Tschechische Caritas im Land der Jurten

Der tschechische Caritasverband hilft seit vielen Jahren in zahlreichen Ländern der Welt. Das sind neben rein humanitären Projekten auch weitere im Gesundheitswesen, in der Sozialarbeit, Landwirtschaft, Bildung sowie im Umweltschutz und der Einhaltung der Menschenrechte. Zu diesem Zweck betreibt die Caritas eigene Büros. So auch in der Mongolei, wo die kirchliche Hilfsorganisation seit 2008 ansässig ist.

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes In der Mongolei gibt es keine geregelte Abfallwirtschaft, dazu fehlen allein schon entsprechende Gesetze. Deswegen wird der Müll nicht selten einfach in die Natur geworfen, oder er kommt auf wilde Deponien. Die tschechische Caritas will dabei helfen, einige der Missstände in diesem Bereich zu beheben. Jana Žilková leitet seit Juli dieses Jahres das Caritas-Büro in der Mongolei. Sie kennt das Land jedoch gut, da sie schon zuvor dort zwei Jahre lang gelebt hat. Eines der Projekte, das sie betreut, konzentriert sich auf Abfälle in der Bauindustrie.

„In der Mongolei hat man sich bisher keine Gedanken darüber gemacht, was mit dem Müll geschehen soll, der bei Bauarbeiten oder beim Abriss von Gebäuden anfällt. Es gibt nur wilde Mülldeponien. Vor kurzem habe ich eine derartige Halde besucht, sie war einige Quadratkilometer Fläche groß. Ich habe fast geweint, als ich das gesehen habe. Alle Firmen aus der Umgebung transportieren sämtlichen Müll dorthin. Wir bemühen uns, den kleinen und mittelgroßen Firmen zu helfen, mit den Abfällen umzugehen und den Müll wiederzuverwerten. In Zusammenarbeit mit einer niederländischen Universität haben wir einen Online-Kurs entwickelt, den wir den Firmen anbieten. Wir versuchen ihnen zu erklären, dass Müll recycelt werden kann.“

Mongolische Melonen

Jana Žilková (Foto: Martina Schneibergová)Jana Žilková (Foto: Martina Schneibergová) Ein weiteres Caritas-Projekt hat das Ziel, das Interesse an der Landwirtschaft zu wecken. Viele Gegenden der Mongolei bestehen zwar aus Steppe oder Wüste. Doch in der Provinz Khentii im Nordosten des Landes herrschen gute Bedingungen für die Gemüsezucht. Jana Žilková:

„Wir arbeiten mit den dortigen Landwirten zusammen. Wir haben dort zwei große Gewächshäuser errichtet und den Interessenten beigebracht, Gemüse anzupflanzen. Die Gewächshäuser werden in den nächsten drei Jahren der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Bei der Vermittlung der Erfahrungen aus der Landwirtschaft arbeiten wir mit den Ämtern zusammen. Das Interesse der Mongolen ist sehr groß. 2017 haben wir 20 Bauernvereine verzeichnet, binnen eines Jahres ist ihre Zahl auf mehr als 40 gestiegen.“

Die Mongolen sind vorwiegend Nomaden. Sämtliche Lebensmittel für den eigenen Bedarf produzieren sie selbst – das Fleisch sowie Milchprodukte. Der Gemüseanbau sei für die Bewohner etwas völlig Neues, erzählt die Caritas-Mitarbeiterin.

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes „Dank dem Gemüseanbau entstehen in der Provinz auch neue Arbeitsplätze. Denn die Arbeitslosigkeit stellt ein großes Problem dar. Viele Mongolen verzichten auf ihre traditionelle Lebensweise und ziehen in die Hauptstadt. In ihrer Umgebung entsteht die sogenannte ,Jurtenstadt‘, in der jedoch eine erforderliche Infrastruktur fehlt und die Bewohner arbeitslos sind. Wir versuchen den Menschen zu zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, als in die Stadt zu ziehen. Denn mit dem Gemüseanbau können sie Geld verdienen.“

In der Provinz Khentii gibt es beispielsweise grüne Weiden. Das Klima dort unterscheidet sich vom Klima in den anderen Regionen des Landes, erzählt Žilková.

„Die Menschen züchten dort Gurken und Tomaten. Gerade hat mir eine Kollegin ein Foto einer frischen Melone geschickt. Die mongolischen Melonen sind kleiner als unsere Melonen, aber süßer. Es werden aber auch Kartoffeln, Zwiebeln und Mais angebaut.“

Gäste immer willkommen

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Jana Žilková besuchte die Mongolei zunächst als Touristin. Später zog sie dort hin. Sie erinnert sich an ihre ersten Eindrücke:

„Es war ein Abenteuer. Zuerst erlebt man einen Kulturschock. Es gibt dort Sachen, die uns ungewöhnlich vorkommen, aber auch vieles, das mir von Anfang an gefiel. Was ich an den Mongolen sehr schätze, ist ihr Familienleben. In ihrer Gesellschaft spielt die Familie die wichtigste Rolle. Sie kümmern sich sehr gut um ihre Angehörige. Wenn jemand arbeitslos wird oder wenn jemand seinen Partner verliert, lassen ihn seine Verwandten nicht im Stich. Die Kinder stehen in der Pflicht, für die Eltern zu sorgen, wenn diese alt werden. Heutzutage passiert es öfter, dass die jungen Menschen im Ausland leben, dann kümmern sich auch entfernte Verwandte um deren Eltern.“

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Tief beeindruckt war Žilková von Anfang von der mongolischen Natur. Allein deswegen lohne sich ein Besuch des Landes. Aber nicht nur die Landschaft habe sie bezaubert.

„Die Menschen sind unglaublich ehrlich und nett, insbesondere außerhalb der Hauptstadt. Ich war einmal mehrere Tage lang unterwegs, und plötzlich stießen wir inmitten der menschenleeren Landschaft auf eine Jurte. Die Leute luden uns ein und kochten gleich Tee für uns. Vor allem auf dem Land sind die Menschen sehr gastfreundlich. Selbst wenn sie fast nichts haben, teilen sie das Wenige mit ihren Gästen.“

Tschechische Spuren

Foto: Archiv des tschechischen CaritasverbandesFoto: Archiv des tschechischen Caritasverbandes Dabei gibt es sogar tschechische oder genauer gesagt tschechoslowakische Spuren in der Mongolei. Damit meint die Expertin bei weitem nicht nur die Przewalski-Pferde aus dem Prager Zoo, die vor einigen Jahren im Gobi-B-Nationalpark ausgewildert wurden.

„Ich war sehr überrascht, dass alle Menschen, denen ich in der Mongolei begegnet bin, unglaublich gute Geschichtskenntnisse haben. Dies gilt auch beispielsweise für Taxifahrer oder Leute, die ich zufällig getroffen habe. Aus anderen Ländern war ich gewöhnt, dass man oft nicht wusste, dass die Tschechoslowakei nicht mehr existiert. Aber die Mongolen wissen genau, wann es zur Auflösung der Tschechoslowakei gekommen ist und auch aus welchen Gründen. Tschechien hat in dem Land einen sehr guten Ruf. Die tschechische Botschaft gehört dort zu den aktivsten diplomatischen Vertretungen. Viele Mongolen haben in der Tschechoslowakei, in Tschechien oder in der Slowakei studiert oder gearbeitet. Diese Leute treffen sich einmal in der Woche. Ich habe mittlerweile Mongolisch gelernt, aber zu Anfang habe ich eher versucht, mich auf Englisch zu verständigen. Das hat jedoch nicht immer geklappt. Als ich einmal in einer Bank etwas erledigen wollte, sprach mich der Beamte auf einmal Tschechisch an. Seine Begründung: Er finde, dass ich irgendwie ,tschechoslowakisch‘ aussehe.“