Rumburak – der Zauberer aus „Die Märchenbraut“ packt aus

Tschechische und deutsche Kinder, die in den 70er / 80er Jahren groß geworden sind, haben in ganz verschiedenen Welten gelebt. Zwischen ihnen war der Eiserne Vorhang, der Europa in Ost und West teilte. An eine Gemeinsamkeit könnten sie heute allerdings anknüpfen. Und das ist die Erinnerung. Die Erinnerung an TV-Figuren wie Arabela und Rumburak. Die tschechoslowakische Fernsehserie „Arabela“, die in West-Deutschland unter dem Titel „Die Märchenbraut“ lief, wurde Ende der 70er Jahre in Zusammenarbeit mit dem WDR produziert. Noch heute gibt es Internetforen, auf denen die Kinder von damals ihre Erinnerungen daran austauschen. Christian Rühmkorf hat den Zauberer Rumburak in einer Prager Straßenbahn getroffen und einen Interview-Termin ausgemacht. Hören Sie eine neue Folge von „Forum Gesellschaft“.

„Ich habe die tschechischen Filme damals verschlungen. Ich würde sie heute gerne meinen Kindern zeigen. Die Märchenbraut und Pan Tau waren einfach klasse.“

„Die Märchenbraut auf DVD wäre echt toll! Suche schon lange danach wegen der vielen schönen Erinnerungen an früher.“

„Ich war als kleiner Junge immer in Arabella verliebt.“

„Ich finde, die tschechischen Kinderserien sind mit das Beste, was es in diesem Genre gibt, jedenfalls die aus den 80er Jahren.“

 

Herr Maier ist ein Schauspieler für winzige Nebenrollen und außerdem erzählt er abends im Fernsehen Märchen für Kinder. Ein Glöckchen, das er bei Dreharbeiten gefunden hat, ruft Rumburak herbei, den Zauberer zweiter Kategorie. Der nimmt Herrn Maier unter seinem Zaubermantel mit. Dort, wo sie landen, marschieren die sieben Zwerge an ihnen vorbei. Herrn Maier schwant, wo er gelandet ist – im Märchenreich. Er und Rumburak machen sich miteinander bekannt.

Dann geht alles sehr schnell. Maier erschießt aus Versehen Rotkäppchens bösen Wolf. Der König des Märchenreiches macht Rumburak dafür verantwortlich, der fortan den Wolf ersetzen muss. Rumburak schwört Rache, will das Märchenreich und die Märchenbraut Arabela erobern – mit Hilfe eines Zauberrings. Dabei kommt es zu einer unheilvollen Verquickung von Märchenreich und Menschenwelt, an dessen Ende natürlich ein Happy-End steht. Die Märchenbraut Arabela kann endlich ihren geliebten Peter, den Sohn von Herrn Maier aus der Menschenwelt, heiraten.

„Das war ein eigenartiger Zufall. Ich verstehe das eigentlich bis heute selbst noch nicht so ganz. Den Regisseur Václav Vorlíček habe ich persönlich nämlich überhaupt nicht gekannt. Aber eines Tages hat er mich angerufen, ob ich nicht bei einer Serie mitmachen würde mit dem Titel „Arabela – Die Märchenbraut“, wo ich einen Zauberer Namens Rumburák spielen sollte. Ich bin also in die Barrandov-Studitraßeos gefahren, aber da haben die gar keine Kamera-Probe mit mir gemacht, wie das sonst üblich ist. Ich weiß nicht, ob sie einfach so viel Vertrauen hatten oder ob sie die Rolle vielleicht sogar für mich geschrieben haben. Auf alle Fälle bin ich froh, dass ich sie nicht enttäuscht habe“, sagt Rumburak, alias Jiří Lábus.

Rumburak hat nicht enttäuscht. Die Serie, die Ende der 70er Jahre vom tschechoslowakischen Fernsehen gemeinsam mit dem WDR produziert wurde, hat den Schauspieler Lábus berühmt gemacht. Sein Gesicht kennt man auch in Deutschland. Noch heute nennen ihn die Leute auf der Straße Rumburak:

„Abends oder nachts fahre ich nicht gern mit der Straßenbahn. Da sind dann die ganzen Betrunkenen und schreien ´Ahoj Rumburak!´. Das ist schrecklich unangenehm und deshalb fahre ich abends vom Theater immer mit dem Taxi nach Hause. Aber ansonsten, wenn einen die Leute höflich ansprechen, dann ist das angenehm.“

Jiří Lábus hat in seiner Karriere mehr Schufte als geschmeidige Schwiegersöhne gespielt. Schon seine Abschlussprüfung an der Prager Schauspielschule „Damu“ hat er als Meckie Messer abgelegt. Mit Erfolg. Und das gilt auch für die Figur Rumburak:

„Rumburak war - obwohl so ein übler Kerl - bei den Kindern ziemlich beliebt. Vermutlich kam das durch das Zaubern, die Verwandlungen und das Reisen in der Zeit. Viele Kinder haben mir geschrieben, dass sie mir die Daumen drücken. Da hab ich dann zurück geschrieben, dass solche Kinder doch wohl in die Besserungsanstalt gehören. (lacht) Aber irgendwas ist natürlich dran. Jeder Mensch träumt irgendwie von den Zaubermöglichkeiten, die Rumburak hatte.“

Die Serie „Arabela – Die Märchenbraut“ war voller Witz, sie war spannend und gleichzeitig ein Spaß für groß und klein. Und bei den ganzen absurden Situationen, so erzählt Jiří Lábus, war die Serie doch von Menschlichkeit geprägt. Alle Figuren in dieser Serie, ob gut oder böse, hätten eine menschliche Dimension.

Auch bei der bekannten Serie „Luzie, der Schrecken der Straße“ war Lábus mit einer kleinen Rolle dabei. Gedreht wurde – wieder mit dem WDR – und zwar in Köln. Eine Woche im Westen, während zu Hause tiefster Kommunismus herrschte, das war für Lábus und seine Kollegen ein Erlebnis. West-Deutschland war zu dieser Zeit wie ein Märchenreich für die Schauspieler aus der Tschechoslowakei.

„Aber hallo – da haben wir wirklich mit offenen Augen und Mündern dagestanden. Prag war damals schrecklich grau und in Köln mit der ganzen Neonreklame, da war alles am leuchten. Wir waren hin und weg!“

Aufregend war auch das westliche Nachtleben mit seinen ganz besonderen Geschäften, die es in der kommunistischen Tschechoslowakei nicht gab - die mit den Bilderheftchen und den Kabinen, wo man sich für ´ne Mark ein kleines Stückchen Video anschauen konnte. Lábus und seine Schauspielerkollegen wurden davon magisch angezogen:

Jiří LábusJiří Lábus „Als richtige Tschechen sind wir natürlich zu Dritt in eine Kabine gegangen, und haben die Mark eingeworfen. Da kam dann aber nur ein ziemlich verschwommenes Bild. Ich sagte, was ist denn das?! Also hab ich den Besitzer gerufen und auf Deutsch meine Beschwerde gestottert. Der kriegte nur einen Lachanfall. Wir haben in den Projektor reingestarrt, während der Bildschirm hinter uns war. Der Mensch fragte uns: `Wo seid ihr denn bloß her?!´ Und Hanzlík sagte ´Poland, Poland!´ (lacht).“

Rumburak ist heute 57 Jahre alt und immer noch im Fernsehen und auf allen Prager Bühnen zuhause. Was würde er sich wünschen, wenn er heute noch einmal im Besitz seines Zauberrings wäre?

„Jetzt, wo ich merke, dass ich immer älter und älter werde, da verstehe ich den Faust. Ich würde mir wünschen, dass ich um viele, viele, viele, viele, viele Jahre jünger bin und in einem freien Land lebe. Auch wenn ich zur kommunistischen Zeit in meinem Beruf überwiegend das machen konnte, was ich machen wollte - es gab doch Sachen, die einem verwehrt blieben. Und der Zahn der Zeit ist unerbittlich. Wenn ich also den Zauberring von Rumburak hätte, dann würde ich die Zeit zwar nicht zurückdrehen wollen, aber mich selbst würde ich wirklich gerne biologisch verjüngen (lacht).“