoká (Foto: CzechTourism)Antonín-Dvořák-Gedenkstätte in Vysoká (Foto: CzechTourism) Die Konzerte finden in den Schlössern Dobříš, Březnice, in der Antonín-Dvořák-Gedenkstätte in Vysoká sowie in einigen Kirchen statt. Aber diesmal wird auch an einem ungewöhnlichen Ort musiziert, sagt die Festivaldirektorin.

„Zwei Konzerte werden im früheren Zechenhaus der Anna-Grube veranstaltet. Denn Příbram war früher ein Bergbauzentrum. In diesem besonderen Raum wird ein spezielles Programm für Gymnasiasten angeboten.“

Die Konzerte im Zechenhaus finden im Rahmen des „Tags mit Antonín Dvořák“ statt. Mit den rund 20 Open-Air Veranstaltungen verfolgen die Organisatoren ein ganz bestimmtes Ziel. Sie wollen diejenigen ansprechen, die sonst keinen Zugang zu klassischer Musik hätten, so Albína Houšková:

„Wir zeigen den Menschen, dass die klassische Musik schön und angenehm ist und dass sie so zusagen die Seele streicheln kann. Wir haben vor zwei Jahren mit Programmen für kleine Kinder angefangen, im vergangenen Jahr zeigten auch Gymnasien Interesse an dem Musikangebot. Musiziert wird an diesem Tag nicht nur vor den Schulen, auf dem Marktplatz, im Kaufhaus, aber auch im Krankenhaus und in einem Seniorenheim. Dort überall möchten wir darauf aufmerksam machen, wie herrlich Musik sein kann.“

Albína Houšková ist davon überzeugt, dass bei einem Musikfestival nicht nur Werke gespielt werden, sondern auch neue Kompositionen entstehen sollen. Zum dritten Mal wurde darum ein internationaler Wettbewerb für Komponisten unter 40 Jahre ausgeschrieben. Die Siegerwerke werden kommendes Jahr vorgestellt.

Das Festival wird jedes Jahr auch von ausländischen Musikliebhabern besucht, wie Albína Houšková bestätigt:

„Es kommen eher individuelle Besucher als organisierte Reisegruppen, und zwar vor allem aus Deutschland und Österreich – also aus Ländern, wo der Kulturtourismus weiter entwickelt ist als in Tschechien.“

Indischer Dirigent entdeckt den Heiligen Berg

Debashish Chaudhuri (Foto: Martina Schneibergová)Debashish Chaudhuri (Foto: Martina Schneibergová) Zum Abschluss des Festivals wird ein Open-Air-Konzert im Wallfahrtsort Svatá Hora / Heiliger Berg bei Příbram veranstaltet. Zu hören ist die Prague Philharmonia PKF unter der Leitung von Debashish Chaudhuri. Das Konzert auf dem Heiligen Berg sei seine Idee gewesen, so der indische Dirigent.

„Der Ort Svatá Hora hat mich gleich angesprochen. Die Festivaldirektorin war von der Idee begeistert. Es mussten nur noch ein paar Details gelöst werden. Ich habe vorgeschlagen, dort Dvořáks Requiem zu spielen. Das vergangene Jahr war traurig für mich. Beim Eröffnungskonzert saß Antonín Dvořák III., der Enkelsohn des Komponisten neben mir. Ich habe ihn Opa genannt. Zum Abschlusskonzert konnte er nicht mehr kommen, weil er im Krankenhaus lag. Er ist nur wenige Tage später gestorben. Zur selben Zeit mussten wir außerdem von Professor Jiří Bělohlávek Abschied nehmen. Das war ein so großer Verlust für die tschechische Musik. Mit dem Requiem möchte ich der beiden Persönlichkeiten gedenken.“

Mit Dvořák auf Indien-Tournee?

„An Dvořáks Arbeiten ist zu erkennen, dass sein Glaube innerlich und sehr tief war.“

Debashish Chaudhuri lebt schon seit 18 Jahren in Tschechien. Seine Frau Jana ist Pianistin. Ursprünglich stammt der Dirigent aus Kolkata. Nach dem Studium in Indien, Singapur, den USA und England kam er nach Tschechien. Als erste Inder studierte er Dirigieren am Prager Konservatorium. Damals knüpfte er enge Kontakte zu den Nachkommen von Antonín Dvořák, denn er bewundert den Komponisten sehr. Der Künstler sagte, Dvořák sei für ihn wie einer der indischen Götter.

Antonín DvořákAntonín Dvořák „Ich habe schon so viele verschiedene Werke von vielen Komponisten dirigiert. Aber Antonín Dvořák ist einzigartig, da er so eine tiefe spirituelle Dimension hat. Ich bin wie die Mehrheit der Inder auch sehr am Spirituellen interessiert. Religionen wurden von Menschen geschaffen, einen Glauben haben aber wir alle. Und an Dvořáks Arbeiten ist zu erkennen, dass sein Glaube innerlich und sehr tief war. Wenn ich eine Konzerttournee durch Indien unternehmen würde, wäre klar, dass ich Dvořáks Werke dort spielen müsste, nicht Smetana oder Janáček, sondern Dvořák.“

Debashish Chaudhuri wird vor dem Abschlusskonzert am 4. Juni noch ein einzigartiges Projekt im Haus Natura in Příbram leiten. Es handelt sich um das sogenannte „immersive Konzert“, bei dem es keinen Abstand zwischen dem Publikum und den Musikern gibt. Der Zuschauer wird Teil der musikalischen Leistung, kann mitsingen und inmitten der Musiker sitzen. Die Konzertbesucher bräuchten keine Angst davor zu haben, sagt der Dirigent:

„Befürchtungen kann vielleicht nur der Dirigent haben. Denn ich bin beispielsweise gewöhnt, dass die Flöte dort und dort erklingt und plötzlich sitzt der Flötenspieler anderswo. Denn die Musiker sind zerstreut zwischen den Zuschauern. Für den Dirigenten ist es eine Herausforderung. Der Besucher hat dabei die Chance, ein konkretes Instrument im Orchester aus der Nähe zu hören, das er sonst kaum zur Kenntnis nehmen würde. Es handelt sich dabei um das Erlebnis und die unmittelbaren Reaktionen. Es gibt keine Vorbereitungen. Ich bin davon überzeugt, dass das Konzert gut klappt.“

 

Das Antonín-Dvořák-Festival Příbram findet bis 7. Juni an verschiedenen Orten in der mittelböhmischen Stadt Příbram und ihrer Umgebung statt. Mehr über das Festivalprogramm erfahren Sie unter www.hfad.cz.